Alpnach
Der Renovation des Pfarrhauses steht nichts mehr im Weg

Trotz Rückweisungsantrag genehmigte die Mehrheit der Kirchgemeindeversammlung die Investitionskosten.

Markus Villiger
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Das Pfarrhaus Alpnach an der Bahnhofstrasse 10 soll saniert werden.

Das Pfarrhaus Alpnach an der Bahnhofstrasse 10 soll saniert werden.

Bild: Robert Hess (Alpnach, 31. Oktober 2021)

Der Kreditantrag von 75'000 Franken für die Planungsarbeiten beim Pfarrhaus Alpnach stiess auf Widerstand. Hans Wallimann stellte den Rückweisungsantrag und wurde von Walter Wyrsch und Otto Camenzind unterstützt. Die Votanten stellten sich auf den Standpunkt, dass ein Grundbucheintrag rechtlich verbindlich sei. Konkret: Im Grundbucheintrag zur Pfarrmatte steht als Last geschrieben: Veränderungsverbot am Pfarrhof. Die Gegner votierten mit dem Argument, wenn ein Veränderungsverbot besteht, macht es keinen Sinn, Geld für eine Planung zur Veränderung des Pfarrhauses auszugeben. «Auch die Denkmalpflege kann von sich aus einen Grundbucheintrag nicht ändern oder unberücksichtigt lassen», führte Otto Camenzind aus.

Sozialpolitisches Konzept gefordert

In seinem Votum erwartete Walter Wyrsch vom Kirchgemeinderat eine «sozialpolitische Ausrichtung» bei der Vermietung der Liegenschaften. Es könne nicht sein, dass die Kirchgemeinde zu einem gewöhnlichen Wohnungsvermieter ohne jegliche soziale Ausrichtung werde. Deshalb brauche es zuerst ein sozialpolitisches Konzept vor einer Renovierung des Pfarrhauses. Aktuell sei dort eine Wohngemeinschaft eingemietet, welche Wohnraum für junge Leute biete. Dieser sei dringend nötig. Er wies auch darauf hin, dass die Kirchgemeinde mit dieser Gruppe eine Vereinbarung zur Führung eines längst notwendigen «Notfallzimmers» abschliessen könnte. Der Bedarf dafür sei schon verschiedentlich, auch vom Pfarreiteam, festgestellt worden, führte Walter Wyrsch aus. Hans Wallimann brachte auch die Idee, auf der Pfarrmatte den Bau von Kleinwohnungen für Familien abzuklären.

Der Alpnacher Urs Spichtig, der mit seiner Firma ak Bautreuhand AG, Luzern, die Planung des Pfarrhauses im Auftrag der Kirchgemeinde koordiniert, sagte, dass in der heutigen Praxis das im Grundbuch verankerte Veränderungsverbot so zu verstehen sei, dass keine baulichen Veränderungen ohne Mitwirken und Einverständnis der Denkmalpflege vorgenommen werden dürfen. So sei dies bereits bei allen Umbauten seit 1966 gehandhabt worden. Zudem könne im Einvernehmen mit der Denkmalpflege ein Grundbucheintrag gelöscht werden.

Swisscom ist vom Vertrag zurückgetreten

Schon zum vierten Mal fand die Kirchgemeindeversammlung in der Pfarrkirche statt, rund 50 Stimmberechtigte waren anwesend. Kirchgemeindepräsident Daniel Albert konnte mit einer spannenden Aussage aufwarten: «Im Zusammenhang mit dem Vertrag der Swisscom für eine 5G-Antenne im Kirchturm hat Swisscom durch ihren Anwalt am 30. Juli 2021 dem Rechtsvertreter der Kirchgemeinde mitgeteilt, dass sie vom Vertrag vom Herbst 2018 zurücktritt.» Nun dürfte das Thema 5G-Antenne im Alpnacher Kirchturm definitiv vom Tisch sein.

Betreffend die Nachfolge von Pfarrer Thomas Meli erwähnte der Kirchgemeindepräsident, dass Gespräche und Abklärungen mit dem Generalvikariat Urschweiz zurzeit noch laufen. Eine Lösung vor Herbst 2022 sei nicht realistisch. Thomas Meli werde seinen bis 31. März 2022 befristeten Vertrag verlängern, damit ein nahtloser Übergang möglich sei.

Ein neuer Pfarrer/ Seelsorger werde nicht nur die Pfarrei Alpnach betreuen. Eine mögliche Zusammenarbeit mit anderen Pfarreien werde derzeit abgeklärt. Die Pfarrei Ennetmoos habe bereits Bereitschaft signalisiert, mit der Pfarrei Alpnach zusammenzuarbeiten. Wie diese Zusammenarbeit konkret aussehen soll, ist noch offen.

Zu Beginn der Sachgeschäfte erläuterte Finanzchef Franz Waldispühl das Budget 2022. Es schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 20'760 Franken ab und wurde genehmigt. Im Anschluss an die statutarischen Geschäfte gab es einen Rückblick auf das 200-Jahr-Jubiläum der Pfarrkirche Alpnach.

Das Beurteilungsgremium bestimmte aus verschiedenen Bewerbungen Architektin Margrit Baumann, Altdorf, für die Ausführung der Sanierung des Pfarrhauses. Auf Nachfrage betonte Urs Spichtig, dass die Altdorfer Architektin sehr sorgfältig mit der bestehenden Bausubstanz umgehe. Die vorgesehenen baulichen Eingriffe seien derart schonend konzipiert, dass sie wieder rückgängig gemacht werden könnten. «Dies ermöglicht späteren Generationen, das Pfarrhaus den dannzumaligen Gegebenheiten anzupassen, ohne dass wertvolle originale Bauteile zerstört werden müssen», so Baukoordinator Urs Spichtig, der folgendes Fazit zog: «Es gibt keinen zwingenden Grund, den Umbau und die Renovation des Pfarrhauses mit den Abklärungen rund um die benachbarte Pfarrmatte zu verknüpfen.» Die Gespräche zur Zukunft der Pfarrmatte werden noch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Zwei Wohnungen werden eingebaut

Im Rahmen der Renovation werden zwei Wohnungen mit separaten Eingängen erstellt. Es werde künftig einfacher sein, für zwei Wohnungen passende Mieterinnen und Mieter zu finden als für eine Grosswohnung. Dazu Urs Spichtig: «Die Wohnungen im Pfarrhaus unterscheiden sich gänzlich von herkömmlichen Wohnungen. So werden sich die Wohnungen an Mietinteressenten richten, die mit dem gesellschaftlichen und kulturellen Stellenwert des Pfarrhauses umzugehen wissen. Man darf gespannt sein, wie die Wohnungen im Pfarrhaus genutzt werden. Nicht zu vergessen ist dabei der Garten, der ebenso erhaltenswert ist wie das Pfarrhaus, aber auch mehr genutzt werden sollte», betonte Spichtig.

In der Abstimmung wurde der Rückweisungsantrag abgelehnt und der Kredit von 75'000 Franken für die Renovation des Pfarrhauses genehmigt. Kirchgemeindepräsident Daniel Albert betonte im Anschluss an die Abstimmung, dass der Kirchgemeinderat die vorgetragenen Argumente und Anliegen ernst nehme.