Mit Pinselstrich und Farbe fängt er Stimmung ein

RUSWIL ⋅ Seit mehr als 30 Jahren ist Herbert Werder künstlerisch tätig. Dass Schweden mittlerweile zu seiner zweiten Heimat geworden ist, hat vor allem mit seiner ersten Ausstellung zu tun.
17. Februar 2017, 07:37

Das Haus mit der roten Fassade im Ruswiler Herrewegmoos ist kaum zu übersehen. Herbert Werder sitzt im Atelier. Sein Blick schweift vorbei an nahen Wäldern, über grosse Landflächen, bis zur bergigen Pilatuskette. Der 60-jährige freischaffende Künstler geniesst den Moment. «Die Stimmung heute Morgen war aussergewöhnlich», schwärmt er. Nach einer kalten Nacht, bei wolkenlosem Himmel, begannen die Sonnenstrahlen ständig wechselnde Bilder zu zeichnen.

«Die Emotionen, die Mystik berühren mich. Deshalb versuche ich diese Momente in meinen Arbeiten abzubilden», sagt Werder. In der Natur hole er sich die Inspiration für seine zeitgenössische Malerei. Darin liegt momentan der künstlerische Schwerpunkt des verheirateten Vaters von drei erwachsenen Kindern. Doch genauso gehören Skulpturen – geschaffen aus rostfreiem Stahl – zu den Lieblingsarbeiten.

In einer alten Käserei hats gefunkt

In Hochdorf geboren, absolvierte Werder nach seiner Schulzeit eine Ausbildung zum Elektromechaniker. Doch Handwerkerblut floss schon als 14-Jähriger in seinen Adern. Abends bastelte er im Keller an seinem Töffli. Später waren es Motorräder. In der Lehre folgten Projekte im Metallbau.

An der Schweizerischen Heimatwerkschule erlernte er das traditionelle Holzhandwerk. Daher kommt auch seine Beziehung zu diesem Werkstoff – und zu den vielen hergestellten Möbeln. Später besuchte Werder die Kunst­gewerbeschule in Zürich. «Dort musste ich aber erkennen, dass das Handwerk keinen grossen Stellenwert hat.» Dennoch blieb er bei Holz und Metall. Werder nahm die Herausforderung an.

1987 stellte er erstmals aus – in der alten Käserei in Herrendingen bei Eschenbach. Dieser Moment war für sein Leben wegweisend und verändernd zugleich. Die Schwedin Fredrika Wikland besuchte in Eschenbach ihre Schwester – und auch die Ausstellung. Für sie sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Und weil sie sich ohnehin verändern wollte, zog sie ein halbes Jahr später in die Schweiz. «Wir haben uns schnell füreinander entschieden.» Schweden andererseits bezeichnet der Künstler als seine zweite Heimat – auch sprachlich.

Während er ab 1987 regelmässig im In- und Ausland ausstellte, arbeitete er mit einem Vollzeitpensum als Werklehrer. Mittlerweile hat Werder diese Tätigkeit auf einen Tag pro Woche – an der Kantonsschule Willisau – reduziert. Er werke leidenschaftlich gerne mit Schülern, betont Werder. Doch genauso liebt er es, im Atelier in seine andere Welt abzutauchen. Ausschliesslich fokussiert zu sein auf sein Schaffen.

Den eigentlichen Durchbruch schaffte Werder mit seinen Uhren-Objekten. «Sie waren für mich ein Argument, Kunst zu machen.» 1992 und 1996 stellte er sogar in der bekannten Design Galerie Metallum in Stockholm aus. Um mit den Werken dorthin zu gelangen, habe er sie in drei Kisten verpackt. Mit dem Zug und drei Kleinkindern fuhr die ganze Familie nach Schweden.

Werder weiss, «vieles in der Kunst läuft über ‹Mund-zu-Mund-­Werbung›.» In dieser ­Szene brauche es Beziehungen. Das aber sei nicht sein Ding. Er habe für das bisher Erreichte stets hart arbeiten müssen. «Mir wurde nichts geschenkt», sagt er.

Die Berufung zum Beruf gemacht

In den Werken versuche er stets, den Moment festzuhalten. Die Arbeiten lebten aber auch von Vergangenheit und Zukunft. Sehr wichtig ist für ihn, bei der Malerei den Weg zwischen Perfektionismus und freiem Malen gefunden zu haben. Werder ist glücklich darüber, «die Berufung zum Beruf machen zu können». Auch wenn der Weg zeitweise steinig sei. Vor fünf Jahren gründete seine Frau Fredrika die Falu Vapen Schweiz GmbH. Herbert Werder ist daran mitbeteiligt. Die 57-jährige ausgebildete Gymnastiklehrerin – sie spielte in Stockholm als Freischaffende in einer Theatergruppe mit und konnte davon sogar leben – verkauft mittlerweile in der Schweiz die besagte rote ­Farbe der «Schwedenhäuser».

Im Dezember hatte Werder im Kulturraum Märtplatz in Ruswil ausgestellt. Und er macht sich bereits Gedanken darüber, dort einen nächsten Event folgen zu lassen. Doch vorher soll es für ihn und seine Frau im Sommer wiederum nach Schweden gehen.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch


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