«Kunsthaus Zug – quo vadis?»

ZUG ⋅ Während jetzt notwendige Sanierungen am Kunsthaus vorgenommen werden, setzt man sich intensiv mit dessen Zukunft auseinander. Angesichts des wachsenden Platzmangels zieht die Betreiberin ein kühnes Bauprojekt in Betracht.
19. Mai 2017, 20:22

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Das Kunsthaus Zug ist bereit für die Verjüngungskur: Mit der Finissage der aktuellen Ausstellung von Pavel Pepperstein morgen Sonntag schliessen sich seine Türen für die Sommermonate. Während dieser werden unausweichlich gewordene Sanierungsmassnahmen vorgenommen. «Diese beginnen nächste Woche, Arbeitskräfte und Gerätschaften sind startbereit», sagt Roland Bruhin, Präsident Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug, welche Gönnerorganisation und Eigentümerin der Liegenschaft ist.

Es sind mehrere kleinere und grössere Unterhaltsmassnahmen und Erneuerungen, die dringend anfallen. Ein neues Beleuchtungssystem wird installiert, Wassereintritte im Dachbereich erfordern Ausbesserungen, Metallarbeiten an den Fassaden sind nötig, korrodierte Schwellen müssen ausgewechselt werden, auch in Sachen Brandschutz sind gewisse Massnahmen erforderlich ... Diese Arbeiten haben sich in jüngster Zeit angehäuft, weil bekanntlich länger unsicher war, ob das Kunsthaus neu gebaut wird oder ob es am alten Ort bleibt.

Ein Raum unter dem Daheimplatz

Die Ausbesserungen und Erneuerungen am Kunsthaus sind mit 1,2 Millionen veranschlagt, die von Stadt, Stiftungen und Privatpersonen gestellt werden. «Auch wenn die Zeit für die Sanierungsarbeiten mit drei Monaten knapp bemessen ist, werden wir bis Ende August damit fertig sein», versichert Roland Bruhin.

Was die Verantwortlichen des Kunsthauses Zug in nächster Zeit besonders umtreibt, ist die Zukunft der Institution. So stand ein entsprechendes Traktandum an der gestrigen Generalversammlung der Zuger Kunstgesellschaft, die das Kunsthaus betreibt, denn auch unter dem Motto «Kunsthaus Zug – quo vadis?».

Man habe sich mit der Frage, wie es mit dem Haus weitergehen soll, intensiv befasst, sagt Richard T. Meier, Präsident Zuger Kunstgesellschaft. Eins hält er gleich fest: «Aus unserer Sicht läuft der Betrieb des Kunsthauses Zug gut.» Mehr als Grund genug also, sich um dessen Zukunft konkrete Gedanken zu machen. Mit und seit der Übertragung der Sammlung Kamm im Jahre 1998 ist der Fundus des Hauses sukzessive gewachsen. Viele kost­bare Exponate schlummern die meiste Zeit in den Depots. Eine Erweiterung der Lager- und Ausstellungsfläche ist schon lange angezeigt. Und seit entschieden ist, dass das Kunsthaus an Ort und Stelle bleibt, sind diese Pläne aktueller denn je. Hierzu stellt Meier drei potenzielle Ausbaumöglichkeiten vor. Die einfachste, jedoch am wenigsten spektakuläre Variante wäre eine Auf­stockung des Südflügels. Eine zweite Möglichkeit wäre die Unterkellerung des Gartens hinter dem Haus. Die aufwendigste, aber aus Sicht der Betreiber attraktivste Erweiterung wäre ein unterirdischer Raum unter dem Daheimpark jenseits der Stadtmauer. Dieser Raum würde über einen unterirdischen Korridor zu erreichen sein. Die Idee dazu hatte der russische Künstler Ilya Kabakov, mit dem das Kunsthaus einen intensiven Austausch und Kooperationen pflegt. «Von privater Seite haben wir bereits einen Kredit zugesichert erhalten für die Abklärung der Machbarkeit, falls diese Erweiterungs­variante schliesslich in Frage kommt», sagt Richard T. Meier und sieht grosse Chancen, dass sich für diese aufwendige Erweiterungsvariante Geldgeber finden würden. «Gönner wünschen etwas Spezielles», so Meier. Dieses sogenannte Kabakov-Archiv unter dem Daheimpark wäre als öffentliches, kuratiertes Kunsthausarchiv vorgesehen.

Erweiterung sei aber nicht nur im räumlichen Sinne zu verstehen, fährt Meier fort, sie definiere sich auch auf der virtuellen, der sozialen und der geistigen Ebene. «Wir wollen zudem noch mehr gegen aussen präsent und aktiv sein als bisher. Auch die technologischen Ansprüche werden sich ändern.» Meier spricht da unter anderem die sich entwickelnden Möglichkeiten an, virtuelle (Kunst-)Welten zu generieren, für deren Präsentation es Räume mit entsprechender Ausstattung braucht. Auch diesbezüglich am Ball zu bleiben, bedeute Erweiterung.

«Das Wichtigste ist der Prozess»

«Unser Haus soll mit der allgemeinen Entwicklung mithalten können und lebendig bleiben», betont Kunsthausdirektor Matthias Haldemann und erwähnt ebenfalls die drohende Platznot. «Wir haben allmählich zu wenig Bürofläche, es braucht mehr sanitäre Anlagen und auch mehr Platz für Kunstvermittlung.»

Das Wichtigste bei der Entwicklung einer Institution wie dem Kunsthaus Zug sei aber nicht immer das Resultat, kommt Haldemann zum Schluss. «Das Wichtigste ist der Prozess der Entwicklung an sich, das Unterwegssein unseres Kulturhauses. Und all die Geschichten, die sich auf diesem Weg miteinander verknüpfen.»

Hinweis

In den Sommermonaten findet der Betrieb des Kunsthauses ausserhalb statt. Details dazu unter www.kunsthauszug.ch


Leserkommentare

Anzeige: