Alpnach
Walter Hug – ein Präsident mit grossem Verhandlungsgeschick hört auf

Der auf Ende Jahr zurücktretende Alpnacher Korporationspräsident Walter Hug zieht Bilanz seiner achtjährigen Amtszeit.

Robert Hess
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«Mit dem Rücktritt von Walter Hug verliert die Korporation einen Präsidenten mit grossem Verhandlungsgeschick», hatte Vizepräsidentin Dina Gasser-Gabriel an der Korporationsversammlung vom 1. Dezember gesagt. Der 67-jährige Präsident Walter Hug hatte nach einer Amtszeit von acht Jahren im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen 2021 bis 2024 auf Ende dieses Jahres den Rücktritt erklärt.

Nach achtjähriger Amtszeit als Präsident der Korporation Alpnach tritt der 67-jährige Landwirt Walter Hug auf Ende des Amtsjahres zurück.

Nach achtjähriger Amtszeit als Präsident der Korporation Alpnach tritt der 67-jährige Landwirt Walter Hug auf Ende des Amtsjahres zurück.

Bild: Robert Hess (Alpnach, 5. Dezember 2020)

Zu seinem Nachfolger wurde Finanz- und Bauchef Urs Spichtig gewählt.

Hugs Verdienste als Präsident wurden an der Versammlung gebührend gewürdigt. Trotzdem sollen hier die wichtigsten Geschäfte, Projekte und Ereignisse im Gespräch mit unserer Zeitung noch einmal gestreift werden. «Ich hatte stets ein gutes Team zur Seite», stellt Hug vorab fest. «Die Mitglieder des Korporationsrates, Korporationsschreiber Klaus Wallimann sowie die rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, im Forstwesen, in den Bereichen Alpen und Kulturland, des Holzheizwerkes und des Fernwärmeverbundes haben mich tatkräftig unterstützt.»

Das Geschäftsleitungsmodell drängte sich auf

«Die vergangenen acht Jahre waren eine sehr intensive Zeit», blickt Walter Hug zurück. Ein Pensum von «15 Prozent plus» sei wohl die oberste Grenze, um noch einen nebenamtlich tätigen Präsidenten zu finden. Auch die Belastung der Mitglieder im Korporationsrat sei in den vergangenen 20 Jahren ständig gestiegen. «Eine neue strategisch-operative Organisationsstruktur mit einer dreiköpfigen Geschäftsleitung drängte sich deshalb auf.» An der Korporationsversammlung vom 15. Oktober wurde die neue Struktur, die ab Neujahr gelten soll, bereits genehmigt.

Zu Hugs bedeutenden Geschäften zählen auch Konzessionen und Bewilligungen für die intensive wirtschaftliche Nutzung von Korporationsboden. Glatt verlief in den Jahren 2016/17 die Genehmigung der Verträge zur Abbauerweiterung West im Steinbruch Guber, die der Firma Guber Natursteine AG Rohstoff für die nächsten rund 30 Jahre sichert. Dabei war die Zusammenarbeit mit der Korporation Kägiswil als weiterer Eigentümerin des Gebietes notwendig.

Knacknuss Pilatus-Bahn-Konzession

Viel Arbeit und das erwähnte Verhandlungsgeschick von Walter Hug waren dagegen beim Geschäft über die fällige Konzessionserneuerung mit der Pilatus-Bahnen AG notwendig. «Nach rund zweijährigen erfolglosen Verhandlungen zwischen den Delegationen beider Parteien», so erzählt Hug augenzwinkernd, «haben sich zwei Bauern, die sich vorher persönlich nicht näher kannten, eines Tages am Wirtschaftstisch im ‹Chalet› zusammengesetzt.» Es liegt auf der Hand: Die beiden Landwirte waren Korporationspräsident Walter Hug sowie Oscar J. Schwenk, der Besitzer eines grossen Landwirtschaftsbetriebes in Mauensee und damaliger Verwaltungsratspräsident der Pilatus Bahnen AG sowie bis heute der Pilatus Flugzeugwerke AG in Stans.

«Wie es unter Bauern üblich ist, redeten wir zuerst über Kühe und beschlossen dann, das Dossier Pilatusbahn-Konzession für die Vertragsdauer bis 2065 an einem einzigen, noch so langen Sitzungstag und ohne Präsenz der Anwälte als Chefsache zu einem guten Ende zu führen», berichtet Hug. Die rechtlichen Streitpunkte über das Grundeigentum wurden ausgeklammert, und man fand die Lösung: Künftig dienen nicht mehr die Höhe der angestiegenen Dividende, sondern die Frequenzen als Grundlage für die Höhe der Entschädigung der Pilatus-Bahnen an die Korporation. «Gerade jetzt, beim Passagierrückgang wegen Corona, erweist sich diese Lösung als angemessen», sagt Hug, der im Amtsjahr 2009/10 als Mitglied der FDP-Fraktion Obwaldner Kantonsratspräsident war.

Entscheid zu Gunsten der Altersversorgung

Weitere Projekte und Anlässe der Korporation während Walter Hugs Amtszeit waren der Weiterausbau des Holzheizwerkes und des Fernwärmeverbundes, der Neubau des Forstwerkhofes 2017, das glanzvolle 650-Jahr-Jubiläum der Korporation 2018 sowie die laufenden Strukturverbesserungen der Alpen, um deren Bewirtschaftung langfristig zu sichern. Hug erzählt:

«Schliesslich bot die Korporation auch Hand zum Ausbau der Altersvorsorge
der Gemeinde. Entgegen unserer bisherigen Praxis, Land nur im Baurecht abzugeben, verkauften wir der Stiftung Betagtenheim Alpnach das benötigte Land für einen Neubau im Gebiet Allmend Ost.»

Zur Änderung des bestehenden Quartierplanes waren einmal mehr langwierige Verhandlungen zwischen der Stiftung, der Gemeinde und dem Kanton notwendig, bis vergangenen August der Spatenstich gefeiert werden konnte.