Ausser Spesen nichts gewesen

LUZERN ⋅ Unter dem mutmasslichen Decknamen Mariana zieht jemand im Internet Gutgläubige über den Tisch. Auf die betrügerische Masche fiel auch eine Luzernerin herein. Sie hat nun Anzeige erstattet. Das investierte Geld dürfte aber für immer verloren sein.
19. März 2017, 05:00

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Ein Macbook Pro mit einem 13-Zoll-Bildschirm für schlappe 600 Franken: Dieses Inserat weckte das Interesse der 57-jährige Luzernerin. Entdeckt hatte sie diese Annonce auf der Kleinanzeigenplattform Anibis. Der angebotene Computer kostet sonst im Handel rund 1700 Franken. Dieses Schnäppchen konnte und wollte sich die Frau nicht entgehen lassen.

Also überwies sie am 9. Februar die geforderten 600 Franken auf das im Inserat angegebene Konto bei der Schwyzer Kantonalbank. Mittlerweile sind fast fünfeinhalb Wochen verstrichen. Auf das Macbook aber wartet die Luzernerin bis heute. Sie ist sich mittlerweile bewusst, dass sie über den Tisch gezogen wurde. Eine entsprechende Anzeige hat die Luzernerin bereits erstattet. Nützen wird dies vermutlich nichts. Das Geld dürfte wohl für immer verloren sein.

Zuerst die Ware, erst dann das Geld

Im Inserat gab sich die Betrügerin – oder steckt ein Mann oder gar eine ganze Bande hinter der Gaunerei? – mit Vornamen als Mariana aus. Die Firmenadresse soll sich angeblich an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen befinden. Eine auf diesen Namen lautende Strasse gibt es dort tatsächlich. Anders verhält es sich mit Rorschach. Denn ­diese Mariana gibt vor, auch in dieser Stadt am Bodensee über ein Geschäftsdomizil zu ver­fügen. Der Haken dabei: Die aufgeführte Strasse, wo sich der Geschäftssitz angeblich befinden soll, findet sich in Rorschach aber nicht.

Die Frau aus Luzern hat sich auf der Suche nach der ominösen Mariana unter anderem auch mit der Schwyzer Kantonalbank in Verbindung gesetzt. «Sie sind nicht die Erste, die sich in dieser Angelegenheit meldet», hiess es gemäss der Geprellten seitens des Geldinstitutes. Eine Nachfrage beim Sprecher der Bank, Peter Geisser, brachte keine weiteren Erkenntnisse. Geisser sagt: «Aus Gründen des Bankkundengeheimnisses darf ich nichts sagen.»

Mit Betrügereien im Internet muss sich Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung ­Konsumentenschutz (SKS), regelmässig befassen. Den wichtigsten Präventionstipp fasst Stalder in zwei Worten zusammen: «Keine Vorauskasse.» Das heisst, die Ware ist erst dann zu bezahlen, wenn diese auch tatsächlich geliefert worden ist.

Sicherheit: Anibis investiert über eine Million Franken

Im Onlinehandel gibt es grosse und seriöse Händler. Wie aber erkennt man die Trickser und Betrüger? Lassen sich beispielsweise keine allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) finden, und ist die Kontaktadresse offensichtlich falsch oder überhaupt nicht deklariert, ist höchste Vorsicht geboten. Auch fehlende Kontaktdaten wie Telefon- bzw. Natelnummern und E-Mail-Adressen können ein Anzeichen dafür sein, dass es sich beim Onlinehändler um einen dubiosen Anbieter handelt. Es kann auch helfen, den Namen des Händlers in einer Suchmaschine einzugeben. Dort finden sich oft Kommentare. Wichtig sind vor allem jene Berichte, welche Liefer- oder Qualitätsprobleme thematisieren.

Bei der Kleinanzeigeplattform Anibis, die zur Scout24-Gruppe gehört, werde, so Regula Sandi von der Medienstelle, jährlich ein siebenstelliger Betrag in die Betrugsbekämpfung investiert. Die Zusammenarbeit mit Polizei und Fachstellen sei eng, führt Sandi weiter aus. Sie sagt auch: «Wir haben täglich rund 30 000 neue oder veränderte Inserate. Trotz mehrstufiger Kontrollmechanismen können nicht alle Betrugsversuche erkannt werden. Wir appellieren an die Vorsicht der User.»


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