Fussball
Bahn frei für Alex Frei: Der Aufstiegstrainer verlässt den FC Winterthur und wechselt zum FCB

Nach fast vier Jahrzehnten hat der FC Winterthur unter Trainer Alex Frei den Aufstieg in die Super League geschafft. Nun verliert der Verein seinen Erfolgstrainer – dieser wechselt zu seinem Herzensklub. Und als Nachfolger ist ausgerechnet Patrick Rahmen im Gespräch.

Pascal Däscher und Jakob Weber
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Winterthurs Aufstiegstrainer Alex Frei wird in der kommenden Saison beim FC Basel an der Seitenlinie stehen.

Winterthurs Aufstiegstrainer Alex Frei wird in der kommenden Saison beim FC Basel an der Seitenlinie stehen.

Martin Meienberger / Freshfocus

Es waren bange Minuten, die der FC Winterthur nach dem Schlusspfiff nach dem 5:0-Sieg gegen den SC Kriens zu überstehen hatte. Denn: Ein einziges Tor des FC Aarau im noch laufenden Parallelspiel gegen den FC Vaduz hätte gereicht, um den FC Winterthur doch noch auf den Barrageplatz zu verdrängen.

Doch der FC Aarau traf nicht mehr, beim FC Winterthur entfachte daraufhin die grosse Euphorie. Der erste Aufstieg seit 1985 war Tatsache – mittendrin der Trainer Alex Frei, der auf die kommende Saison zum FC Basel wechseln wird. Die entsprechenden Berichte dieser Zeitung bestätigten auf der Aufstiegsparty diverse Beteiligte.

Alex Frei als Baumeister des Erfolgs

Als Trainer Alex Frei den FC Winterthur im Dezember 2021 übernahm, sagte er: «Bevor wir vom Aufstieg sprechen, möchte ich zuerst meine Spieler besser machen. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, ab welchem wir von einem Aufstieg träumen dürfen.» Geschafft hat der 42-jährige Basler beides.

Er machte Spieler wie Roberto Alves, Roman Buess oder Samir Ramizi noch ein Stück besser und liess so ganz Winterthur von der Super League träumen. Der Verein um Sportchef Oliver Kaiser hatte mit der Verpflichtung von Alex Frei ein glückliches Händchen bewiesen.

Die Fans und ein emotionaler Alex Frei feiern den Aufstieg in die Super League.

Die Fans und ein emotionaler Alex Frei feiern den Aufstieg in die Super League.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Doch der Erfolg des Basler Urgesteins blieb auch beim FC Basel nicht unbemerkt. Nach dem Aufstieg in die Super League gab es beim FC Winterthur keinen Grund mehr, die Trainerdiskussion zu dementieren. Zwar wollte Alex Frei nach dem Spiel gegen Kriens selber noch nichts zu seiner Zukunft sagen. Captain Granit Lekaj gab nach dem Spiel zu Protokoll:

«Es ist recht klar geworden, dass er nicht bleibt.»

FCB-Präsident David Degen äusserte sich im Vorfeld des Spiels des FC Basel gegen den FC Lugano im Pay-TV:

«Es ist immer lustig, dass Medien mehr wissen als ich. Heute gibt es in Sachen Trainer nichts zu kommunizieren. Alex Frei ist ein super Typ.»

Es fehlt also weiterhin noch die offizielle Bestätigung der Klubs. Doch der Wechsel von Alex Frei zurück zu dem Verein, wo er bereits 2020 Trainer werden sollte und dann wegen der Hinhaltetaktik der damaligen Bosse entnervt kündigte, ist in trockenen Tüchern. Als Frei-Nachfolger ist bei Winterthur der ehemalige FCB-Coach Patrick Rahmen im Gespräch.

Winterthur ist der Schweizer Kultverein

In Winterthur hatte man nach fast vier Jahrzehnten in der zweithöchsten Spielklasse fast gar nicht mehr an den Aufstieg geglaubt. Der Klub lebt vor allem von seinem Status als Kultverein der Schweiz, ähnlich wie der FC St. Pauli in Deutschland.

Spiele im Schweizer Cup werden zelebriert wie eine Partie in der Champions League, vor allem dann, wenn man einen Super-League-Klub aus dem Wettbewerb kegelt. Der FC Winterthur verfügt über eine grosse Fangemeinde, in dieser Saison verzeichnete er den deutlich höchsten Zuschauerdurchschnitt in der Challenge League.

Das Stadion Schützenwiese war auch in dieser Saison gut besucht.

Das Stadion Schützenwiese war auch in dieser Saison gut besucht.

Andy Mueller / freshfocus

Auf der altehrwürdigen Schützenwiese, dem Stadion des FC Winterthur, ist nicht nur der Fussball ein Ereignis, sondern auch das, was daneben geschieht. Nicht umsonst gibt es die Bierkurve, in der die leidenschaftlichsten Fans des FC Winterthur stehen. Direkt daneben wird die Resultattafel noch von Hand bedient. In der Sirupkurve, die unweit der Bierkurve anfängt, steht der Fanklub, der exklusiv für die kleinen Fans des FC Winterthur reserviert ist. Dann gibt es im Stadion noch den Salon Erika, wo Kunstschaffenden eine Plattform für Ausstellungen angeboten wird.

Zwei verlorene Cupfinals und mehrere Auf- und Abstiege

Die erfolgreichste Zeit hatte der FC Winterthur Ende der 1960er Jahre, als der Deutsche Timo Konietzka für den Verein spielte. Mit ihm zog Winterthur 1968 erstmals in den Cupfinal ein und stieg schliesslich in die Nationalliga A auf. Nach einigen Jahren in der höchsten Spielklasse und einem weiteren verlorenen Cupfinal stieg Winterthur 1977 in die Nationalliga B ab.

1982/83 und 1984/85 spielte das Team nochmals zwei Saisons in der NLA, konnte sich dort beide Male nicht halten und stieg zwischendurch gar in die 1. Liga ab. Im Jahr 2001 folgte der nächste Rückschlag, da der Klub kurz vor dem finanziellen Ruin stand. Der im September 2001 neugewählte Präsident Hannes W. Keller rettete den Verein vor dem Zwangsabstieg.

Viele Stars spielten für Winterthur

Was oft vergessen wird: Insbesondere in den vergangenen Jahren wurde in Winterthur auch im Nachwuchs hervorragende Arbeit geleistet. Nationalspieler wie Admir Mehmedi, Remo Freuler, Luca Zuffi und Pajtim Kasami stammen aus dem eigenen Nachwuchs, auch Amir Abrashi, Marwin Hitz, oder Manuel Akanji spielten einst in Winterthur. Die Frage ist nur, wer als nächster Winterthurer den Sprung auf die grosse Fussballbühne schafft.