Ein «Wilder» ziert seit 500 Jahren die Hotel-Szene

LUZERN ⋅ Im Jahr 1517 wurde das Hotel Wilden Mann in der Luzerner Kleinstadt erstmals erwähnt – als Bauernschenke. Unklar bleibt, wie ein bärtiger Mann zum Namensgeber wurde.
16. Februar 2017, 07:15

Seit rund 500 Jahren werden im Hotel Wilden Mann an der Bahnhofstrasse Gäste beherbergt. Damit gehört das Haus zu den ältesten Wirtshäusern in der Stadt Luzern. Dass sich der «Wilde Mann» so lange halten konnte, ist keine Selbstverständlichkeit. Vor über 100 Jahren zählte die Stadt Luzern noch 100 Hotelbauten entlang dem Seeufer und an den Hängen von Luzern, wie der Denkmalpfleger Peter Omachen in seinem Buch «Hotelarchitektur von 1782 bis 1914» festhält. Dazu gehörten die bekannten Häuser wie das «Beau Rivage», das «St. Gotthard» und die Nobelherberge «Hotel du Lac» an der Bahnhofstrasse neben dem Postgebäude. Das letztgenannte Haus lag nicht etwa, wie der Namen vermuten liesse, am See, sondern an der Reuss. All diese Häuser erlitten das gleiche Schicksal und wurden abgerissen. Heute zählt die Stadt noch 60 Hotels und Unterkünfte.

Die Bauern assen für 75 Pfund

Zurück zum «Wilden Mann»: «Warum unser Haus nach einer bärtigen Sagengestalt benannt ist, wissen wir nicht», sagt Hoteldirektor Arno Affolter. Schwarz auf weiss jedoch ist der erste amtliche Eintrag vom Februar 1517. Damals hat im Umgeldbuch, das war das Kassenbuch der Stadt Luzern, Säckelmeister Hans von Hertenstein am 21. Februar einen Vermerk angebracht: «Ebenso 75 Pfund haben die Bauern von Kriens im Wilden Mann gekostet – will heissen verzehrt.» So nachzulesen im kleinen Buch «Geschichte schreibt Geschichte», das der Luzerner Kunsthistoriker Ueli Habegger zusammen mit seinem Sohn Rafael zur 500-Jahr-Feier des ehrwürdigen Hotels zusammengestellt hat.

So ist dort auch zu lesen, dass der «Wilden Mann» erst eine Pinte war und es «weder für Fremde wie Einheimische warme Speisen gab». Doch die Trinkstuben waren zur damaligen Zeit ein lukratives Geschäft. Das ist auch den Regierungsmitgliedern nicht entgangen. Um 1500 führten diverse Regierungsmitglieder aus dem Kleinrat zeitweilig eine Weinschenke, wie dem Buch «Das Luzerner Patriziat» zu entnehmen ist. Ob dies auch für den «Wilden Mann» so war, ist nicht belegt. Sicher indes ist, dass der Luzerner Söldner und Oberstleutnant Franz Estermann das Gasthaus zum «führenden Hotel auf dem Linken Ufer» machte und damit zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt.

Nach wie vor ist das Hotel in der Kleinstadt ein beliebter Treffpunkt. Direktor Arno Affolter selber blickt auf 20 Jahre «Wilden Mann» zurück. Doch wie arbeitet es sich in solch historischem Gebäude? Für Affolter ist die Historie die Hardware. Die Software sei im 2017 angekommen. Das zeige sich nicht nur im WLAN, das im ganzen Haus funktioniere, sondern auch in den «entstaubten» Hotelzimmern, in den modernen Nasszellen und natürlich auf der Speisekarte. Einzig in der Burgerstube werde kulinarisch auf Tradition gesetzt.

Romantik-Hotels tauschen Personal aus

Im Haus teilen sich rund 60 Angestellte 50 Vollzeitstellen. «25 Mitarbeitende stammen aus der Schweiz, die anderen aus dem nahen Europa», erklärt Affolter. Personalsorgen kennt er nicht: «Wir gehören zu den 30 Romantik-Hotels in der Schweiz und haben eine Kooperation. Das heisst, wir können Personal austauschen. Das ist für Junge, die ins Hotelbusiness einsteigen wollen, natürlich äusserst interessant.» Und wie ordnet er die Luzerner Gastronomie ein? «Luzern hat in den letzten zehn Jahren enorm Fortschritte gemacht und lässt sich durchaus mit Zürich messen», so Affolter. Nur schon im Quartier Kleinstadt habe es viele verschiedene und auch qualitativ gute Angebote.

Letztmals in die Schlagzeilen kam ein Luzerner Gastrobetrieb wegen mangelnder Hygiene. Da kam der Vorschlag einer Hygienedeklaration auf. Wäre das etwas für den «Wilden Mann?» Arno Affolter sagt dazu: «Von mir aus könnte man das machen. Wir haben nichts zu befürchten, wir haben die Hygienevorschriften im Griff.»

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch


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