Jodelstimmen sorgen in Sarnen für Gänsehaut

SARNEN ⋅ Der Jodlerklub Sarnen überzeugte an seinen Jahreskonzerten mit seinem wunderbaren Gesang. Höhepunkt war die Uraufführung der Komposition «De Bäärge zue» von André von Moos.
16. April 2018, 05:00

Jeder Ton sass bei den Mannen in ihren braunen Kutten mit dem schmucken Jodlerhut und den drei Frauen in ihren wunderschönen Trachten. Für seine diesjährigen Jahreskonzerte am Freitag und Samstag hatte sich der Jodlerklub Sarnen nicht nur über das Programm mit den Jodelliedern und Jutzen Gedanken gemacht, sondern auch eine sehr spezielle Bühnendekoration aufgebaut – den Dorfplatz des Kantonshauptortes mit dem Landenberg im Hintergrund. «Denn wo lässt es sich besser festen, palavern und zum Schwatz treffen», so der Präsident Patrick Koch. «Der Blick des Publikums wandert Richtung Bühne und sieht das bunte Treiben, während die Jodler und die Volksmusikanten das hiesige Brauchtum zelebrieren und pflegen».

Gastformationen aus dem Kanton Luzern

Als Gastformationen hatten die Sarner das 26 Mitglieder umfassende Jodlerchörli Heimelig aus Oberkirch sowie die Äntlibuecher Stubehöckler eingeladen. Doch der Höhepunkt des Abends kam aus den eigenen Reihen – die Uraufführung der Komposition «De Bäärge zue», der vom Dirigenten André von Moos geschrieben und vom Sextett des Jodlerklubs Sarnen gefühlvoll vorgetragen wurde. Das Publikum verdankte dieses wunderbare Lied mit einem warmen Applaus und forderte eine sogleich eine Zugabe.

Den Auftakt am Freitagabend machte der Jodlerklub Sarnen mit dem «Gisler-Juiz» sowie dem «Tanzliedli» aus der Feder von Emil Wallimann. Und auch die Gastformation aus Oberkirch liess als erstes einen Jutz über den Dorfplatz klingen. Kein Instrument kann eine Gefühlslage besser ausdrücken als die menschliche Stimme. Das Jodeln nimmt Liebe, Leid und Freude in ihren Liedzeilen in Anspruch, während die Jutze Melodien ohne Worte, dafür aber das Empfinden der Bergler und Älpler zum Ausdruck bringen. Auffallend waren bei beiden Jodlerklubs die ausdrucksstarken und glockenreinen Stimmen, die bei den Besuchern oft eine Gänsehaut hinterliessen.

Neues Quartett überraschte

Seit dem letzten Herbst hat sich neben dem Sextett auch ein Quartett aus den eigenen Reihen der Sarner zusammengeschlossen. Sie überraschten vor allem mit dem lustigen Lied «Chilbiläbe» von Robert Fellmann. Auch das Jodlerchörli Heimelig griff auf den bekannten Komponisten Fellmann zurück und lud zum «Fyrabig». Zwischen den Jutzen und Jodelliedern brachten die Äntlibuecher Stubehöckler mit ihren Handorgeln, Schwyzerörgeli und der Bassgeige eine etwas andere Stilrichtung auf die Bühne, die das Programm wunderbar auflockerte. Sie spielten zu späterer Stunde zum Tanz auf und lockten damit etliche Besucherinnen und Besucher auf den Bühnen-Dorfplatz.

Wenn der Jodlerklub Sarnen zum Jahreskonzert einlädt, ist der Saal jeweils voll besetzt. Dies ist nicht nur ein Gradmesser für die allgemeine Popularität des Klubs, sondern auch ein Beweis, dass man gewohnt ist, etwas von ihm zu erwarten. Die Erwartungen am Wochenende wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Die vorgetragenen Lieder und Jutze verrieten nicht nur eine vorzügliche Stimmung, sondern auch Disziplin, Exaktheit und Früchte einer unermüdlichen Dirigentenarbeit. «Dankä säge» hiess es im Lied von Sepp Herger, welches das Quartett des Klubs sang. Danke sagten auch die Besucher mit ihrem lang anhaltenden Applaus, der nach Zugaben forderte.

 

Birgit Scheidegger

redaktion@obwaldnerzeitung.ch


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