24,4 Millionen Franken für Hochwasserschutz bei Alpnach

OBWALDEN ⋅ Damit das Hochwasserschutzprojekt mit Entlastungsstollen wirklich funktioniert, braucht es auch Massnahmen unterhalb des Wichelsees. Nun liegt das Bauprojekt für den ersten Teil vor.
21. April 2017, 07:46

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

Die Massnahmen im Sarneraatal gegen Hochwasser sind gegliedert in das Gesamtprojekt Hochwassersicherheit Sarneraatal mit dem Hochwasserentlastungsstollen (siehe Kasten) und das Gesamtprojekt Sarneraa Alpnach mit dem Hochwasserschutzprojekt Sarneraa Alpnach 1 und dem Revitalisierungsprojekt Sarneraa Alpnach 2, das erst nach Fertigstellung von Teil 1 bis 2033 realisiert wird. Für den ersten Teil legt die Regierung nun dem Kantonsrat das Bauprojekt vor und beantragt einen Kredit von 24,4 Millionen Franken.

Abflusskapazität der Sarneraa wird massiv erhöht

Nach Inbetriebnahme des geplanten Hochwasserentlastungsstollens verändern sich die Hochwasserabflüsse in der Sarneraa im Abschnitt Etschi bis Alpnachersee massgeblich. Deshalb muss die Abflusskapazität der Sarneraa erhöht werden. Dafür wird das Flussbett von 15 auf 25 Meter verbreitert und teilweise tiefer gelegt. So können pro Sekunde bis zu 200 Kubikmeter Wasser die Sarneraa herabfliessen, ohne dass sie über die Ufer tritt. Dies entspricht einem alle 30 Jahre auftretenden Hochwasserereignis. Der Platz für die Verbreiterung wird unter anderem durch die Verlegung der Etschi­strasse gewonnen. Zugleich dient die neue Strasse als hochwassersichere Zufahrt zum Stauwehr und Auslaufbauwerk. In ihr wird zudem die heute der Sarneraa entlang verlaufende Starkstromleitung hochwassersicher verlegt.

Im Bereich des Flugplatzes Alpnach wird ein Entlastungs- und Überlastkorridor geschaffen. Bei Abflüssen, die grösser als 200 Kubikmeter pro Sekunde sind, würde der linksufrige Damm überströmt und das Wasser in den dafür vorgesehenen Entlastungskorridor geleitet. Darin fliesst es in einem genau definierten Bereich zwischen der ARA und den Gebäuden und Infrastrukturanlagen des Flugplatzes, bis es wieder in das Gerinne der Sarneraa und den Alpnachersee fliesst. Im Entlastungskorridor befinden sich Gebäude und Infra­strukturanlagen des Flugplatzes Alpnach, der Ruag sowie die ARA. Sie werden mit einer Hochwasserschutzmauer respektive einem Damm geschützt.

Enger Zeitplan hängt auch von Einsprachen ab

Die Realisierung der Massnahmen soll 2019 beginnen und vier bis fünf Jahre dauern. Die Arbeiten müssen bis zur Inbetriebnahme des Hochwasserentlastungsstollens abgeschlossen sein. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt auch von Einsprachen im Auflageverfahren ab. Paul Federer, Vorsteher Bau- und Raumentwicklungsdepartement, rechnet zwar damit, dass solche eingehen, aber in geringerem Mass als beim Gesamtprojekt Sarneraatal. «Mit der Einwohnergemeinde und der Korporation Alpnach, der Armasuisse und der CKW haben wir die wichtigsten Interessenvertreter bereits in die Projektsteuerungsgruppe eingebunden. Auch von Seiten der Naturschutzverbände sollte es besser aussehen, schliesslich bein­haltet das Projekt viele zusätzliche ökologische Ausgleichsmassnahmen.»

Unter anderem wird die Eichi-Schwelle zurückgebaut und damit die freie Fischwanderung wiederhergestellt. Im Mündungsbereich der Grossen Schliere werden Amphibienteiche und Feuchtgebiete angelegt. Zudem sind Aufwertungen des Flussraums als Erholungsraum für die Öffentlichkeit vorgesehen. Auch aus Landwirtschaftskreisen erwartet man weniger Opposition, schliesslich ist der Kulturlandverlust rund 50 Prozent geringer als bei einem früheren Projekt, gegen das etliche Landwirte opponierten.

Bundesbeteiligung von 65 Prozent erwartet

Die Kosten für die Umsetzung des Wasserbauprojekts Sarneraa Alpnach 1 werden gesamthaft 27,6 Millionen Franken betragen. Bereits beschlossen sind ein Planungskredit von 1,8 Millionen Franken und die durch die Einwohnergemeinde Alpnach bis Ende 2015 finanzierten Projektkosten im Umfang von 1,4 Millionen Franken. Es verbleibt damit ein Kreditbedarf von 24,4 Mil­lionen Franken, den der Regierungsrat nun gleichzeitig mit dem Bauprojekt dem Kantonsrat zur Genehmigung unterbreitet. Paul Federer erwartet, dass der Bund gegen 65 Prozent der anrechenbaren Kosten von rund 25 Mil­lionen Franken subventionieren wird. Die anrechenbaren Projektkosten des Gesamtprojekts Sarneraa Alpnach werden nach Abzug des Bundesbeitrags, des Beitrags der Kraftwerk Sarneraa AG (KWS) und allfälliger Beiträge Dritter durch den Kanton (60 Prozent) und die Gemeinde Alpnach (40 Prozent) getragen. Die Höhe des Beitrags der KWS an die Erstellungskosten legt der Kantonsrat fest.

Basis dafür soll der Vorteil sein, den das Kraftwerk durch das Projekt erfährt. Die Regierung beantragt, dass sich die KWS mit 200 000 Franken beteiligen muss, weil mit der neuen Strasse die Zufahrt und die Stromversorgung hochwassersicher wird. Die KWS selber lehnt eine Beteiligung ab.


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