Brady gegen Ryan: Super-Bowl-Final der Superlative

FOOTBALL ⋅ In der Nacht auf Montag (0.30 Uhr, Schweizer Zeit) treffen in Houston die Atlanta Falcons im grossen Football-Final auf die New England Patriots. Einen Favoriten gibt es nicht. Es kündigt sich einmal mehr ein Spektakel an.
02. Februar 2017, 12:30

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@luzernerzeitung.ch

Morgen kennen die Amerikaner nur ein Thema: Football. Denn es ist Super-Bowl-Sonntag, der wohl wichtigste Tag im US-Sportgeschehen – und darüber hinaus (siehe Kasten). Dieses Jahr findet in Houston die 51. Ausgabe statt. Weil die Footballsaison von September bis Februar über zwei Kalenderjahre läuft, werden die Finalspiele nicht nach Jahreszahlen benannt, sondern mit römischen Ziffern gezählt. Wir sind nun also bei «Super Bowl LI» angelangt. Im Spiel der Spiele treffen die offensivstarken Atlanta Falcons auf die defensiv führenden New England Patriots. Einen klaren Favoriten gibt es nicht, die Ausgangslage verspricht Spektakel pur.

Auch wenn American Football für viele in Europa noch immer ein Buch mit sieben Siegeln ist – die Regeln sind zahlreich und komplex (siehe unten) –, erfreut sich die körperbetonte Sportart auch hier zunehmender Beliebtheit. Die TV-Zuschauerzahlen steigen, die National Football League (NFL) veranstaltet seit ein paar Jahren Spiele in London, und nächste Saison könnten auch Matches in Deutschland folgen.

Rekord für Brady oder Premiere für Ryan?

Zum Spiel: Wie so oft beim Football stehen die zwei Spielmacher im Fokus: Quarterback-Superstar Tom Brady (39) von den Patriots und bei den Falcons Matt Ryan (31), der die Auszeichnung als wertvollster Spieler dieser Saison erhalten dürfte. Beide spielten eine herausragende Saison. Ryan, der in seiner Vergangenheit Mühe hatte, in den Playoffs auf Touren zu kommen, orchestriert liga­weit die mit Abstand potenteste – und spektakulärste – Offensive. Für Brady ist es bereits der siebte Finaleinzug, kein anderer Spieler stand öfter in einem Super Bowl. Sollte er mit den Patriots die begehrte Vince-Lombardi-Trophy ein fünftes Mal gewinnen, würde ihn dies zum alleinigen Rekordhalter machen. Bisher teilt er sich den ersten Platz mit seinen vier Siegen mit den lebenden Quarterback-Legenden Joe Montana (San Francisco 49ers) und Terry Bradshaw (Pittsburgh Steelers).

Da im Football immer nur eine Offensive auf dem Feld ist, werden sich Ryan und Brady nicht direkt gegenüberstehen. Sie kennen sich aber bestens und, wie Brady diese Woche verriet, schreiben sich regelmässig SMS. Der gegenseitige Respekt ist nicht zu überhören in den zahlreichen Interviews, die die beiden Team-Captains diese Woche gaben. Dass der acht Jahre ältere Brady schon früh auf seinen morgigen Gegenpart aufmerksam wurde, ist kein Wunder: In der Grossregion Boston, wo die Patriots zu Hause sind, ist Matt Ryan selber eine Football-Legende: Er spielte am Boston College, welches nur 33 Kilometer vom Heimstadion der Patriots entfernt liegt. Diesen Herbst erst wurde sein College-Trikot «retired», seine Nummer wird also nie mehr an einen Spieler vergeben.

Der diesjährige Final ist aber auch ein Duell der beiden Head-Coaches: auf der einen Seite der «alte Fuchs» Bill Belichick, seit 17 Jahren der Chef bei den Patriots. Er brachte und prägte den «Patriot Way» – das klubeigene Mantra, welches eiserne Disziplin über alles stellt. Belichick wirkt bei Medienauftritten spröde und humorlos. Hinter den Kulissen wird ihm allerdings ein wohltuender schwarzer Humor nachgesagt. Unbestritten ist, dass er in Neuengland – zusammen mit Brady – eine Dynastie erschaffen hat: Seit 13 Jahren stehen die Patriots ununterbrochen in den Playoffs, neunmal in den Halbfinals und nun eben zum siebten Mal im Super Bowl.

Auf der anderen Seite wartet Dan Quinn, ein Neuling auf dem Chefposten. Erst letztes Jahr übernahm er die Falcons, um sie nun gleich ins Endspiel zu führen. Dies tat er mit einer Mischung aus Zugänglichkeit und offener Begeisterung, die das Team mitriss. Und Quinn weiss, wie man einen Super Bowl gewinnt. Er kam aus Seattle, wo er eine der schlagkräftigsten Defensiven zusammenstellte, die massgeblichen Anteil hatte am Triumph der Seahawks im Jahr 2013.

Super Bowl am TV

Morgen um 20.15 Uhr beginnt ProSieben Maxx mit dem Countdown zum Spiel, ab 22.55 Uhr übernimmt Sat 1 die Berichterstattung. Das Spiel beginnt am Montagmorgen (Schweizer Zeit) um 0.30 Uhr: Atlanta Falcons - New England Patriots.

