Tirinzoni kämpft gegen ihren Ruf an

CURLING ⋅ Erfolgreich an Turnieren, erfolglos an Meisterschaften: Silvana Tirinzoni, Skip bei Aaraus Curlerinnen, will an den am Samstag beginnenden Schweizer Meisterschaften in Flims etwas gegen ihren Ruf tun.
11. Februar 2017, 05:00

In der Curlingszene ist die Schwäche von Marlene Albrecht, Esther Neuenschwander, Manuela Siegrist und Silvana Tirinzoni vom CC Aarau bekannt. Sie bilden das stärkste Schweizer Quartett, wenn es um das Abschneiden an den Turnieren der Champions Tour in Europa und der World Tour in Kanada geht. Sehr oft tauchen sie in den K.o.-Runden auf, oft dringen sie in den Final vor, und nicht selten gewinnen sie das Turnier.

Die Stärke an den in der Regel dreitägigen Turnieren steht im Widerspruch zu dem unbefriedigenden Abschneiden an den Titelkämpfen, also an den Schweizer Meisterschaften und den damit verbundenen WM, EM und Olympischen Spielen. Obwohl sie seit über einem Jahrzehnt zu den besten Schweizer Curlerinnen gehört, brachte es Tirinzoni nie an Europameisterschaften, nie an Olympische Spiele und nur dreimal an Weltmeisterschaften. An diesen WM-Turnieren (2006, 2007, 2013) wurde sie im besten Fall Fünfte. In den Schweizer Ausscheidungen, zu denen auch die Schweizer Meisterschaften zählen, scheiterte sie meistens an den Teams von Mirjam Ott, Binia Feltscher oder Alina Pätz.

Für Flims (Binia Feltscher) und Baden Regio (Alina Pätz) gilt ziemlich genau das Umgekehrte. An den freien Turnieren lösten sich gute Klassierungen und vorzeitiges Ausscheiden ab. Geht es jedoch um die begehrten Titel an den einwöchigen Meisterschaften, trumpfen sie auf. Der Beweis dafür sind drei WM- und ein EM-Titel seit 2014. So sind denn diese beiden Formationen abermals auch an den Schweizer Meisterschaften zu favorisieren. Die Siegerinnen qualifizieren sich für die Frauen-WM in Peking, die am 18. März beginnt.

Adelboden oder Genf

Bei den Männern ist das Duell der Teams aus Adelboden und Genf seit gut vier Jahren der Dauerbrenner im nationalen Curling. Auch diesmal wäre es eine Überraschung, wenn nicht diese beiden Formationen den Final um den Meistertitel und die WM-Teilnahme bestreiten sollten.

Die Berner Oberländer trennten sich letzten Frühling von Skip Sven Michel, mit dem sie Ende 2013 Europameister geworden waren. Der Emmentaler Marc Pfister, zusammen mit seinem Bruder Enrico ein Jahr vorher zu Adelboden gestossen, übernahm das Kommando. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die auch mit einer Krebserkrankung von Marc Pfister zusammenhingen, hat sich die Crew im Lauf der Saison gesteigert. Die Adelbodner sind wieder ähnlich stark einzuschätzen wie die von Peter De Cruz angeführten Genfer, die EM-Dritten dieser Saison.

Wer immer in Flims gewinnt, wird eine angenehme und zugleich belastende Aufgabe vor sich haben. Die Weltmeisterschaft der Männer findet ab dem 1. April in Edmonton statt, wo täglich Zuschauer in fünfstelliger Zahl für eine unvergleichliche Stimmung sorgen werden. Andererseits wird das Schweizer Team unter einem hohen Leistungsdruck stehen. Denn nur mit einem Platz unter den ersten vier oder fünf wird die Schweiz den direkten Startplatz an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang auf sicher haben. Andernfalls werden die Schweizer im Dezember eine Art Hoffnungslauf-Turnier bestreiten müssen, an dem lediglich noch zwei Olympia-Plätze vergeben werden. (sda)


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