Die Nationalbank, der Apple-Grossaktionär

DEVISENANLAGEN ⋅ Die jüngste Publikation der US-Börsenaufsicht zeigt, in welche US-Aktien das Team von SNB-Präsident Thomas Jordan seine Milliarden investiert. Neben Tech-Firmen hat es der Schweizerischen Nationalbank der Gesundheitssektor angetan.
13. August 2017, 05:00

Balz Bruppacher

Diese Woche war es wieder so weit: Die US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichte auf ihrer Webseite die Liste der am US-Markt kotierten Firmen, an denen die Schweizerische Nationalbank (SNB) Ende Juni beteiligt war. Gemäss einer Auswertung der US-Börse Nasdaq erhöhte sich der Wert des SNB-Portfolios innerhalb von drei Monaten um gut 3 Milliarden auf den neuen Rekordstand von 85,7 Milliarden Dollar.

Das grösste Engagement der SNB betrifft nach wie vor den Technologiekonzern Apple. Die über 19 Millionen Aktien entsprachen Ende Juni einem Wert von 2,8 Milliarden Dollar. Beteiligungen von über 1 Milliarde Dollar hält die SNB auch an vier weiteren Technologiekonzernen, der Google-Mutter Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook. Im «Milliarden-Dollar-Klub» der Nationalbank sind ausserdem der Pharmakonzern Johnson & Johnson und der Mineralölriese Exxon Mobil. Eine Gliederung in Sektoren des US-Portfolios der Nationalbank zeigt, dass das Gewicht der Technologieaktien im zweiten Quartal nochmals etwas gestiegen ist und nun einen Viertel ausmacht. Mit Anteilen von je gut 14 Prozent folgen Firmen aus dem Gesundheitssektor und der Konsumgüterindustrie. Der Anteil der Energieaktien ist leicht gesunken und macht noch 7 Prozent aus. Diese Engagements sind teilweise wegen der Klimaverträglichkeit umstritten.

Grüne nehmen SNB als Klimasünder ins Visier

Der Bundesrat hat in der Antwort auf einen Vorstoss der Grünen-Nationalrätin Adèle Thorens Goumaz (VD) Expertenberechnungen als nicht nachvollziehbar bezeichnet, wonach die Nationalbank mit ihren US-Beteiligungen hinter so viel CO2-Emissionen stehe wie die ganze Schweiz. Dennoch will der Bundesrat das Thema in den regelmässigen Treffen mit der SNB-Spitze aufnehmen. Thorens Goumaz hat inzwischen mit einer parlamentarischen Initiative nachgelegt.

Die Nationalbank will ihre Anlagepolitik vor politischen Überlegungen abschirmen und den Einfluss auf einzelne Märkte möglichst gering halten. Aktien werden passiv bewirtschaftet, indem eine Kombination von Aktienindizes nachgebildet wird. Ausnahmen macht die SNB seit vier Jahren bei Unternehmen, die international geächtete Waffen produzieren, grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen. Solche Titel sind aus ethischen Gründen ausgeschlossen, während Aktien von mittel- und grosskapitalisierten Banken gemieden werden, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Eine Ausschlussliste veröffentlicht die SNB im Unterschied zu einzelnen Pensionskassen und dem norwegischen Staatsfonds nicht.

Bei den Rüstungskonzernen hat die SNB in den vergangenen Jahren die Beteiligungen an General Dynamics, Lockheed Martin, Orbital ATK und Textron abgestossen. Sie hält aber weiterhin Aktien von Boeing, Northrop Grumman und Raytheon – Konzerne, die unter anderem im Visier der Volksinitiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» sind, für welche die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) Unterschriften sammelt. Offensichtlich wegen Umweltbedenken trennte sich die SNB 2016 von den Aktien des weltweit grössten Goldproduzenten Barrick Gold.

Die Durchsicht der vierteljährlichen Listen mit gut 2500 Firmen fördert aber auch Überraschendes zu Tage. So trennte sich die Nationalbank im dritten Quartal 2016 von den knapp 2 Millionen Aktien des Finanzdienstleistungs- und Medienkonzerns Thomson Reuters, die gut 78 Millionen Dollar wert waren. Die SNB ist Kunde des Unternehmens, das seinen Umsatz vor allem mit der Übermittlung von Finanzdaten macht. Ist ein Interessenkonflikt der Grund für den Verkauf der Aktien? Nein, heisst es. Nach Auskunft von SNB-Sprecher Walter Meier war vielmehr eine Änderung des Börsensektor-Codes ausschlaggebend: Per Ende August 2016 wechselte Thomson Reuters von der Kategorie «Publishing» zu «Financial Exchanges & Data» – und damit zu den seit 2013 ausgeschlossenen mittel- und grosskapitalisierten Banken und diversifizierten Finanzdienstleistern. Auch ganz profane Gründe wie die Kodifizierung von Firmen beeinflussen also die Anlagepolitik der SNB.


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