Stadt Luzern
Neuer Sandstein-Pavillon im Gletschergarten: Vor der Eröffnung gibt es noch ein «arktisches Podium»

Am 21. Juni eröffnet der Gletschergarten seinen neuen Sandstein-Pavillon mit der Ausstellung über die Mosaic-Expedition in der Arktis. Wer wollte, konnte zuvor an der Podiumsdiskussion «Was geht uns die Arktis an?» teilnehmen – und das bei «unarktischen» Temperaturen.

Kathrin Brunner Artho
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Im Gletschergarten kann nun die neue Ausstellung besucht werden.

Im Gletschergarten kann nun die neue Ausstellung besucht werden.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 20. Juni 2022)

Ja, was geht uns eigentlich die Arktis an? Sie ist weit weg, sehr kalt und kein bevorzugtes Reiseziel. Dass uns die Arktis aber sehr wohl was angeht und der Tourismus dabei eine grosse Rolle spielt, wurde an der Podiumsdiskussion «Was geht uns die Arktis an?» im Gletschergarten diskutiert. Dass die Sache von grossem Interesse war, bewies der gefüllte Saal.

Die dazugehörige Ausstellung im neuen Sandstein-Pavillon war den Forschern der Mosaic-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts gewidmet. Unter ihnen befand sich Dr. Martin Schneebeli, Schneephysiker und Lawinenforscher, sowie die ungarische Dokumentarfotografin Esther Horvath. Aus der Tourismusbranche nahmen Chantal Beck, Geschäftsführerin RailAway und Norbert Patt, CEO der Titlis-Bahnen, das Podium ein. Durch die Diskussion führte Jérôme Martinu, Chefredaktor der Luzerner Zeitung.

Die Expedition im (fast) ewigen Eis

«Was bedeutet Arktis für Sie?», dies war die Einstiegsfrage, die den vier Diskutantinnen und Diskutanten gestellt wurde. Natürlich hat die Arktis einen anderen Stellenwert für die Touristiker als für die Forscher, für welche vor allem die wissenschaftlichen Aspekte des Nordpols im Zentrum stehen.

Der neue Sandstein-Pavillon wurde aus Ausbruchmaterial und Holz gebaut.

Der neue Sandstein-Pavillon wurde aus Ausbruchmaterial und Holz gebaut.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 20. Juni 2022)

Die Wissenschaftler hatten bei ihrer Expedition die Aufgabe, Daten im Schnee und Eis in Hinsicht auf das veränderte Klima zu sammeln. «Wir konnten unglaublich viele Daten über längere Zeit zusammenlegen, welche in den nächsten Jahren noch ausgewertet werden muss», so Schneebeli. Einige Daten wurden dabei aus der oberen Schneeschicht entnommen, welche eine isolierende Wirkung auf die darunterliegende Eisschicht hat und diese somit vor dem Schmelzen schützt.

Isoliert wird auch auf dem Titlis-Gletscher. Eine Schicht Kunstschnee wird verwendet, um den darunterliegenden Gletscher zu schonen. Dem Vorwurf, dass dies eine «Pflästerlipolitik» sei, dem stimmte Norbert Patt zu und fügt an: «Touristen, welche auf den Titlis kommen, möchten den Schnee erleben. Das steht für sie an erster Stelle, die Lernbereitschaft hingegen ist sekundär. Aber wir versuchen trotzdem, die Touristen auf die Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen.» Martinu schnitt anschliessend das Thema Schnee als Tourismusfaktor an. Er fragte nach der Rolle des Tourismus im Kontext des Klimawandels und des Gletschers. Chantal Beck führt aus:

«Es ist für uns wichtig, dass der Aspekt des nachhaltigen Reisens eingehalten wird.»

Die Rolle der Dokumentarfotografie

Zum Schluss wurde der Einfluss der Dokumentarfotografie thematisiert. Esther Horvath erhielt für ihre dokumentarische Arbeit mit der Mosaic-Expedition einige Auszeichnungen. Für das Bild einer Eisbärenmutter mit ihrem Bärenjungen gewann sie den World Press Photo Award.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer staunten, als Horvath schilderte, wie sie bei minus vierzig Grad ihre Handschuhe ausziehen musste, um fotografieren zu können. «Bei diesen Temperaturen wird jede kleine Tätigkeit zu einer Prozedur», schloss sie lächelnd ab. Ihre Schilderungen über einen Schneesturm, welcher mit hundert Kilometer pro Stunde tobte, liess manche grosse Augen machen. Auch wenn man sich bei dreissig Grad Aussentemperatur nur schwer solch einen Schneesturm vorstellen konnte.