Ein üppiges Weibsbild führt den Umzug an

LUZERN/LITTAU ⋅ Die Mättli-Zunft Littau wird 50 Jahre alt. Drei Mitglieder erinnern sich an ihre Anfangszeit – und schwelgen nicht nur in Nostalgie.
16. Februar 2017, 07:18

Wenn am Sonntag, 26. Februar, der Startschuss zum Littauer Fasnachtsumzug fällt, wird dieser zum 50. Mal die Zuschauer entlang der Strassen erfreuen. Die Jubiläumsausgabe weist zudem ein Novum auf: «49 Mal brauchten wir eine Bewilligung. Da der Fasnachtssonntag neu ein offizieller Fasnachtstag in Luzern ist, ist diese nicht mehr nötig», sagt Jörg Mitterer (59), Präsident der Mättli-Zunft. Zurück blickt auch alt Zunftmeister Otto Lindegger (73), der mit Jörg Mitterer und dem Zunftmeister 2017, Günter Fasnacht (62), zum Gespräch mit der Journalistin ins Restaurant Ochsen in Littau gekommen ist.

«Früher bekam man für den Sonntag überhaupt keine Umzugsbewilligung», sagt er. Dafür sei der Sonntag «zu heilig» gewesen. «Da bekamen wir folgenden Tipp: Wir nannten den Umzug einfach ‹Zunftmeister-Abholung mit musikalischer Begleitung› und umgingen so die Bürokratie. So ist es sicher die ersten sechs Jahre abgelaufen.»

Statt an die Fasnacht gings ab in die Beiz

Lindegger trat der Mättli-Zunft wenige Tage nach ihrer Gründung bei, 1970 wurde er Zunftmeister. An die Gründung erinnert er sich noch genau: «Es war der 27. Januar 1967, es war Fasnachtszeit, und etwa zehn Littauer sassen im Restaurant Matt.» Eigentlich hätten sie an die Fasnacht gewollt, blieben jedoch in ihrer Stammbeiz hängen. «Dafür gründeten sie spontan eine Zunft, dem Restaurantnamen zu Ehren eben die Mättli-Zunft.»

In den ersten paar Jahren bestanden die Umzüge aus rund 20 Nummern – heute präsentiert der Littauer Umzug am Fasnachtssonntag 35 Nummern und ist neben Emmen der grösste in der Region. Laut Jörg Mitterer sei es aber noch heute Tradition, dass die Zunft einen Wagen selber baue und ihn dem aktuellen Zunftmeister widme. Früher ­hätten die Mättli-Zünftler immer ein halbes Dutzend Wagen selbst gebaut. Fast seit den Anfängen gibt es ausserdem die Fasnachtszeitung «Schlössli-Geischt». Früher kostete das Blatt 20 «Batze», heute wird sie gratis verteilt. Aktuell zählt die Zunft 54 Mitglieder, die sich seit 2005 im eigenen Zunftlokal «Konfetti» treffen.

Obwohl es eine reine Männerzunft ist, haben zwei «Frauen» einen Sonderstatus. So heisst das Zepter in der Hand des Zunftmeisters «Vreneli». Weitaus auffälliger und bekannter ist aber das «Eierrösi», Galionsfigur der Mättli-Zunft und das Littauer Fasnachtssymbol schlechthin. Das meterhohe, üppige Weibsbild führt den Umzug jeweils ehrenvoll an. «Das aktuelle ‹Eier­rösi› ist grösser als die zuvor», so Mitterer. In die jetzige Figur könne man nun besser einsteigen und den Motor lenken. Das ­«Eierrösi» lebte übrigens von ca. 1920 bis 1936 tatsächlich als Rosa Marty in Littau. Sie handelte mit Eiern und Hühnern, war dem Alkohol und spendablen Männern in der Beiz nicht abgeneigt und deshalb weitherum bekannt.

Von Seuchen und rappelvollen Bällen

Unvergessen ist für Otto Lindegger jenes Jahr Anfang der 1970er-Jahre, als in Littau die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen war. «Vor dem Dorf wurde ein Sägemehl-Teppich gelegt, den niemand überschreiten durfte. Der Zunftball im Ochsen musste deshalb um einige Tage verschoben werden, bis der Weg wieder freigegeben war.» Auch Lindegger blickt nostalgisch zurück: «Früher fiel der ‹Ochsen› fast auseinander, so viele Leute kamen an den Zunftball!» Viele Besucher erwarten die Zünftler dann auch an ihrem grossen Jubiläumsfest, das am 10./11. Juni im Zentrum St. Michael in Littau als Krönung stattfinden wird.

Yvonne Imbach

stadt@luzernerzeitung.ch


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