Bier, Chicken Wings und Lady Gaga

Zahlen und Fakten Der Super Bowl bringt schier Unglaubliches hervor:

  • Ein Ticket kostet durchschnittlich 4744 US-Dollar. Die günstigsten Karten waren heuer für knapp 2000 Dollar zu haben; nach oben kennen die Preise fast keine Grenzen: Eine Loge kostet rasch einen sechsstelligen Betrag.
  • Im Schnitt verfolgen in den USA gut 111 Millionen, in der Spitzenzeit gar 150 Millionen Fans den Super Bowl am TV. Weltweit sind es über 800 Millionen.
  • Die hohen Zuschauerzahlen haben für die Werbekunden ihren Preis: Ein 30-Sekunden-Werbespot während des Super Bowls kostet dieses Jahr gut 5 Millionen Dollar – Rekord.
  • 50 Millionen Dollar werden in den USA am Super-Bowl-Sonntag für Nahrungsmittel – etwa 1,3 Milliarden Chicken Wings, 14 000 Tonnen Chips, 120 Millionen Liter Bier – ausgegeben. Für die Food-Industrie ist es somit nach Thanksgiving der zweitwichtigste Tag im Jahr.
  • Die spektakuläre Halbzeitshow gehört zum Final wie das Bier und die Chips. Schon Stars wie Michael Jackson, die Rolling Stones, Madonna und Beyoncé traten auf. Dieses Jahr wird Lady Gaga ihre Songs zum Besten geben.
  • Am Montag nach dem Final werden in den USA 20 Prozent mehr Kopfwehtabletten verkauft. Zudem melden sich 6 Prozent mehr Amerikaner krank als an gewöhnlichen Montagen. (lb)

Football - Regeln

Viermal 15 Minuten

Ein Footballspiel hat vier Viertel, Quarter genannt, die 15 Minuten dauern. Dabei handelt es sich um die Nettospielzeit. Aufgrund der vielen Spielunterbrüche, bei denen die Zeit angehalten wird, dauert ein Match rund drei Stunden. Welches Team zuerst den Ball (Ei) erhält, wird mit einem Münzwurf bestimmt. Das Spiel beginnt mit dem Ankick (Kick-Off) der verteidigenden Mannschaft. Nach dem ersten und dritten Quarter wechseln die Mannschaften die Seiten, nach der Halbzeitpause wird neu angekickt. Das Feld ist 100 Yards lang und 53,3 Yards breit, das entspricht 91,4 x 48,7 Metern, und hat zwei je 10 Yards lange Endzonen mit gelben H-förmigen Toren.

Spiel um Raumgewinn

American Football ist ein Spiel um Raumgewinn, welches zwei Mannschaften aus je elf Spielern austragen. Das Ziel der Offensive ist es, auf dem Feld vorwärtszukommen. Dafür hat ein Team vier Versuche, Downs genannt, um durch Laufspielzüge oder Pässe 10 Yards (9,1 Meter) Raumgewinn zu erzielen. Schafft eine Offensive dies, erhält sie ein First Down und damit vier neue Versuche, um weitere zehn Yards voranzukommen. Die Defensive versucht, dies zu verhindern. Das Endziel des angreifenden Teams ist ein Touchdown. Meistens wird der vierte Versuch, das Fourth Down, nicht ausgespielt, sondern der Ball möglichst tief in die
gegnerische Platzhälfte gekickt.

Touchdown und Field Goal

Ein Touchdown wird erzielt, wenn ein Spieler mit dem Ball in die Endzone läuft oder dort einen Pass fängt und dabei beide Füsse, ein Knie, einen Ellbogen oder die Hüfte auf den Boden bringt. Für einen Touchdown gibt es sechs Punkte. Gleich im Anschluss erhält die Mannschaft die Möglichkeit, einen Zusatzpunkt zu erzielen. Dafür muss der Ball aus 33 Yards (30 Metern) zwischen die zwei gelben Torpfosten gekickt werden. Wenn ein Team die Endzone nicht erreicht, bleibt die Möglichkeit eines Field Goals. Dazu wird das Ei – wie beim Zusatzpunkt – von der Stelle, an der die Offensive gestoppt wurde, zwischen den Torpfosten hindurch gekickt. Ein Field Goal bringt drei Punkte.

Quarterback und Offensive

Der Quarterback wird oft als die wichtigste Position im Football bezeichnet. Er ist das Hirn der Offensive. Er sagt – in Absprache mit dem Coach – die Spielzüge an. Auch ist der Quarterback normalerweise der einzige, der Pässe wirft. Diejenigen Spieler, die die Zuspiele des Quarterbacks fangen, heissen Wide Receiver oder Receiver. Die Ballträger, die den Ball vom Quarterback zugesteckt erhalten, werden Runningbacks genannt. Geschützt wird der Quarterback und auch die Runningbacks von der Offensive Line: grosse, breite Spieler mit schnellen Händen und Füssen. Sie versuchen, die drängelnden Defensivspieler aufzuhalten und Wege für die Ballträger frei zu blocken.

Drei Verteidigungslinien

Die Verteidigung kann im Football in drei Gruppen unterteilt werden. Zuvorderst steht mit der Defensive Line die erste Verteidigungslinie. Diese Spieler sind gross und schwer. Sie sollen gegnerische Laufspielzüge verhindern und den Quarterback unter Druck setzen. Dahinter folgen die Linebacker, die je nach Situation versuchen, Pässe abzufangen, Läufer zu stoppen oder den Quarterback anzugreifen. Die dritte und hinterste Verteidigungslinie nennt man Secondary, sie setzt sich aus Cornerbacks und Safeties zusammen. Diese schnellen, wendigen Spieler sind die letzte «Versicherung» der Defensive und versuchen, die Receiver am Fangen des Balls zu hindern. (lb)


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