Abstimmungen
Sarnen packt mehrere Grossprojekte an und will insgesamt rund 6 Millionen Franken investieren

Sarnerinnen und Sarner sollen am 9. November für eine attraktive Poststrasse und einen sicheren Blattibach rund 6 Millionen Franken bewilligen. Am Mittwoch hat der Einwohnergemeinderat Partei- und Medienvertreter eingehend über die Projekte informiert.

Romano Cuonz
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Die Sarner Poststrasse soll zu einer attraktiven Begegnungszone aufgewertet werden.

Die Sarner Poststrasse soll zu einer attraktiven Begegnungszone aufgewertet werden.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 13. Oktober 2021)

Bemühungen des Sarner Einwohnergemeinderates, für eine Verkehrsberuhigung im Dorfzentrum zu sorgen, könnte man als «endlose Geschichte» bezeichnen. Diskussionen gehen auf 30 Jahre zurück, und die Bevölkerung hat Vorschläge in gleich mehreren Abstimmungen deutlich abgelehnt. Einbahnstrassen im Dorf stiessen auf ebenso wenig Zustimmung wie Temporeduktionen. Nun aber nimmt der Sarner Einwohnergemeinderat erneut einen Anlauf. Doch Gemeinderat Raphael Disler betonte am Mittwochabend gegenüber den Parteienvertretern:

«Wir tun dies auf sehr kleinem Raum und mit für Automobilisten wenig einschneidenden, für Fussgänger jedoch willkommenen Massnahmen.»

Das Potenzial für eine Aufwertung der Poststrasse zu einem attraktiven Raum, in dem Einkaufen und Sich-Begegnen im Vordergrund stünden, sei gross. Auch könne man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits die arg mitgenommene Strasse und die Trottoirs sanieren und andererseits vor Läden und Cafés eine Flanier- und Begegnungszone gestalten. Auf der Poststrasse sollen Fussgänger nach der Sanierung gegenüber dem motorisierten Verkehr Vortritt haben. «Sie können die Strasse frei begehen und überall queren», versprach Disler.

Gemeinderat Raphael Disler zeigt, wie man die Sarner Postsrasse für 3,25 Millionen zu einer attraktiven Begegnungszone umgestalten möchte.

Gemeinderat Raphael Disler zeigt, wie man die Sarner Postsrasse für 3,25 Millionen zu einer attraktiven Begegnungszone umgestalten möchte.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 13. Oktober 2021)

Dies möchte man mit einer flächigen Gestaltung des Strassenraums von Fassade zu Fassade erreichen. Fussgängerbereiche sollen mit Natursteinen gepflästert werden. Auf ein vollständiges Verbot für Motorfahrzeuge verzichtet man bewusst. Die Höchstgeschwindigkeit aber wird auf 20 Stundenkilometer beschränkt. Neu würden noch zehn statt zwölf Parkplätze so angeordnet, dass für Fussgänger auch ausserhalb der Arkade Platz entsteht. Auch will man die Poststrasse mit zusätzlichen Bäumen oder Grünelementen aufwerten. Während des Umbaus werden zahlreiche weitere notwendige Arbeiten – zum Beispiel für Beleuchtung, Elektrizität oder Kabelmedien – ausgeführt. Für all diese Arbeiten beantragt der Gemeinderat an der Versammlung einen Kredit von 3,25 Millionen Franken. Disler versicherte: «Die Liquiditätsplanung zeigt auf, dass das Projekt Poststrasse aus gemeindlichen Eigenmitteln finanziert werden kann.» Realisiert werden soll das Projekt 2023. Der SVP-Mann Christoph von Rotz äusserte die Befürchtung, dass der Gemeinderat hier in «Salamitaktik» vorgehen und später weitere Strassenabschnitte folgen lassen könnte. «Gut wäre es, wenn man dem Stimmbürger klare Perspektiven aufzeigen würde», monierte von Rotz.

Letzte Etappe der Blattibachsanierung

Nochmals erinnerte Gemeinderat Peter Seiler an das verheerende Unwetter vom 24. Juni 2016. Damals trat der Blattibach über die Ufer. Es entstanden massive Schäden an den Schutzbauten. Unmittelbar nach dem Ereignis wurden in zwei Phasen Sofortmassnahmen umgesetzt und Schutzbauten in Stand gestellt, um weitere Schäden zu vermeiden. Dies vor allem zwischen der Schwander- und der Giglenstrasse. Bis zum Frühling 2018 waren diese Arbeiten mit Kosten von 2,3 Millionen abgeschlossen. Nun soll in einer dritten Phase der Unterlauf von der Wilerstrasse bis zur Einmündung in den Sarnersee saniert und das gesamte Projekt zur Subventionierung bei Bund und Kanton eingereicht werden. Peter Seiler stellte in Aussicht: «Mit den nun geplanten Massnahmen wollen wir das geschlossene Siedlungsgebiet bis zu einer Wiederkehrperiode von 100 Jahren gegen Naturgefahren schützen.» Auch soll die Brücke über die wichtige Wilerstrasse gegen jegliches Überschwappen gesichert werden.

Der Sarner Blattibach, der am 24. Juni 2016 grosse Verwüstungen angerichtet hatte, soll auf bis zur Einmündung in den See naturnah saniert werden.

Der Sarner Blattibach, der am 24. Juni 2016 grosse Verwüstungen angerichtet hatte, soll auf bis zur Einmündung in den See naturnah saniert werden.

Bild: Romano Cuonz (24. Juni 2016)

«Der Blattibach erhält neu eine natürliche Gewässersohle und naturnahes Ufergehölz», sagte Seiler. Die heutige Betonschale wird abgebrochen und durch eine Raubett mit variablen Böschungen ersetzt. Besonders schön und aufwendig möchte Sarnen die Einmündung des Baches in den See mit einer Art Delta gestalten. «Hier schaffen wir ein Laichgebiet für Seefische, Lebensraum für Ringelnatter und andere Reptilien und Amphibien und ganz wichtig auch Erholungsraum für Menschen», versprach Seiler. Kostenpunkt für die abschliessende Sanierungsetappe: gut 2,7 Millionen Franken. Nach Subventionen von Kanton und Bund dürfte der Gemeindeanteil noch rund 950'000 Franken betragen. Der Beginn der Bauarbeiten ist auf Oktober 2022 angesetzt.

In einem weiteren Traktandum werden Sarnerinnen und Sarner entscheiden, ob die Zahl der Reklamen und Werbeflächen im Gemeindegebiet auf einige wenige interessante Standorte eingeschränkt werden sollen.

Hinweis: Die ausserordentliche Einwohnergemeindeversammlung Sarnen findet am 9. November 2021 statt. Zum Auftakt der Versammlung wird ein neuer Kurzfilm gezeigt, der Sarnen in seiner ganzen Vielfalt zeigt.