Alpnach
Blasmusik und Jodel im Einklang

Auf Einladung der Musikgesellschaft Alpnach wirkte die Jodlergruppe Bärgröseli am traditionellen Winterkonzert mit. Dies entpuppte sich als gelungenes Miteinander.

Primus Camenzind
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Am zweiten Adventssonntag – kurz vor dem Einnachten – füllte sich die Pfarrkirche Alpnach fast bis auf den letzten Platz. Die Anziehungskraft zweier Dorfvereine zeigte Wirkung. Zwei Werke des bis weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannten Alpnacher Komponisten Emil Wallimann dürften den Ausschlag gegeben haben, dass sich die «Bärgröseler» aus Alpnachstad mit der «Alpnacher Muisig» zusammentaten, um ihr Publikum mit musikalischem und gesanglichem Einklang zu erfreuen. Nicht nur die ansprechende Qualität der beiden Ensembles unter der Leitung von Dirigent Igor Retnev (Blasmusik) und Marc Zeller (Jodel), sondern auch die gelungene Moderation von Pius Ziegler sorgte dafür, die Alpnacher Kirche in eine Stimmung zu versetzen, welche der Adventszeit und dem bevorstehenden Weihnachtsfest gerecht wurde.

Die Musikgesellschaft Alpnach unter der Leitung von Igor Retnev spielte zusammen mit der Jodlergruppe Bärgröseli aus Alpnachstad.

Die Musikgesellschaft Alpnach unter der Leitung von Igor Retnev spielte zusammen mit der Jodlergruppe Bärgröseli aus Alpnachstad.

Bild: Primus Camenzind (Alpnach, 4. Dezember 2022)

Wohlklingend und feierlich

Ziegler gab zu verstehen, dass die 1974 gegründete Jodlergruppe Bärgröseli in ihrem Repertoire zahlreiche Juitze und Lieder aus den eigenen Reihen zum Besten gibt. So auch zu Beginn des Konzertes mit «Dr Wägbegleiter», einem Naturjuitz von Adrian Ettlin. Das Publikum hörte, was an diesem Sonntagabend auch für die weiteren Vorträge des Ensembles galt: ein wohlklingendes Klangbild, passende Dynamik und – wenn auch ohne weibliche Stimmen – beeindruckende Vor- und Solojodler. Auch das Blasorchester aus dem Dorf am Pilatus machte deutlich, dass unter Igor Retnev solide und erspriessliche «Arbeit» geleistet wird. «Adventum» (bearbeitet von Jared Barnes, USA) und «Heaven's Glory» (komponiert von Mario Bürki, Schweiz) imponierten durch feierliche Spannungsbögen, kurze, aber feine Soli und technische Fertigkeiten in sämtlichen Reihen des Ensembles.

Geschmackvolle Zwiegespräche

Aus der Feder von Emil Wallimann stammen zwei Werke, welche Jodler sowie Musikantinnen und Musikanten in eine gelungene Harmonie bringen. Die «Jodelphonie» ist geprägt vom Wechselspiel zwischen Juitz und Instrumentalmusik. Wallimann bediente sich dabei verschiedenster Rhythmen. Die Jodlergruppe legt vor, die Musikgesellschaft reagiert darauf und zuweilen wagen sich beide Formationen in geschmackvolle Zwiegespräche. Ähnlich gestrickt war das von Marie-Theres von Gunten komponierte und von Wallimann bearbeitete Lied «Im Läbe het» (...di mängisch scho ganz öppis grosses übernoh). Der Einstieg durch die Musikgesellschaft war animiert, die Begleitung subtil und der Chor zeigte mit der anspruchsvoll harmonisierten Komposition beachtliche musikalische Reife.

«Stille Nacht» als Höhepunkt

Zwischen Steven Reineke, US-Komponist mit deutscher Abstammung, und Dmitri Schostakowitsch (1906–1975, Russland) waren Gemeinsamkeiten zu entdecken: Des Amerikaners Werk «Sedona» fand durch hervorragende Instrumentation und gefällige Romantik den Zugang zu den Freunden von Blasmusik, während der «Walzer Nr. 2» des Russen in einer einschmeichelnden Mixtur zwischen Big-Band- und Tanzmusik in der Musikwelt wohl unvergesslich bleibt. Josef Strauss (1827–1870, Wien) mit seiner lebendigen Polka «Eingesendet» (Opus 240) liess im Kirchenschiff Wienerträume aufleben, und ausserdem gab das Orchester «A Most Wonderful Christmas» zum Besten: einen romantischen Melodienstrauss, der den abendländischen Weihnachtsliedern den Rang abzulaufen droht. «Stille Nacht» (Franz Gruber, 1787–1863, Österreich) geriet bei Kerzenlicht und den Stimmen aller Anwesenden trotzdem zum finalen und emotionalen Höhepunkt des Winterkonzertes.