Gewaltmarsch für einen guten Zweck

SARNEN ⋅ Für ein Spendenprojekt gehen drei junge Walliser an ihre Grenzen. Es war nicht nur ein Kampf gegen Körper und Wetter.
12. August 2017, 08:34

Silvia Embacher

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Erschöpft kommen drei junge Walliser nach über 10 Stunden Fussmarsch im Dauerregen auf dem Dorfplatz in Sarnen an. Frühmorgens um 4 Uhr sind sie aufgebrochen, um die 64 Kilometer von Zürich bis nach Obwalden inklusive Pausen vor Nachteinbruch zu schaffen.

1000 Kilometer, vom Brandenburger Tor in Berlin bis zum Stockalperschloss in Brig, laufen die drei Walliser Kevin Schwestermann, Fabian Jordan und Joel Ruffiner. Mit der drittletzten Etappe nach Sarnen haben sie schon über 880 Kilometer hinter sich gebracht. Das «Gate to ­Castle» getaufte Projekt sammelt Spenden für die Stiftung Sternschnuppe, die Herzenswünsche von kranken Kindern erfüllt. Bis jetzt sind über 32000 Franken durch Gönner und Sponsoren zusammengekommen. Für jeden Streckenabschnitt steht eine bekannte Persönlichkeit Pate, für die Etappe nach Sarnen war es Comedian Sven Furrer.

Trotz Blasen – der Kampf spielt sich im Kopf ab

Für ihren Gewaltmarsch brauchen die jungen Männer gerade mal 14 Tage, im Durchschnitt laufen sie 70 Kilometer pro Tag. «Am Anfang hat man es etwas unterschätzt», meint Joel Ruffiner. «Der dritte Tag war der schlimmste», fügt Fabian Jordan an, «aber irgendwann nehmen die Schmerzen in den Beinen nicht mehr zu.» Hinter den drei Männern steht ein ganzes Team, das für das leibliche Wohl sorgt. Ein ganzes Jahr lang haben sich die Wanderer mit Trainingseinheiten auf dieses Projekt vorbereitet, nicht nur mit Fussmärschen, sondern auch mit Yoga und einer Ernährungsberaterin, die die Nährstoffaufnahme optimal eingestellt hat. Und auch wenn die Füsse zuweilen von Blasen schmerzen, spielt sich der Kampf vor allem im Kopf ab. «Man lernt sich selbst viel besser kennen», meint Kevin Schwestermann, «es ist eine Reise zu sich selbst. Man konzentriert sich auf den Weg und lässt alles andere aussen vor.» Von der Obwaldner Landschaft hätten sie deshalb kaum etwas wahrgenommen. Eine psychische Herausforderung wird auch die nächste Etappe sein, die über 1600 Höhenmeter bis auf den Grimselpass führt. Aber dafür sind sie ihrem Ziel ein gutes Stück näher. «Es war sehr emotional, nach zehn Tagen die Schweizer Grenze zu über­queren», sagt Fabian Jordan. Ob sie sich diese Tortur noch einmal antun würden? «Nie wieder!» ist das einstimmige Urteil. «Aber», meint Fabian Jordan, «man ist jetzt auch noch viel zu nahe dran, um das zu beurteilen.» Einmal zurück in Brig, sieht das Ganze also vielleicht wieder ganz anders aus. Heute Abend wollen sie beim Stockalperschloss ankommen.


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