Flugplatz Emmen: Bund relativiert hohe Zahlen – und bleibt hart

FLUGPLATZ ⋅ Emmen bekommt nicht so viele Flugbewegungen wie angekündigt, sagt der stellvertretende Chef der Luftwaffe – und präsentiert neue Zahlen. Derweil beisst der Kanton Luzern bei der Forderung nach mehr Arbeitsplätzen auf Granit.
Aktualisiert: 
17.02.2017, 19:00
17. Februar 2017, 14:39

3000 Flugbewegungen zusätzlich: Damit muss Emmen ab 2018 rechnen (Ausgabe vom Freitag). Jetzt stellt sich die Frage, auf welcher Basis. Denn der Bundesrat sprach von derzeit 3500 Jetbewegungen in Emmen. Mit den je 1500 Propeller- und Tiger-Flügen ist also fast mit dem Doppelten der jetzigen Bewegungen zu rechnen. Falsch, sagt nun die Luftwaffe. Diese präsentierte den Medien am Freitag vor Ort aktuelle Zahlen. 2016 gab es in Emmen demnach 3838 Jetbewegungen – ab 2018 werden es 5000 sein. Das entspreche einer Zunahme um 23 Prozent. Konkret bedeutet dies zwei bis drei zusätzliche Flüge mit Tiger-Maschinen pro Tag. Aktuell gibt es in Emmen aber auch 10 946 Propellerflugzeug-Bewegungen. Diese Zahl soll bis 2021 auf ungefähr 13 000 steigen. 

Der Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen (SFE) befürchtete, dass mit der Erhöhung der Flugbewegungen auch lärmintensivere Jets, namentlich F/A-18, nach Emmen kommen würden. Dies dementierte gestern der stellvertretende Luftwaffenchef, Divisionär Bernhard Müller: «Vorläufig werden keine F/A-18-Staffeln in Emmen stationiert. Dafür bürge ich.» 

«Zahlen des VBS sind eine Spielerei»

Der Präsident des SFE, Luzius Hafen, freute sich über diese Nachricht, ist aber noch nicht ganz zufrieden. Die Zahlen des VBS seien indes eine reine «Spielerei». Denn: «Obwohl man schon im Jahr 2014 hätte orientieren können, hat man das Rekordjahr 2016 abgewartet und gleich auch noch die viel leiseren zivilen Jets dazugerechnet. Das gibt sogar 3944 Bewegungen. Und so erhält man ab 2018 eine Zunahme von ‹nur› noch 1100 Flugbewegungen.» Berechne man den Schnitt der Kampfjetbewegungen der letzten zehn Jahre, komme man aber auf eine Steigerung von 2000 Flugbewegungen ab 2018. Es sei dem SFE ein Anliegen, ein Gleichgewicht zwischen dem Flugbetrieb und der Ruhe an Abenden und Wochenenden zu halten. Hafen kündigt an, dass man sich auch in Zukunft wehren und seine Meinung bei der Anhörung zum Objektteil kundtun würde. 

Apropos Anhörung: In der am Donnerstag vom Bundesrat veröffentlichten Stellungnahme stand, dass sich an der Verteilung der Kampfjetbewegungen trotz Anhörung voraussichtlich nichts Grundlegendes ändern wird. Das ist vom Verteidigungsdepartement bestätigt worden. Offen zur Diskussion stünden aber beispielsweise eine Verlängerung der Sommerpause oder Einschränkungen bei Beerdigungen.

Damit kommt der Bund den Forderungen der Luzerner Regierung nur teilweise entgegen. Sie verlangte mit der Erhöhung der Flugaktivität auch mehr Arbeitsplätze. Dem wird wohl nicht stattgegeben. Divisionär Müller: «Das VBS muss 300 Stellen abbauen. Wir wissen noch nicht, wo wir reduzieren werden, aber wir können nicht hier Stellen abbauen und in Emmen welche schaffen. Das ist unrealistisch.» 

Der Gemeinderat Emmen äusserte sich am Freitag in einer Mitteilung zustimmend zu den Plänen des Bundes. Er begrüsst, dass es keine zusätzlichen F/A-18 Flugbewegungen und keine Nachtflüge mit Jets geben wird. Er fordert aber auch vom Bund, dass die Lärmbelastung für die Bevölkerung tragbar bleibt. Der Bund erhält aber auch Kritik, weil der Bundesrat vor dem Departement informiert hat. Erst Donnerstagabend seien aktuelle Zahlen vorgelegt worden. 
 

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Video: Flugplatz Emmen: Mehr Flugbewegungen

2016 gab es in Emmen 3838 Jetbewegungen – ab 2018 werden es 5000 sein. Das entspricht einer Zunahme um 23 Prozent. Vorläufig werden jedoch keine F/A-18-Staffeln in Emmen stationiert. (Tele1, 17. Februar 2017)

Video: Flugplatz: Kanton Luzern will keine Zunahme der Lärmbelastung

Der Kanton und die Gemeinden von Luzern wollen eine zusätzliche Lärmbelastung rund um den Flugplatz Emmen verhindern. Regierungsrat Paul Winiker äussert sich im Interview. (Tele1, 17. Februar 2017)




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