Patres sichern sich Wein für ihr Jubiläum

OBWALDEN ⋅ Wenn das Kloster Engelberg in drei Jahren ein grosses Jubiläum feiert, sollen die Gäste klostereigenen Wein eingeschenkt erhalten. Darum hat die Gemeinschaft einen früher ihr gehörenden Rebberg zurückgekauft.
07. August 2017, 07:14

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

Wer von Biel in Richtung Erlach mit dem Schiff unterwegs ist, kommt nach 20 Minuten bei der Haltestelle Engelberg-Wingreis an und staunt vielleicht, dass er in der Nähe gar noch ein Restaurant Engelberg findet. Beides hat direkt mit de Benediktinerkloster in Engelberg zu tun: Viele Reben in der Gegend von Tüscherz-Wingreis gehörten früher dem Kloster Engelberg. Das gleichnamige Restaurant ist Teil eines früheren Hotels im Heimatstil, das in den 70er-Jahren zu einem grossen Teil wegen des Baus der Bahn-Doppelspur und der Autostrasse weichen musste.

Nun lebt die Geschichte des Klosters am Bielersee neu auf: Die Patres haben sich drei Hektar Rebberg an bester Lage zurückgekauft, die ihnen von 1235 bis 1433 schon gehörten (siehe Kasten). Zwei Hektaren haben sie langfristig verpachtet, auf der restlichen wird der aus der Region stammende Winzer Beat Burkhardt mit den einheimischen Sorten Chasselas und Pinot noir Wein produzieren. Abt Christian Meyer sagt: «Die fehlende Nachfolgeregelung des seit Jahren in Familienbesitz stehenden Rebgutes hat uns diese einmalige Chance des Wiedererwerbs eröffnet.» Er freut sich im Hinblick auf das 900-Jahr-Jubiläum des Klosters im Jahr 2020: «Wir konnten uns ein vorzeitiges Geschenk machen.» Die Idee ist nämlich, den Gästen im Rahmen des Jubiläums «den eigenen Wein ausschenken zu können». Damit könne man an eine jahrhundertelange Tradition anknüpfen.

Winzer Beat Burkhardt sei Garant für ein gutes Produkt, habe er doch schon mal am Nationalen Concours der Schweizer Chasselas-Weine den zweiten Rang geholt. Er hat selber vor 14 Jahren das ­elterliche Weingut Bielerhaus übernommen und seither mit grossem Aufwand die Qualität gesteigert, was zahlreiche Auszeichnungen belegen. Beat Burkhardts Aufgabe sei es, aus den zwei einheimischen Rebsorten qualitativ guten Wein zu produzieren. Dabei werde er von einem fachlichen Begleitgremium unterstützt, welches jährlich tage und ihm bei Bedarf zur Verfügung stehe. Dem jungen Winzer sei es ein Anliegen, mit einer konsequenten Ertragsregulierung die Eigenheiten der jeweiligen Rebsorte hervorzuheben. Noch heute tragen Trauben, die aus den dortigen Reblagen gekeltert werden, den Namen Kloster Engelberg. Ebenso ein direkt an der Hauptstrasse stehendes Rebhäuschen.

Das Kloster Engelberg wurde 1120 gegründet. Die Gemeinschaft von 22 Mitbrüdern wird seit 2010 von Abt Christian ­Meyer (50) geleitet. Das Kloster führt heute ein Gymnasium und eine Sekundarschule. Mit rund hundert Mitarbeitern ist es hinter den Titlisbahnen der zweitgrösste Arbeitgeber in Engelberg.


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