Die rechte Hand des Bischofs

HOCHDORF ⋅ Pfarrer Roland Häfliger ist neu Domherr für den Stand Luzern. Seine heutige Einsetzung in Solothurn wird eine stattliche Delegation aus dem Seetal mitverfolgen.
16. Februar 2017, 07:20

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Ob Bischof Felix Gmür seinem neuen Vertrauten aus Hochdorf an der dortigen Fasnacht die Aufwartung macht, ist noch nicht verbürgt. Wohl aber, dass Pfarrer Roland Häfliger, Mitglied der Martinizunft, heute um 16.30 Uhr in der Kathedrale Solothurn zu grossen Ehren kommt: Dompropst Arno Stadelmann setzt den 53-Jährigen als neuen Domherrn für den Stand Luzern ein. «Eine Anerkennung und ein Vertrauensbeweis zugleich», so Häfliger.

Er habe dieses Amt nicht gesucht, sagt der Pfarrer. Das Ja folgte auf Anfrage des Bischofs. Dieser empfahl ihn dem Regierungsrat zur Wahl. Als Domherr sei er «das Bindeglied zwischen Bischof und Regierung», sagt Häfliger. Diese Aufgabe habe ihn gereizt. «Ich kann mich neu auch ausserhalb der Pfarrei einbringen.» Häfliger löst Jakob Zemp aus Schüpfheim als Domherr ab, der nach über 20 Jahren per Ende 2016 zurückgetreten ist.

Will als Firmspender «die rechten Worte finden»

Das Domkapitel wählt den Bischof und besteht aus 18 Dom­herren, je drei aus Solothurn, Luzern, Bern sowie dem Aargau und je einem der Stände Zug, Thurgau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Schaffhausen und Jura. Nebst Häfliger vertreten Beat Jung, Pfarrer in Ebikon, und der Malterser Markus Thürig den Stand Luzern, Letzterer gar als residierender Domherr in Solothurn. Ihre Amtszeit ist unbegrenzt. «Die Domherren tagen fünfmal jährlich, der Aufwand ist überschaubar», sagt Häfliger. An seinem Engagement in Hochdorf, wo er seit 2008 als Seelsorger tätig ist – seit 2014 als Leiter des Pastoralraums Baldeggersee –, werde sich daher wenig ändern. «Vermutlich werden mich die Kirchgänger aber nicht mehr jedes Wochenende zu Gesicht bekommen.» Grund dafür ist die Firmspendung, «eine der schönsten Aufgaben als Domherr», so Häfliger. «Ich freue mich auf den Kontakt mit den jungen Menschen und die Herausforderung, an deren Firmung die rechten Worte zu finden.»

Religiöse Kinderstube

Aufgewachsen ist Häfliger in Nebikon, in einer religiösen Familie. Der jüngere Bruder Beat («ihn hat das Fasnachtsfieber am meisten gepackt») ist heute Pfarrer in Zürich, die ältere Schwester Bernadette Gemeindeleiterin in Günsberg SO. Theologie studierte Häfliger in Luzern und Tübingen, die Priesterweihe erhielt er 1989. Nicht zuletzt wegen seiner Wurzeln im Wiggertal ist Häfliger in den Augen des Bischofs der richtige Mann für das Amt. «Ich hatte stets eine Beziehung zum Kanton Luzern, kenne die hiesigen Gepflogenheiten», sagt Häfliger. «Zudem sind geweihte Priester auf der Luzerner Landschaft nicht mehr allzu zahlreich.»

Roland Häfliger nehme die Rolle eines «Vermittlers» ein, sagt Hansruedi Huber, Sprecher des Bistums. «Ein Domherr kennt die politischen Sensibilitäten seines Standes und nimmt die Interessen des Bischofs gegenüber der Kantonsregierung wahr.» Auf den Austausch von Luzernern zu Luzerner freue er sich, so Häf­liger. «Felix Gmür ist ein Bischof, der sich beraten lässt, der fordert, aber auch hinterfragt.» Welche Haltung wird Häfliger repräsentieren? «Ich würde mich als fortschrittlich bezeichnen, bin ein Mann der Mitte.» Er sei keiner, der polarisiere. Die Pfarrei-Initiative, die dem Priestermangel mit einer Öffnung der Weihe begegnen will, hat Häfliger nicht unterzeichnet. «Dennoch engagiere ich mich für eine Kirche, die offen und nah bei den Menschen ist und in der Frauen und Männer Verantwortung übernehmen können.»

Mit zwei Cars voller Seetaler reist er heute nun nach Solothurn. Mit dabei etwa die Gemeindepräsidentin, Mitglieder der vier Kirchenräte und die Sänger des Chors St. Martin, die den Festgottesdienst umrahmen. Platz im Car nehmen auch Martini-Zünftler. Sicher mit der einen oder anderen Plakette im Gepäck. Man weiss ja nie, ob den Bischof noch das Fasnachtsfieber packt.


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