Manch einer will wissen, wer ihn da kritisiert

ROTHENBURG ⋅ Urs Jans hat 20 Jahre lang die Fasnachtszeitung gemacht und weiss, wie viel Arbeit dahintersteckt. Nur zweimal gabs wegen satirischer Seitenhiebe ein Nachspiel vor dem Friedensrichter.

17. Februar 2017, 07:21

Es ist die hohe Zeit der Fasnachtszeitungen. Darin werden Dorfgrössen auf die Schippe genommen und Ereignisse des Jahres karikiert. Vieles ist witzig und frech, einiges weniger. Klar ist: Hinter einer Fasnachtszeitung steckt viel Arbeit. Dass weiss Urs Jans genau. Er hat in den letzten 20 Jahren den Rothenburger «Ameisi Bronz» herausgegeben. Der neuste «Bronz» wird heute um 20.15 Uhr auf dem Fleckenplatz enthüllt. Es ist Jans’ letzter. Er sagt: «Es ist Zeit, dass jüngere Leute übernehmen.» Jans war 33 Jahre lang Primarlehrer in Rothenburg. Nach einem kurzen Intermezzo als Leiter Deutschkurse Asyl beim Kanton wird der 65-Jährige nun pensioniert.

Im September habe er jeweils mit der Arbeit für die Fasnachtszeitung begonnen, erzählt Jans: «Man muss seine Gemeinde gut kennen, um an die besten Storys heranzukommen.» Dass er auch Redaktor des Informationsblatts der Gemeinde Rothenburg war, habe ihm geholfen. Zusätzlich hätten ihm Rothenburger oft Ideen geliefert. Viele Sprüche hat Jans selber gereimt. Die Illustrationen trug ein junger Kollege bei.

Es sei manchmal eine Gratwanderung, wie weit man mit satirischen Sprüchen gehen dürfe, sagt Jans. «Es gab immer wieder Leute, die mich fragten, wer diesen Seitenhieb gegen ihn zu verantworten habe.» Autoren werden in Fasnachtszeitungen aber nicht genannt: «Diskretion muss gewahrt sein.» Grosse Probleme habe es aber nie gegeben: «Es gab zwei Treffen vor dem Friedensrichter; da wurde man sich bei zwei, drei Kaffees schnell einig.»

«Annus horribilis» für Regierungsrat Reto Wyss

Jans hofft, dass es nach seinem Rücktritt mit der Fasnachtzeitung weitergeht, denn: «Stoff für gute Geschichten gibts immer.» Im jetzigen «Bronz» kriegt unter anderen der Rothenburger Regierungsrat Reto Wyss sein Fett weg. Er habe die Salle Modulable bauen, Sparmassnahmen umsetzen, die Hochschule vermehren und ... nationaler Bildungsdirektor werden wollen. Aus all dem sei nichts geworden, und 2016 sei für Wyss zum «Annus horribilis» geworden. Der Sockel, den Wyss sich errichten wollte, stürzt Stück für Stück ein – plastisch dargestellt im «Ameisi Bronz».

 

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch


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