Plötzlich ging der Reuss das Wasser aus

Am letzten Sonntag führte die obere Reuss bei Luzern auf einmal viel weniger Wasser als üblich. Hunderte Fische trockneten regelrecht aus.

20. November 2011, 05:01

Es war 16 Uhr am vergangenen Sonntagnachmittag, als sich an der Reuss Eigenartiges – und für Hunderte von Fischen Tödliches abspielte: Von einer Minute auf die andere nämlich führte der Fluss von der Höhe Reusswehr/Kraftwerk Mühlenplatz an im Oberlauf nur noch rund die Hälfte des Wassers. Der Vorfall hatte umso verheerendere Auswirkungen, weil die Reuss in diesem Spätherbst aufgrund der wochenlang anhaltenden Trockenheit im Normalzustand ohnehin schon sehr wenig Wasser führt.

Das plötzliche Absinken des Wasserspiegels war vor allem für den Reuss-Rotsee-Kanal höchst problematisch. Der Grund: Das Reusswasser konnte den Kanal während rund zwei Stunden nicht mehr speisen, denn die Verbindung  zum Rotsee lag bis zirka 18 Uhr unter dem Pegelstand des Flusses.

Reuss-Rotsee-Kanal ausgetrocknet
In der Folge davon entleerte sich das Kanalbett rasant. Als ob man in einer Badewanne den Stöpsel rausziehen würde, floss das Wasser Richtung Rotsee ab. Die meisten Fische hatten in dieser Situation keine Chance und erstickten im ausgetrockneten Habitat. Betroffen waren vor allem Forellen und Weissfische.

«Es wurden mit Bestimmtheit Hunderte von Fische getötet. Wir sind derzeit daran, das genaue Ausmass des Schadens zu erheben», sagte Armin Meyer, Korporationsschreiber bei der Korporation Luzern auf Anfrage.  Was Meyer besonders ärgert: Vor Jahren kam es bereits einmal zu einem ähnlichen Vorfall.

EWL-Sprecherin sagt fast nichts
Der Fall vom Sonntag wird auch die Luzerner Justiz noch beschäftigen. Denn die Korporation reicht in den kommenden Tagen Strafanzeige gegen Unbekannt ein. Gemäss Meyer geht es um Verstösse zum einen gegen das Gewässerschutz-, zum anderen gegen das Tierschutzgesetz.

Wer sich auf die Suche nach den Verantwortlichen des Massenfischsterbens macht, kommt zu keinem eindeutigen Ergebnis. Wie bereits erwähnt, steht ausser Frage, dass der Wassereinbruch ab Reusswehr/Kraftwerk Mühlenplatz eintrat. Eine Anfrage bei der Betreiberin des Kraftwerkes, der Strom- und Trinkwasserproduzentin  EWL, bringt keine Klarheit. EWL-Sprecherin Florine Schmidt sagt lediglich: «Wir können uns zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht  zu diesem Vorkommnis äussern. Alle Beteiligten werden sich aber in den kommenden Tagen zusammensetzen, um den Vorfall zu klären.» Das Ganze, so betont Schmidt, falle ins Hoheitsgebiet des Kantons.

Thomas Heer

Den ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie in der «Zentralschweiz am Sonntag» vom 20. November.

 


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: