Kernmattbach «en mi­ni­a­ture»

OBWALDEN ⋅ Der Kernmattbach fliesst auch in Rapperswil: als Modell im Massstab 1:20. Untersucht wird, wie das Wasser möglichst sauber in den Stollen geleitet wird.
07. April 2015, 00:00

Adrian Venetz

Normalerweise fliesst der Kernmattbach in ruhigen Bahnen. Bei starken Niederschlägen jedoch kann er über die Ufer treten und im Sarner Industrie- und Gewerbegebiet Kernmatt Schäden anrichten. Deshalb soll der Bach wie bereits mehrfach im Rahmen des Hochwasserschutzprojekts erläutert – in den Stollen fliessen, wenn Überschwemmungen drohen.

Doch wie genau soll man diesen Bach in einen Stollen umleiten, der rund 80 Meter unter der Oberfläche hindurchführt? Und vor allem: Wie verhindert man, dass Geschiebe und Schwemmholz des Kernmattbachs in den Stollen gelangt? Die Gemeinde Sarnen, zuständig für das «Teilprojekt» Kernmattbach, hat hierzu die Hochschule für Technik in Rapperswil zu Rate gezogen. Seit Anfang Jahr wird dort mit Hilfe von Modellversuchen die Einleitung des Kernmattbachs in den Entlastungsstollen simuliert.

«Man kann wunderbar beobachten, ob und wie das System funktioniert.»

Stephan Flury, Projektleiter Gemeinde

Modell laufend anpassen

«Oft reicht es, mit Hilfe von Computern solche Bauten und Szenarien zu simulieren und die Prozesse anschaulich zu machen», erklärt Stephan Flury, Projektleiter der Gemeinde Sarnen. «Beim Kernmattbach handelt es sich um ein etwas komplexeres Projekt. Deshalb haben wir uns für Modellversuche entschieden.» Seit Anfang Jahr steht nun in den riesigen Räumen des Instituts für Bau und Umwelt der Hochschule Rapperswil auch ein Modell des Kernmattbachs und des Schachts, der das Wasser in den Stollen führen soll dies im Massstab 1:20. «Man kann wunderbar beobachten, ob und wie das System funktioniert», sagt Flury. Laufend wird das Modell angepasst, bis das Optimum herausgeholt ist. Geplant ist, dass die Modellversuche noch bis August dauern.

Videos zeigen die Szenarien

Der Sarner Gemeinderat Jürg Berlinger hatte vor kurzem an der Versammlung der IG Hochwasserschutz verschiedene Videos von den Modellversuchen in Rapperswil gezeigt. Berlinger betont, dass für den Gemeinderat bei der Vergabe im letzten Herbst entscheidend war, bei diesem komplexen Projekt Modellversuche durchzuführen, um wichtige Erkenntnisse daraus zu gewinnen.

Eindrücklich sieht man auf den Videos, wie sich das Gesamtsystem mit dem sogenannten Wirbelfallschacht und dem Geschieberückhalt verhält, sobald das Wasser zu fliessen beginnt. Eine Drosselklappe lässt nur gerade so viel Wasser durch, wie der Kernmattbach schadlos abführen kann. Was über diese Menge geht, wird in den Wirbelfallschacht eingeleitet im Extremfall bis zu 25 Kubikmeter pro Sekunde.

Kieselsteine und Stöckchen

Simuliert werden können neben dem «Normalfall» – eher harmlose Hochwassersituationen, in denen nur wenig Wasser in den Stollen geleitet wird, bis hin zum Extremfall mit enormen Wassermengen, die der Fallschacht dann «schlucken» und senkrecht in den Stollen leiten muss. Statt riesige Steinbrocken und Holzstämme sind es im Modellversuch beispielsweise Kieselsteine, Sand oder zündholzgrosse Stöckchen, die dem Wasser beigemischt werden. «Es geht darum, sich der optimalen Geometrie anzunähern», erklärt Stephan Flury die verschiedenen Modellversuche in Rapperswil. Zentral sei vor allem, dass kein Geschiebe, sondern nur «sauberes» Wasser in den Stollen gelangen könne. «Solche Wirbelfallschächte sind nicht selten – bei Stauseen beispielsweise kommen sie oft zum Einsatz», erklärt Flury. Eher ungewöhnlich sei aber, dass das System bei Hochwasserschutzprojekten zur Anwendung komme, wo Geschiebe mit im Spiel ist. Deshalb würden sich hier solche eher aufwendigen Modellversuche besonders eignen. «Ein sauber ausgearbeitetes Projekt ist auch nötig, damit der Bund seine Subventionen spricht.»

Kosten: 145 000 Franken

Ganz billig sind die Modellversuche allerdings nicht. Gemäss Stephan Flury wendet die Gemeinde Sarnen hierzu rund 145 000 Franken auf. Dieser Betrag sei bereits in den Gesamtkosten von 6,5 Millionen Franken für das Projekt Kernmattbach enthalten, betont er.

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