Urbi und Orbi nehmen die katholische Kirche auf die Schippe

FASNACHT ⋅ An der Luzerner Fasnacht stürzen sich heuer drei Theologen der Katholischen Kirche gemeinsam ins Getümmel und treten als Päpste auf. Sie wollen die Gesellschaft und die Kirche aufs Korn nehmen. Ihre Vorgesetzten sind mit dem Ulk einverstanden.
16. Februar 2017, 16:57

Wie das kantonale Pfarreiblatt Luzern in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, besteht das Trio aus dem Luzerner Gassenseelsorger Franz Zemp, Pfarreileiter Herbert Gut und Urban Schwegler, dem Kommunikationsverantwortlichen der Katholischen Kirche der Stadt Luzern. Die Männer tragen vom Freitag bis am 5. März an vier Anlässen in Luzern und Sursee freche Schnitzelbänke im Stil von Chorälen vor.

Die drei Theologen sind der Meinung, dass man auch die Kirche fasnächtlich verulken darf. Die Kirche habe das bitter nötig, damit sie nicht noch verstaubter daher komme, sagte Urban Schwegler auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Schnitzelbänke seien eine Form von Selbstkritik. Die Kirchenmitarbeiter wollten einen authentischen Beitrag an die Luzerner Fasnacht leisten.

Unter den fasnachtstauglichen Kirchenthemen gibt es einige Dauerbrenner. Dazu zählen etwa fehlende Priesterinnen, das Verbot der Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete oder die Empfängnisverhütung. Daneben wollen die Luzerner Päpste aber auch Aktuelles aus Gesellschaft und Politik auf die Schippe nehmen.

Trotz Narrenzeit ist aber für die päpstlichen Soutanen nicht alles erlaubt. Man wolle sich keinesfalls über Glaubensinhalte lustig machen, oder über das, was anderen Menschen heilig sei, sagte Urban Schwegler. Die Vorgesetzten in der katholischen Landeskirche seien über die Auftritte als Päpste informiert worden. Bei diesen sei die Idee auf Anklang gestossen.

Das Papsttrio tritt unter dem Namen urbi@orbi auf. In Anlehnung an den bekannten römischen Papstsegen "Urbi et orbi", den das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche jeweils zu Ostern und Weihnachten für Stadt und Land spricht.

Der gemeinsame Auftritt von drei Kirchenmitarbeitern an der Luzerner Fasnacht als Päpste ist in dieser Form neu. Berührungsängste mit der Fasnacht hat die Kirche in Luzern aber nicht. Traditionell gibt es in mehreren Pfarreien jeweils gut besuchte Schnitzelbankpredigten, bei denen auch Guggenmusigen auftreten. (sda)


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