Ausstellung Landenberg: «Kinder malen aus Freude an der Welt»

SARNEN ⋅ Nicht weniger als 80 Kinder zeigen zurzeit auf dem Landenberg an einer Ausstellung, wie kreativ sie sind. Unter Anleitung des Künstlers Stefan Rogger haben sie das alte Zeughaus in ein wahres «Haus der Fantasie» verwandelt.
14. November 2017, 05:00

Romano Cuonz

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Nur schon mit ihren Titeln schlagen die kleinen Künstler, die zurzeit viel Publikum auf den Landenberg locken, Purzellbäume: «Fabulosa trifft Kruckbockhornschleicher» lautet einer. «Flügelpropellerhockb

einpirat» steht unter einer andern Zeichnung. Was der Sarner Künstler Stefan Rogger in seiner Ausstellung mit dem Titel «Art direct – Gleichzeitig anders!» inszeniert, wirkt unglaublich bunt. Er sorgt für Abwechslung im heute oft akademisierten Kunstbetrieb. Rogger gab sich immer schon überzeugt: «Je erwachsener man wird, desto akribischer beginnt man, Reales von Irrationellem zu unterscheiden, desto mehr fürchtet man sich vor Traumwelten.»

In der Welt der Erwachsenen hätten Geister, Kobolde, Gnome, Hexen, Teufel und Dämonen keinen Platz mehr. Die bunte – manchmal auch erschreckende Welt – die es im Unterbewusstsein durchaus noch gebe, werde verdrängt und versteckt. Weil Stefan Rogger das Kind in sich bis heute bewahrt hat, vermag er uns genau das zu zeigen, was wir selber nicht sehen können oder wollen. Er sagt es so: «Als Antwort auf eine verrückte Welt finde ich mein Glück und das geheimnisvolle Land der Sehnsüchte auch in der Kinderzeichnung.» Nun zieht er aus dieser Erkenntnis die Konsequenzen. Zum einen stellt Rogger zurzeit selber eine grosse Zahl von neuen, vielschichtigen und oft bunten Bildern aus. Sie tragen Titel wie «Verspielt», «Im Zaubergarten», «Hexe mit gelbem Blick» oder «Dr Tifel a dr Wand». Doch dabei lässt er es nicht bewenden. Rogger hat im obersten Stock des Zeughauses ein Kinderatelier eingerichtet. Dort durften – und dürfen – Kinder jeden Alters ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Nun – am Ende der Kreativarbeit – stellen gut 80 Kids ihre Werke – Zeichnungen, Malereien, Zauberstäbe – vor. Damit öffnen sie ihre Welt voller Geschichten und zauberhafter Wesen. Dass an der Vernissage am vergangenen Sonntag auch noch rhythmisch kreative Kinder von den Musikschulen Sarnen und Alpnach unter der Leitung von Liselotte Stocker auf Schlaginstrumenten gespielt, gesungen und getanzt haben, war dann noch das Tüpfelchen auf dem i.

«Kinder sind eine Art Engel für uns»

Stefan Rogger benutzte die Vernissage, um sich an die zahlreichen Interessierten zu richten. Das Thema «Kunst und Kind» liege ihm am Herzen. «Machen Kinder Bilder, um einen Kunstpreis zu ergattern?», fragte er, um dann gleich selber zu antworten: «Nein, Kinder malen noch aus dem Ursprünglichen heraus, aus Liebe und Freude an der Welt, an allem, was uns umgibt.» Für ihn und seine Malerei gälten Kinder als Vorbilder, weil für sie die Welt noch ein Wunder sei.» Wenn es zwischen seinen Bildern und Kindern funke, mache ihn das glücklich. Kinder würden sofort erkennen, worum es gehe. Wenn er – wie für diese Ausstellung – mit Schulkindern arbeite, tauche Kunst oft dort auf, wo man sie nicht erwarte. Wörtlich meinte der Künstler: «Man braucht Fantasie, um zur Wahrheit zu gelangen. Ich möchte sagen, dass Kinder eine Art Engel sind für uns. Lassen wir zu, dass sie sich frei entfalten können, stutzen wir ihre Flügel nicht.» In der Tat: Wer die Doppelausstellung des Künstlers und der Kinder auf dem Landenberg besucht, begreift die Welt wieder als Wunder.

Hinweis

Doppelausstellung von Stefan Rogger und kreativen Kids auf dem Landenberg Sarnen. Noch bis 26. November. Öffnungszeiten: samstags 13.30 bis 17.30 Uhr; sonntags 11.00 bis 17.30 Uhr.


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