Alpnach
Beim Bau der Grunderbergstrasse vor 100 Jahren hatten Arbeitslose Vortritt

Vor einem Jahrhundert realisierte eine extra geschaffene Flurgenossenschaft einen Strassenbau in Alpnach.

Markus Villiger
Drucken
Die Grunderbergstrasse in Alpnach führt vom Grund in Alpnach Dorf bis zum Zälg. Gebaut wurde sie vor 100 Jahren.

Die Grunderbergstrasse in Alpnach führt vom Grund in Alpnach Dorf bis zum Zälg. Gebaut wurde sie vor 100 Jahren.

Bild: Robert Hess (Alpnach, 12. April 2022)

Die Vorgeschichte zum Bau der Grunderbergstrasse in Alpnach ist nicht nur lang, sondern auch interessant. Das Ziel dieses Bauvorhabens war, verschiedenen Heimwesen am Grunderberg eine Erschliessung zu erstellen. In nicht bekannten Akten wurde bereits im Jahr 1913 erstmals eine Fahrstrasse Grunderberg erwähnt. Im Jahr 1921 wurde es konkreter: Richtung Lütholdsmatt wurde eine Bergstrasse ausgesteckt.

«Unter der Firma Strassenbau-Genossenschaft am Grunderberg in Alpnach haben sich die Grundbesitzer am Grunderberg in Alpnach zu einer Flurgenossenschaft vereinigt mit dem Zwecke, eine Strassenanlage vom Grund bis Zälg, eventuell bis zur Franzosenstrasse durchzuführen.» So steht es im Artikel 1 der Statuten der Flurgenossenschaft-Strassenbau am Grunderberg in Alpnach.

Bundesbeschluss zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Statutarisch wurde auch festgehalten, dass alle Grundbesitzer am Grunderberg, welchen es ermöglicht wird, die Strasse als Verkehrsmittel zu benutzen, Mitglieder dieser Genossenschaft sind. Die Statuten wurden an der Hauptversammlung am 22. Januar 1922 gutgeheissen. Der Regierungsrat genehmigte die Statuten am 25. März 1922. Als Präsident der Flurgenossenschaft zeichnete Pius Wallimann und als Aktuar Josef von Atzigen. Damit waren die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, um Beiträge der öffentlichen Hand für das Bauwerk zu erhalten.

Der Kostenvoranschlag für den Bau der Grunderbergstrasse wurde mit 130'000 Franken ausgewiesen. Der Kantonsrat bewilligte einen Kantonsbeitrag von 20 Prozent (26'000 Franken). Der Bund beteiligte sich ebenfalls mit 20 Prozent an den Baukosten. Die seinerzeitige sogenannte Subventionsanmeldung von der Flurgenossenschaft an den Kantonsrat erfolgte gestützt auf den Bundesratsbeschluss betreffend den Massnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vom 20. September 1921. Gemäss einem diesbezüglichen Beschluss des Bundesrats wurden die Kantone in ihren Massnahmen, beispielsweise bei Bauarbeiten, finanziell unterstützt.

Die damals vom Bundesrat erlassenen Massnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit setzten voraus, dass beim Bau dieser Strasse – mit Ausnahme der Facharbeiter – «vorherrschend Arbeitslose zu beschäftigen sind». In einem späteren Jahr wurde der Bundesbeschluss für die Massnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wieder aufgehoben.

2,5 Kilometer innert zwei Jahren

Im Jahr 1922 wurde anlässlich einer Extra-Gemeindeversammlung ebenfalls ein Beitrag an den Strassenbau bewilligt, nämlich 20 Prozent oder für den Bau und 40 Prozent für den Unterhalt. Schliesslich bewilligte auch das Eidgenössische Oberforstamt eine Subvention von 14'000 Franken für den Bau der Strasse.

Für die Bauarbeiten der rund 2,5 Kilometer langen Bergstrasse konnte die Bauunternehmung Gebrüder Vitelli, Solothurn, verpflichtet werden. Die Ingenieurarbeiten wurden von Otto Seiler, Bauingenieur, Sarnen, ausgeführt. Die Linienführung der Strasse ist gekonnt in die Landschaft eingefügt und bietet eine prächtige Aussicht auf Alpnach und den Alpnachersee. Eine Gedenkplatte im oberen Teil der Strasse erinnert an den Bau der Grundbergstrasse in den Jahren 1922 bis 1923.

Eine stark verwitterte Gedenktafel erinnert an den Bau der Strasse in den Jahren 1922 bis 1923.

Eine stark verwitterte Gedenktafel erinnert an den Bau der Strasse in den Jahren 1922 bis 1923.

Bild: Robert Hess (Alpnach, 12. April 2022)

Die Flurgenossenschaft wurde mit Beschluss vom 10. Januar 1954 infolge der Übernahme der Strasse durch die Einwohnergemeinde Alpnach aufgelöst. Der Regierungsrat nahm in zustimmendem Sinne an seiner Sitzung vom 21. Januar 1954 Kenntnis von der Auflösung der Flurgenossenschaft.

Seitens der Einwohnergemeinde Alpnach erfolgte im Jahr 1996 eine Sanierung der Grunderbergstrasse. Es ging unter anderem darum, die Strasse von 2,80 Meter auf 3 Meter zu verbreitern und verschiedene Ausweichstellen zu realisieren. Die Sanierung dauerte rund zwei Jahre.