Conrad Wagner kandidiert für den Regierungsrat – ohne Unterstützung seiner Partei

NIDWALDEN ⋅ Seit dem Entscheid der FDP, drei Kandidaten ins Rennen zu schicken, ist klar: Es gibt keine stillen Wahlen in den Regierungsrat. Nun kandidiert auch der Grüne Conrad Wagner – allerdings ohne Unterstützung seiner Partei.
12. Januar 2018, 20:08

Matthias Piazza
matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Kehren die Grünen nach acht Jahren wieder in die Nidwaldner Regierung zurück? Ja, wenn’s nach Conrad Wagner (58) geht. Am Freitag hat der Stanser Landrat auf Anfrage bestätigt, dass er für den Regierungsrat kandidiert.

Der Zeitpunkt für seinen Entscheid war nicht zufällig gewählt. Am Donnerstag hatte die FDP verkündet, dass sie mit drei Kandidaten ins Rennen steige (wir berichteten). Nebst dem Bisherigen Alfred Bossard kandidieren auch die zwei Neuen Joe Christen und Niklaus Reinhard. Damit stand fest: Es gibt am 4. März keine stillen Wahlen. «Unter diesen Bedingungen kandidiere ich gerne, aber ich wollte nicht derjenige sein, der den Ausschlag für Kampfwahlen gab, das hätten mir viele Nidwaldner übel genommen, weil der Eindruck entstanden wäre, dass ich die einzige wichtige Person bin», so Wagner.

Die Kandidatur überrascht: Schliesslich haben die Grünen am 5. Januar entschieden, nicht für die Regierungsratswahlen anzutreten. «Wir sind nicht bereit zu kandidieren, um stille Wahlen zu verhindern», begründete Kantonalpräsident Leo Amstutz an der Versammlung. Der Verzicht seiner Partei auf die Teilnahme an den Regierungsratswahlen habe ihn schon enttäuscht, meint Conrad Wagner dazu. «Doch die Partei glaubte nicht an eine erfolgreiche Kandidatur, das respektiere ich.»

Integrative Politik über die Parteigrenzen hinaus

Er stuft seine Erfolgsaussichten als intakt ein – trotz zwei erfolgloser Anläufe, einen Regierungsratssitz zu ergattern. Nach der Schlappe 2014 hatte der Mobilitätsfachmann gegenüber unserer Zeitung noch gesagt: «In vier Jahren bin ich 59. Es wäre dann nicht mehr zeitgemäss, für den Regierungsrat zu kandidieren.»

Den Gesinnungswandel erklärt er sich mit der neuen Ausgangslage: «Nach zwölf Jahren im Landrat und als Landratspräsident 2015/16 lernten mich die Nidwaldner als einen Politiker mit einem grossen Rucksack kennen, der eine integrative Politik über die Parteigrenzen hinaus betreibt.» Dass er, zumindest offiziell, nicht von seiner Partei und von keinem Komitee unterstützt wird, erachtet er nicht als Nachteil. «Als freier Kandidat bin ich vielleicht für andere Wählerschichten zugänglicher, auch wenn ich ein Grüner bleibe.» Und als solcher repräsentiere er mindestens 15 Prozent der Wähler.

«Ich wünsche dem fähigen Kandidaten Conrad Wagner viel Glück und Erfolg. Die Kandidatur ist sein privater Entscheid, wir haben keine Probleme damit», hält Doris Hellmüller, Vizepräsidentin der Grünen Nidwalden, fest. «Doch wir schätzen seine Erfolgsaussichten als zu klein ein, als dass es sich rechtfertigen würde, dass unsere kleine Partei erneut Geld und Zeit für eine Kandidatur Wagners einsetzt.» Andere Parteimitglieder seien für eine Kandidatur nicht zur Verfügung gestanden, begründet die Vizepräsidentin das Fernbleiben der Grünen am Regierungsratswahlkampf.

Bis am kommenden Montag um 12 Uhr können Regierungsratskandidaten gemeldet werden. 


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