70-Jahr-Jubiläum
SRK Unterwalden feiert und befasst sich auch mit harter Realität

Das SRK Unterwalden ist 70. Die Mitgliederversammlung stand ganz im Zeichen des Jubiläums. Gastrednerin und SRK-Botschafterin Dominique Gisin schlug aber auch nachdenkliche Töne an.

Ruedi Wechsler
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Das SRK Unterwalden hilft in Not geratenen Familien, bietet Entlastung und Unterstützung, Begleitung und Sicherheit für ältere und kranke Menschen. Dies mittlerweile seit 70 Jahren. Am Samstag wurde zur Jubiläums-Generalversammlung auf den historischen Landenberg in Sarnen eingeladen. Über 100 Mitglieder nahmen teil. Die Nachfrage nach den Angeboten nahm im vergangenen Jahr weiter zu und erreichte einen neuen Höchststand. Der Vorstand erfreut sich besonders über die stetig steigende Anzahl Freiwilliger. Soziale Dienstleister, Spitäler, ambulante Zuweiser und Behörden sehen im SRK Unterwalden einen kompetenten Partner.

330’000 Kilometer Fahrdienst geleistet

Der Verein zählt 6771 Mitglieder, unterstützte im vergangenen Jahr 1971 Menschen mit diversen Dienstleistungen. 244 Freiwillige engagierten sich für mehr Menschlichkeit, von jedem Spende-Franken kamen 88 Prozent direkt den Bedürftigen zugute und der Rotkreuz-Fahrdienst legte 2021 insgesamt 331’205 Kilometer zurück. Geschäftsführerin Franziska Schöpfer und die Präsidentin Kathrin Prätz sind stolz auf das Engagement aller. Zudem sind sie froh über die grosszügigen Spenderinnen und Spender und die wohlgesinnten Stiftungen. Die Jahresrechnung schliesst mit schwarzen Zahlen. Die Summe von 1’804’671 Franken für geleistete Lieferungen und Leistungen sticht dabei heraus. Für vier weitere Jahre wurden Dr. Carole Bodenmüller, Elsbeth Weissmüller und Dr. med. Claude Müller wiedergewählt. Ebenso die Revisionsstelle Refina Treuhand AG in Horw.

Freiwillige wurden geehrt und mit einem Präsent aus ihrem Ehrenamt verabschiedet. Margrit Koch, CEO und Leiterin Banksteuerung der Obwaldner Kantonalbank, überreichte Franziska Schöpfer und Kathrin Prätz ein Bild. Dieses symbolisiert eine gemeinsame und langfristige Partnerschaft zwischen der OKB und dem SRK Unterwalden. Die Regierungsräte Michèle Blöchliger und Christoph Amstad überbrachten Glückwünsche. Marzio Medici vom Rotkreuzrat rundete mit seinen Worten die Gratulationen ab.

Das Jubiläumsjahr beinhaltet verschiedene Highlights. So zum Beispiel den Red-Cross-Tower on Tour, die Testimonial-Kampagne (Überbringen der guten Wünsche) und das Jubiläumsfest. Zudem erhalten alle Freiwilligen und Mitarbeitenden eine neue Jacke.

Olympiasiegerin fesselt und begeistert

Dominique Gisin, die Abfahrts-Olympiasiegerin von Sotschi und SRK-Botschafterin seit 2015, begeisterte mit ihrer authentischen und offenen Art die Besucher. Sie erzählte von ihren Besuchen in Bolivien, Nepal, Togo oder Kirgistan. Bereits während ihrer Karriere – nach ihrem ersten Weltcup-Sieg 2009 – sei sie vom Schweizerischen Roten Kreuz angefragt worden. Dieses Amt als Botschafterin sei aber mit ihrer Skikarriere nicht zu vereinbaren gewesen. «Ich hätte zu dieser Zeit auf den grossen Auslandsreisen nicht mal angeben können, wo ich mich aufhalte. Es war für mich immer ein Anliegen, dass ich etwas zurückgeben und mich sozial engagieren möchte.»

Dominique Gisin erhält nach ihrem Referat Blumen von Kathrin Prätz, Präsidentin des SRK Unterwalden.

Dominique Gisin erhält nach ihrem Referat Blumen von Kathrin Prätz, Präsidentin des SRK Unterwalden.

Samuel Büttler / Obwaldner Zeitung

Das Rote Kreuz habe sie überzeugt, weil es lokal verankert sei. «Ich will mich auch international engagieren und meine Hauptaufgabe ist, zu repräsentieren und auf die Missstände aufmerksam zu machen», so Gisin. Die erste Reise nach Bolivien habe sie tief beeindruckt und sie konnte sich nicht vorstellen, dass Menschen in einem wunderschönen Setting in diesem Jahrhundert unter widrigsten Umständen leben müssen. «Es ist grausam, dass die Menschen in diesen Ländern mit Nahrungsknappheit, Krankheiten oder einer totalen Abgeschiedenheit konfrontiert sind. Ich erlebte schöne Geschichten, aber auf einem Niveau, das wir uns hier nicht vorstellen können», erzählt Dominique Gisin nachdenklich.

Ein Fotograf habe bei einer Medienkampagne dem Kind gesagt, dass es am anderen Tag nochmals die gleichen Kleider anziehen soll. Das Kind gab zur Antwort, dass es nur das eine Kleid habe. «Mit Personen vor Ort wird nach Lösungen gesucht, ausgedacht und vorangetrieben», sagte Gisin. «Nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.»