Einbahnregime für Luzerner Fasnächtler: «Zürcher» weisen im Notfall den Weg

STADT LUZERN ⋅ Einbahnverkehr, Sanitätsposten, bessere Signale: Damit wollen die Behörden die Fasnacht sicherer machen. Falls doch Panik ausbricht, sollen Schilder der Zürcher Stadtpolizei für Orientierung sorgen.
Aktualisiert: 
17.02.2017, 19:00
17. Februar 2017, 10:14

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Kein Durchkommen beim Luzerner Rathaussteg: Wer während der närrischen Tage von der Kleinstadt her über die Reuss will, muss über die See- oder die Kapellbrücke. Jedenfalls zeitweilig. Eine Tafel, bemalt mit fasnächtlichem Sujet, versperrt den Weg. Die Überschrift «Bei Grossandrang Unter der Egg» und eine rote Lampe signalisieren die Umleitung. «Die Tafel soll locker daherkommen. Es soll nicht nach einem trockenen, behördlich verhängtem Verbot aussehen», sagte am Freitag Heinz Steiner, Chef der Sicherheitspolizei Luzern Stadt, zu den Medien.

Dennoch: Der Entschluss stammt aus der Feder der Behörden. Das Einbahnregime ist eine der Erkenntnisse aus der Crowd-Management-Studie: An der letzten Fasnacht machte eine Zürcher Firma Fotoaufnahmen des Fasnachtstreibens – im Auftrag der Stadt Luzern. Ziel: Erkennen, wo der Menschenandrang zu gross ist und die Fluchtmöglichkeiten bei einem Notfall zu gering sind. Die Auswertung hat gezeigt, dass besonders Unter der Egg Handlungsbedarf besteht. Konkret eben beim Rathaussteg: Vor allem bei Guuggenmusig-Konzerten auf der Rathaustreppe wurde der Andrang zu gross. So gross, dass es einen Rückstau zum Steg gab. Daher wird dieser an der Fasnacht zwischendurch einseitig gesperrt. An sich ist das nicht neu – bereits 2011 gab es Einbahnverkehr. Damals war die Feuerwehr zuständig, heuer übernimmt die Polizei. «Wir gehen davon aus», so Heinz Steiner, «dass der Steg während der ganzen Fasnacht rund 20 Stunden gesperrt wird.» Anders als 2011. Damals mussten die Fasnächtler lediglich während sechs Stunden ausweichen. Steiner machte aber klar: «Wir sperren nur dann, wenn es notwendig ist. Das ist uns ein Anliegen.» 

Schilder sind sonst am Züri-Fäscht im Einsatz

Aus der Crowd-Management-Studie gingen drei weitere Hauptpunkte hervor. Die Behörden kamen zum Schluss, die Fluchtwege besser zu signalisieren. Daher installiert die Luzerner Feuerwehr derzeit sechs Fluchtwegsignale im Bereich Unter der Egg. Diese stammen aus Zürich.

Feuerwehrkommandant Theo Honermann sagte dazu: «Normalerweise kommen die Signale beim Züri-Fäscht zum Einsatz. Da sich dieses ja bekanntlich nicht mit der Fasnacht überschneidet, konnten wir die Schilder von der Stadtpolizei Zürich ausleihen.»

Weiter wird es ab dem Schmutzigen Donnerstag einen Sanitätsposten in der Rössligasse geben, und zwar im Gebäude der Hochschule Luzern. Diesen betreiben Samariter in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals. Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, erklärte: «Bislang stand kein Sanitätsposten in der Altstadt zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals wird dieses Manko nun behoben.» Die Verantwortlichen wollen im Notfall gewappnet sein. «Mit dem Sanitätsposten können wir schneller reagieren, als wenn Betroffene bei einem Notfall im Gedränge auf den Rettungswagen warten müssen.» Zusätzlich machen Samariterpatrouillen die Runde. Zu Spitzenzeiten werden drei Gruppen in der Stadt unterwegs sein. 

Marronistand wechselt Standort

Zu guter Letzt hat sich die Stadt auch über Bauten Gedanken gemacht, die bei einer Panik im Weg stehen könnten. Deshalb gibt es an der Fasnacht eine Freihaltefläche Unter der Egg. Heisst: Die zwei Bars, welche in den letzten Jahren am Anfang der rechten und der linken Arkade standen, werden einige Meter verschoben, und zwar weg von der Rathaustreppe. Gleiches gilt für die WC-Anlagen. Diese befinden sich neu rund 20 Meter weiter Richtung Kapellbrücke. Und: Der Marronistand Unter der Egg bleibt während der rüüdigen Tage zu. Gemäss Mario Lütolf konnten sich die Stadt und der Betreiber einigen. «Der Ersatzstandort am Bahnhofsplatz ist für beide Parteien eine gute Lösung.»

Der Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees, Patrick Hauser, ist zufrieden mit den Erkenntnissen aus der Crowd-Management-Studie. «Für uns bedeuten die Neuerungen sicherlich Eingriffe in unser bestehendes Konzept, aber wir wurden rechtzeitig informiert.» Die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Anrainern sei sehr gut gewesen. Insgesamt kostet die Umsetzung der Erkenntnisse 18000 Franken. Für die Fluchtwegsignale fallen keine Kosten an: Die Stadtpolizei Zürich überlässt die Schilder der Feuerwehr gratis.

 

 

Video: Einbahn an der Luzerner Fasnacht

Einbahnverkehr, Sanitätsposten, bessere Signale: Damit wollen die Behörden die Fasnacht sicherer machen. Falls doch Panik ausbricht, sollen Schilder für Orientierung sorgen. (Tele1, 17. Februar 2017)




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