Engelberger Maturandin spielt Paraderolle

THEATER ⋅ Warum nicht einen Krimi? Dies schlug Maturandin Johanna Ullrich vor. Und darf nun prompt den Sherlock Holmes im Kollegitheater der Stiftsschule Engelberg spielen. Morgen Freitag ist Premiere.
01. Februar 2018, 04:39

Regisseurin Franziska Bachmann-Pfister lobt ihr Spieler­ensemble. Auszusetzen gibt es nach der Hauptprobe nur wenig. Noch ein Gruppenbild und dann geht es in den Feierabend. Dieses Jahr hat sich das Kollegitheater Engelberg in das Krimigenre begeben. «Schuld» daran, so das Programmheft, ist Johanna Ullrich, schon seit vier Jahren im Schultheater dabei. «Ich bin ein grosser Sherlock-Holmes-Fan», bekennt sie. «Krimi im Theater, das ist doch etwas anderes als die Komödien, die wir bisher gespielt haben.» Ihre Mitschüler vom Kollegitheater der Stiftsschule habe sie nicht lang überzeugen müssen. Gerne wollte die Maturandin aus Engelberg die Hauptrolle spielen. Als feststand, dass sie Sherlock Holmes geben dürfe, war ihre Freude gross.

«Natürlich ist die Rolle schon allein vom Textumfang her eine Herausforderung», ist sich Johanna Ullrich bewusst. «Die Probezeit war sehr anstrengend, wenn am nächsten Tag vielleicht noch eine Prüfung war oder man erkältet war, aber es hat grossen Spass gemacht», hebt sie hervor. Eine Hosenrolle ist nichts Neues für sie: «Vor drei Jahren spielte mein Bruder den Macbeth und ich sein Alter Ego», erzählt sie.

Bühnenfassung verquickt zwei Fälle miteinander

Spielfreude herrscht nicht nur bei Johanna Ullrich, sondern beim gesamten Ensemble. Mit viel Elan knien sich die Spieler in ihre Rollen. Stimmig untermalt Sandro Marchon mit seinen Akkordeonweisen Szenen und deren Übergänge. Projektionen der Fotos von Spielorten sorgen für den realistischen Hintergrund, das Bühnenbild ist auf wenige Requisiten beschränkt. Ästhetisch wirken puristisch karge Hintergründe wie jene Gefängnisszene, in der Watson (Felix Lichtner) den angeblichen Mörder James McCarthy (Dominik Jäggi) befragt. Die nostalgisch-eleganten Kostüme von Catherine De Kegel im Stil der Zwanzigerjahre sind ein echter Hingucker. «Ja, mit dem Krimi sind wir mitten im Realismus», erklärt Regisseurin Franziska Bachmann zusammenfassend.

Im Stück, das von Cornelia Wagner in die Bühnenfassung gebracht wurde, geht es um zwei verschiedene Mordfälle. Ein zu Tode gelangweilter Sherlock Holmes leidet unter einer Sauregurkenzeit ohne Fälle. Doch bald schon schneit ihm und Watson ein mysteriöser maskierter Besucher ins Haus: Der König von Böhmen (Melchior Rotzer, der im Stück gleich drei Rollen spielt) ist in eine pikante Liebesaffäre mit der schillernden Abenteurerin und Spionin Irene Adler geraten (Petra Odermatt spielt sie überzeugend kapriziös), die ihn nun mit einem Foto erpresst. Holmes’ Aufgabe ist, dieses sicherzustellen, bevor es die Zukunft des Monarchen gefährden könnte, denn Majestät steht kurz vor der Hochzeit mit der Tochter eines anderen wichtigen Königshauses. Dabei gerät der brillante Detektiv selbst in den Bann der Schönheit.

Ein zweiter Fall fordert seine Kombinationsgabe: In Sussex sollen er und Watson der unterbelichteten Inspektorin Lestrade (Sophia Krethlow) helfen, einen Mörder zu überführen. Bald durchblickt Holmes, dass der tatsächliche Mörder noch auf freiem Fuss ist. Profil und Täter stehen für ihn fest. Aber nicht alles geht dem Detektiv glatt von der Hand. Denn am Schluss muss Holmes erkennen, dass er in Irene Adler seine Meisterin gefunden hat.

Schüler sind gespannt auf den Ausgang

Der Spielverlauf ist straff geführt und sorgt für Spannung. Die kommt auch bei den jüngeren Schülern der Stiftsschule Engelberg während der Hauptprobe rüber. Da wird geraten, kombiniert und entschlüsselt. Krimi im Kollegitheater der Stiftsschule Engelberg – ein guter Einfall.

 

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@

obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Premiere des Kollegitheaters der Stiftsschule Engelberg am Freitag, 2. Februar, um 20 Uhr. Ausserdem Samstag, 3. Februar, 20 Uhr, Sonntag, 4. Februar, 17 Uhr, Donnerstag, 8. Februar, 14.30 Uhr.


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