Grüter gibt das Partei-Zepter ab – Kronfavorit ist der Vizepräsident

SVP ⋅ An der Spitze der Luzerner SVP kommt es zu einem Wechsel: Nationalrat Franz Grüter tritt per 1. Juni als Präsident zurück. Für den ehrenamtlichen Posten zeichnet sich ein Kronfavorit ab.

Aktualisiert: 
17.02.2017, 19:00
17. Februar 2017, 08:01

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Seine Politkarriere liest sich so schnörkellos wie die Plakate seiner Partei: 2008 tritt Franz Grüter der SVP bei, 2012 wird der IT-Unternehmer konkurrenzlos Präsident der Kantonalpartei, im Frühjahr 2015 holt er sich einen Sitz im Kantonsrat, im Herbst wird er Nationalrat. Nun, mit 53, gibt der Eicher das Präsidium der SVP ab. Der Partei, die bei den letzten Nationalratswahlen am meisten Wählerstimmen erzielt hat (siehe «Nachgefragt»).

Die Nachfolge wird am 1. Juni bestimmt, wie die Partei am Freitag mitteilte. Grüter ist Teil der vierköpfigen Findungskommission. «Das Präsidium verlangt Führungsqualitäten», sagt er. «Ein Anwärter muss breit akzeptiert sein.» Laut Grüter ist ein Mandat im Kantonsrat vorteilhaft, dies sei aber nicht zwingend. Nationalrat Felix Müri, der die Kommission leitet, stimmt zu: «Für diesen Posten braucht es Herzblut, ein Gespür für die Menschen, aber auch Medienkompetenz.» Am zeitintensiven Amt verdient ein Präsident keinen roten Rappen. «Der Posten birgt aber Chancen, kann politisch ein Sprungbrett sein.» 

Tritt Vizepräsident in die Fussstapfen Grüters?

Kronfavoriten für Grüters Nachfolge sind die Vizepräsidenten: Oliver Imfeld (48) und Lisa Zanolla (47). Die Stadtluzernerin sagt auf Anfrage jedoch klar: «Das Parteipräsidium ist für mich keine Option.» Als Unternehmerin und Mutter zweier Töchter sowie Kantons- und Grossstadträtin sei sie ausgelastet. «Kein Thema.» Anders tönt es bei Oliver Imfeld: «Das Präsidium ist sicher einen Gedanken wert. Eine sauber aufgestellte Partei zu übernehmen und weiterzubringen, hat seinen Reiz.» Doch es sei eine herausfordernde Ausgabe. «Ich würde in grosse Fussstapfen treten, Franz Grüter hat hervorragende Arbeit geleistet.» Ob das Pensum zu bewältigen wäre, «müsste gut überlegt werden», sagt der Geschäftsführer einer Künstleragentur und Manager von DJ Bobo aus Kastanienbaum. 

Imfeld gehört der SVP seit 2012 an. Steht er in der Pole-Position fürs Präsidium? Müri schweigt. «Ich äussere mich im Vorfeld zu keinem Kandidaten.» Laut Grüter dürfte das Präsidium nicht konkurrenzlos in neue Hände übergehen. «Wenn sich Imfeld für eine Kandidatur entscheidet, so wird die Findungskommission dies sicher prüfen. Aber der Fächer ist derzeit komplett offen.»

Nationalrätin Estermann erteilt Absage

Zu den Aushängeschildern der Partei zählt auch Yvette Estermann (49), Nationalrätin aus Kriens, die das Präsidium bereits 2008 kurz innehatte. Doch auch sie sagt: «Kein Thema.» Das Amt als Einwohnerrätin genüge. «Ich will das Fuder nicht überladen.»

Weniger deutlich tönt die Absage bei Marcel Omlin (48), SVP-Kantonsrat aus Rothenburg und Präsident der Planungs- und Finanzkommission. «Ich zähle mich nicht zu den ‹Papabili›. Wenn ich angefragt würde, liesse ich es mir durch den Kopf gehen.» Bliebe da noch Guido Müller (59), Fraktionschef der SVP aus Ebikon. «Wenn mich die Partei brauchen würde, wäre ich dem Amt nicht abgeneigt.» Doch da er wie auch Regierungsrat Paul Winiker zur Findungskommission gehört, ist dies wenig wahrscheinlich.

Nachgefragt

«Habe die Stunden nie gezählt»

Franz Grüter, «Politneuling will SVP-Präsident werden» titelte unsere Zeitung 2012. Dieser Politneuling hat es weit gebracht. 

Ich bin damals nicht mit einem Karriereziel angetreten. Vielmehr war und bin ich der Meinung, dass man dem Staat etwas zurückgeben sollte – etwa in einem Verein, in der Armee oder in einer Partei. Dass ich das Präsidium nun als Nationalrat abgebe, liess sich nicht planen. Es ist aber ein Amt, mit dem hohe Aufmerksamkeit einhergeht, was einem entsprechend Türen öffnen kann.

Sie gehören nun auch der Parteileitung der SVP Schweiz an, die zeitliche Belastung hat Sie zum Rücktritt bewogen. Worauf muss sich Ihr Nachfolger einstellen?

Ich habe die Stunden nie gezählt. Denn was ich mache, will ich gut machen. Ohne Anlässe am Abend und am Wochenende entspricht das Präsidium wohl einem 20-Prozent-Pensum. Viel Arbeit fällt tagsüber an – ein Selbstständiger ist da sicher im Vorteil. 

Unter Ihrer Regie fand die SVP in die Regierung zurück und hat wieder einen dritten Nationalratssitz inne. Bei den Ortsparteien aber haperte es. 

Ich hätte es gern gesehen, wenn die letzten weissen Flecken verschwunden wären. Heute zählt die SVP 75 Ortsparteien, rund 15 kamen in meiner Amtszeit hinzu. Diese Aufgabe soll mein Nachfolger weiterführen. Ziel muss es sein, stärker in den Gemeindeexekutiven vertreten zu sein.

(fi)


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