Comeback des Jahres
Skispringer Killian Peier rückt dem Podest immer näher

Der 26-jährige Westschweizer feiert beim Heim-Weltcup in Engelberg mit zwei vierten Plätzen das erfolgreichste Wochenende seiner Karriere. Trotzdem überwiegt im ersten Moment die Enttäuschung.

Rainer Sommerhalder
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Angesichts des minimalen Rückstands überwiegt bei Kilian Peier nach dem erneuten 4. Rang in Engelberg zuerst die Enttäuschung. «Aber wenn das Adrenalin mal weg ist, wird sich das ändern», sagt der Athlet später.

Angesichts des minimalen Rückstands überwiegt bei Kilian Peier nach dem erneuten 4. Rang in Engelberg zuerst die Enttäuschung. «Aber wenn das Adrenalin mal weg ist, wird sich das ändern», sagt der Athlet später.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Killian Peier bleibt ein Phänomen. Er schiebt die Last eines überstandenen Kreuzbandrisses einfach von sich, als sei es nicht mehr als ein lästiger Husten. Bei den zwei Heimspringen in Engelberg - kein Ort, an dem er bislang über sich hinaus wuchs - zeigt der 26-Jährige am erst fünften Wettkampfwochenende seit der zwölfmonatigen Verletzungspause eine beeindruckende Konstanz.

Die Ausbeute mit zwei vierten Rängen mag auf dem Papier undankbar erscheinen. Die Erkenntnisse von Athlet und Trainer zum Ist-Zustand können im weiteren Verlauf der Saison aber Gold wert sein. «Ich habe Killian noch nie so stabil gesehen. Er hat im Vergleich zu vor der Verletzung sogar noch einen Schritt in Richtung Weltspitze gemacht, »sagt sein Trainer Ronny Hornschuh.

«Natürlich bin ich enttäuscht, die Emotionen sind noch ganz frisch. Aber wenn ich dieses Wochenende zuhause in aller Ruhe analysiere und reflektiere, dann werde ich erkennen, dass es ein guter Schritt vorwärts war, der mir das Potenzial für die Zukunft aufzeigt», sagt Killian Peier.

Erst zum zweiten Mal nach dem ersten Sprung in Führung

In der Tat kommt der WM-Dritte von 2019 dem Podest immer näher. Beim zweiten Springen, das vom Japaner Ryoyu Kobayashi gewonnen wurde, fehlten nur noch 0,4 Punkte oder umgerechnet weniger als einen halben Meter auf Platz 3. Bei Halbzeit führte der Schweizer sogar noch hauchdünn vor Karl Geiger und Kobayashi. Erst zum zweiten Mal in seiner Karriere trat Peier zu einem Finaldurchgang als Führender an. «Das ist eigentlich die geilste Challenge, die es gibt, »sagt der in Einsiedeln lebende Romand.

Auch Trainer Hornschuh ist sich sicher, dass das Podest nicht verpasst, sondern lediglich aufgeschoben ist. Killian ist bereit dazu, sagt der Deutsche. «Was er bei seinem Comeback zeigt, ist auch beste Arbeit für unsere Arbeit im Schweizer Team.»

Peier selbst will sich seiner Linie der vergangenen 14 Monate treu bleiben, dabei Schritt für Schritt nehmen und anstatt Rangierungen jeweils die bestmögliche Leistung anstreben. «Ich werde mein Mindset für den nächsten Wettkampf wieder auf Null stellen und die Saison so nehmen, wie ich es mir vorgenommen habe - als Lernprozess».

Nach Weihnachten folgen die prestigeträchtige Vierschanzentournee und danach schon bald die Olympischen Spiele in Peking. Und es sind angesichts der Konstanz und der Entwicklung von Killian Peier weit und breit keine Anzeichen in der Luft, dass das märchenhafte Comeback nicht weitergeht. Oder sogar noch besser wird.