Anwohner drohen wegen geplanter Hundefreilaufzone mit Beschwerde

CHURCHILL-QUAI ⋅ Eine IG fordert einen Zaun rund um die geplante Hundefreilaufzone. Nur so sei die Bevölkerung geschützt. Die Stadt will die Situation im Rahmen der Testphase überprüfen.
20. März 2017, 19:53

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Die Stadt Luzern plant unter anderem am Churchill-Quai eine neue Hundefreilaufzone (wir berichteten). Dagegen wehrt sich nun die IG Churchill, «ein Zusammenschluss von besorgten Anwohnern». Die IG ist der Meinung, dass dadurch «die Sicherheit der Bevölkerung grobfahrlässig gefährdet» wird. Sie kritisiert insbesondere das Fehlen eines Zauns rund um die geplante Hundewiese.

Neben der Hundefreilaufzone am Churchill-Quai ist auch am Tribschenhorn eine Freilaufzone für Hunde vorgesehen. Bei beiden handelt es sich um ein Pilotprojekt, befristet auf zwei Jahre. Auf der Allmend gibt es eine solche Wiese bereits.

Verstoss gegen kantonales Recht?

Man sei nicht grundsätzlich gegen eine Hundefreilaufzone am Churchill-Quai, so die IG. Das vom Stadtrat geplante Projekt verstosse jedoch gegen kantonales Recht. Dies vor allem wegen der geplanten Teilaufhebung der Hundeleinenpflicht. Die kantonale Verordnung über das Halten von Hunden ist diesbezüglich klar. Artikel 3 lautet: «In öffentlich zugänglichen Lokalen, wie namentlich in Wirtschaften und Verkaufsläden, in Naturschutzgebieten, in Parkanlagen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf verkehrsreichen Strassen sind Hunde an der Leine zu führen, soweit nicht nach eidgenössischen, kantonalen oder kommunalen Bestimmungen ein Betretverbot besteht.»

Luzerns Stadtrat stellt sich aber auf den Standpunkt, dass im Falle der Hundefreilaufzonen am Churchill-Quai und Tribschenhorn Ausnahmen von dieser Regelung möglich sind. Dies hätten Abklärungen beim Rechtsdienst des kantonalen Gesundheits- und Sozialdepartements ergeben, sagt Cornel Suter, Leiter der Stadtgärtnerei, auf Anfrage.

Suter betont, dass die Hundehalter dabei aber zwingend die Vorgaben von Artikel 1 der Hundeverordnung einzuhalten hätten: Ihre Hunde so zu beaufsichtigen, dass diese keine Personen durch unzumutbares Gebell, Geheul oder auf andere Weise belästigen und die Parkanlage nicht verunreinigen würden. Hinzu komme, dass die Hunde unter anderem an Seeufern nicht unbeaufsichtigt gelassen werden dürfen. Grundsätzlich sei der Halter des Hundes für sein Tier verantwortlich und könne im Schadenfall haftbar gemacht werden.

Der Stadtrat will die Hunde-freilaufzone beim Churchill-Quai gegenüber der angrenzenden Spiel- und Liegewiese sowie an den Ecken mit dichten Hecken abgrenzen. «Sie werden mindestens einen Meter hoch sein», sagt Suter. «Gemäss Abklärungen mit Hunde-Fachleuten reicht diese Abgrenzung vollkommen aus.» Die Errichtung eines Zauns habe man aus gestalterischen und landschaftlichen Gründen als «zu hart» empfunden.

Heftige Kritik an Stadtrat Adrian Borgula

Dies sieht die IG Churchill völlig anders. Deren Sprecher Pascal Kalbermatten betont: «Hier stellt der Stadtrat gestalterische und landschaftliche Anliegen über die Sicherheit von Kindern, älteren Menschen und Behinderten.» Auch das vom Stadtrat dank zusätzlichen Hinweistafeln erhoffte «friedliche Nebeneinander von Hund und Mensch» sei ein Trugschluss, so Kalbermatten.

Kalbermatten übt harte Kritik insbesondere am Vorsteher der Direktion Umwelt, Verkehr und Sicherheit, Stadtrat Adrian Borgula (Grüne): «Es scheint, als ob Herr Borgula hier ein Rezept aus der Verkehrspolitik auf das Verhältnis zwischen Mensch und Hund anwenden will, was etwas fragwürdig erscheint. Auch verängstigte Kleinkinder werden sich durch Toleranzschilder kaum beruhigen lassen.»

Neben der IG Churchill gibt es eine IG Hundewiese, die das Projekt im Gegensatz zur ersteren begrüsst. «Mit der IG Hundewiese hat die Stadt Luzern einen Partner, der sich sehr engagiert zeigt, sich weiterhin für ein friedliches Miteinander einzusetzen», sagt Cornel Suter. Die IG Hundewiese wisse aber auch: «Wenn sich die Hundehalter nicht an die Auflagen halten, kann dies das Ende des Projekts bedeuten.»

«SIP und Quartierpolizei vermehrt vor Ort»

Die Hundefreilaufzone Churchill-Quai wird ab Mitte Mai eingeführt, jene beim Tribschenhorn ab Herbst 2017. Was, wenn nach Abschluss der Testphase das Fazit unbefriedigend sein sollte? Wird die Freilaufzone am Churchill-Quai dann doch umzäunt? «Ja, die Abgrenzung ist sicher ein Thema, welche wir im Rahmen des Pilotprojekts beobachten und überprüfen», sagt Suter. «Wir nehmen die Rückmeldungen der Anwohner und Spaziergänger sehr ernst. Parallel dazu sind SIP und Quartierpolizei vermehrt vor Ort; deren Rückmeldungen fliessen auch in unser Handeln ein.»

Video: IG wehrt sich gegen Hundewiese

Die angekündigten Freulaufzonen für Hunde in Luzern freut Hundehalter, Anwohner fürchten sich hingegen davor. Sie wollen gegen die Hundewiesen vorgehen. (Tele 1, 20.03.2017)




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