Möriken-Wildegg
Seine Ziele sind eine intakte Natur und eine starke Wirtschaft: Matthias Betsche ist neuer Grossrat der GLP

Matthias Betsche aus Möriken-Wildegg will die Wirtschaft stärken und die Umwelt schützen. Beide Ziele seien gemeinsam zu erreichen, ist der Geschäftsführer von Pro Natura Aargau überzeugt. Für die Grünliberalen folgt er im Grossen Rat auf Barbara Portmann.

Michael Hunziker
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Er freut sich auf seine neue Aufgabe: Matthias Betsche an der Bünz-Aue an seinem Wohnort Möriken-Wildegg.

Er freut sich auf seine neue Aufgabe: Matthias Betsche an der Bünz-Aue an seinem Wohnort Möriken-Wildegg.

Britta Gut

Einer breiten Öffentlichkeit ist Matthias Betsche bekannt als umtriebiger Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. Am Dienstag wird der 51-Jährige als Grossrat der Grünliberalen in Pflicht genommen. Im Kantonsparlament tritt er die Nachfolge von Barbara Portmann an, die ihren Rücktritt eingereicht hat.

Ist er nervös vor seiner ersten Sitzung? In erster Linie freue er sich auf die neue Aufgabe, darauf, sich um das Gemeinwohl kümmern zu dürfen, auf den Austausch über die Parteigrenzen hinweg, sagt er bei einem Kaffee – schwarz – gut gelaunt mit einem Lachen.

Der Aargau kann eine Vorreiterrolle übernehmen

Nachhaltigkeit. Dieser Begriff fällt immer wieder beim kurzweiligen Gespräch. «Wenn man sich in der Politik engagiert, dann muss man sich überlegen, welche Auswirkungen die heutigen Entscheidungen auf morgen haben werden», stellt Betsche fest und ergänzt:

«Es ist mir wichtig, dass wir an die kommenden Generationen denken, dass wir ihnen eine enkeltaugliche Welt übergeben.»

Als Grossrat will er sich stark machen für eine progressive und ökologische Politik, für einen vorwärtsgerichteten und lebenswerten Kanton. Wirtschaftlicher Erfolg sei Hand in Hand möglich mit nachhaltigem Umweltschutz, ist Betsche überzeugt. Oder anders gesagt: «Eine intakte Natur und eine starke Wirtschaft sind Ziele, die gemeinsam zu erreichen sind – sind eine Chance, machen den Aargau attraktiv.»

Als Stichwort nennt er die Stärkung einer innovativen und ökologischen Kreislaufwirtschaft. «Betonrecycling beispielsweise führt zur Reduktion von Deponien und zur Schaffung von Arbeitsplätzen», erklärt er. «Der Aargau hat beste Voraussetzungen, hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Statt in die Verbrennung von Bau-, Bio- und Plastikabfällen sollten wir in die lokale Verarbeitung und Wiederverwertung dieser Rohstoffe investieren.»

Der Klimawandel wird zunehmend spürbar

Weitere Themen, die ihm am Herzen liegen, sind Foodwaste – «die Verschwendung von Nahrungsmitteln ist riesig» –, der konsequente Klima- und Naturschutz oder der Ausbau der erneuerbaren Energien, der Bio-Landwirtschaft und des Wirtschaftsstandorts Aargau für Umwelttechnologien.

Engagiert: Matthias Betsche an der Medienkonferenz zur Lancierung der Gewässer-Initiative Ende Februar dieses Jahres.

Engagiert: Matthias Betsche an der Medienkonferenz zur Lancierung der Gewässer-Initiative Ende Februar dieses Jahres.

Valentin Hehli

Unsere Zukunft hänge stark davon ab, Wirtschaft und Umwelt zu Partnern zu machen, fasst er zusammen. «Für diese Vision stehe ich.» Seit Jahrzehnten werde von der Klimaerwärmung gesprochen, vom Raubbau an der Natur. «Wir haben bislang zu wenig gemacht, um dies zu ändern. Das hat mich politisiert.» Die Auswirkungen des Klimawandels würden zunehmend spürbar. Die Erhaltung der Biodiversität sei eine wirtschaftliche Notwendigkeit.

Ein Schwerpunkt sieht Betsche auch in der Förderung des nachhaltigen Tourismus im Aargau. «Das Hallwilersee-Gebiet soll uns und den nachfolgenden Generationen als Visitenkarte des Aargaus erhalten bleiben», führt er aus. Als Präsident des Vereins Freunde Schloss Wildegg sei es ihm ebenfalls wichtig, die Freude an den – touristisch – wertvollen Kulturgütern zu vermitteln.

In der Freizeit ist er in der Natur unterwegs

Ein besonderes Anliegen sei ihm zudem die Chancengleichheit. «Soziale und berufliche Inklusion ermöglicht Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft», hält er fest. Und:

«Alle Menschen sollen in Freiheit und Sicherheit ihr Leben gestalten können, wie sie es für richtig befinden.»

Betsche selber lebt mit seiner Familie in Möriken-Wildegg. Als Rechtsanwalt hat er NGOs und Banken, Firmen und Private im Bereich Nachhaltigkeit beraten. Seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. Tätig ist er in diversen Gremien wie zum Beispiel in der Jagd- und in der Wasserschlosskommission des Kantons Aargau. An seinem Wohnort ist er Präsident der Finanzkommission.

In seiner Freizeit ist er gerne in der Natur unterwegs, beim Wandern, Velofahren – oder mit der Kamera beim Fotografieren. Durch sein Grossratsmandat werde er sich im einen oder anderen Bereich neu organisieren müssen, ist er sich bewusst. Aber: «Ich habe zum Glück einen Arbeitgeber, der ein politisches Engagement seiner Angestellten sehr unterstützt.»