Obwalden
«So wissen wir, was wir bekommen»: Berufsbildung hat bei der Gasser Felstechnik AG Tradition

CEO Matthias von Ah erklärt, weshalb das 100-jährige Familienunternehmen auf eine gezielte Nachwuchsförderung angewiesen ist.

Daniel Schwab, Apimedia
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An ihrem 100. Geburtstag liess es die Gasser Felstechnik AG tüchtig krachen. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten von Anfang Juli in Lungern erschienen über 500 Mitarbeitende, Angehörige und Gäste. Fast ebenso alt wie das Familienunternehmen selber ist die Tradition der Lehrlingsausbildung. Wann genau die ersten jungen Menschen hier ihre Ausbildung starteten, weiss der heutige CEO Matthias von Ah zwar nicht. Woran er sich aber genau erinnert: dass bereits vor zehn Jahren Mitarbeitende in Pension gingen, die im Unternehmen ihre Lehre absolviert und danach ihr ganzes Erwerbsleben hier verbracht haben. «Die Menschen in Lungern sind stark mit ihrer Heimat verbunden und stolz darauf, für die Gasser Felstechnik AG arbeiten zu dürfen», sagt von Ah.

In sozialen Medien werben

Matthias von Ah, CEO der Gasser Felstechnik AG in Lungern, spricht über die Wichtigkeit der Berufsbildung.

Matthias von Ah, CEO der Gasser Felstechnik AG in Lungern, spricht über die Wichtigkeit der Berufsbildung.

Bild: Apimedia/PD

Doch auch beim grössten Obwaldner Bauunternehmen stehen die Zeichen auf Veränderung. So bekundet man zunehmend Mühe, die Lehrstellen zu besetzen. Was tun? Matthias von Ah: «Jeweils im Herbst organisieren wir einen halbtägigen Berufswahl-Event, bei dem die Achtklässlerinnen und Achtklässler die Berufe Maurer, Grundbauer und Baumaschinenmechaniker kennen lernen können.» Auch in den sozialen Medien wirbt das Unternehmen für seine Berufe. «Prestigeträchtige Objekte wie das Klein-Matterhorn oder den Hametschwandlift versuchen wir in kurze Filme zu packen und über diverse Kanäle zu streuen», sagt von Ah. Daneben engagiert sich die Gasser Felstechnik AG am nationalen Zukunftstag und beim Berufserkundungstag des Kantons Obwalden. Überhaupt pflege man mit dem Kanton seit Jahren eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Das bestätigt Urs Burch, Leiter Amt für Berufsbildung des Kantons Obwalden: «Gasser Felstechnik ist ein sehr verlässlicher Lehrbetrieb, der auch Jugendlichen eine Chance gibt, die nicht so gute Voraussetzungen mitbringen.»

Lernende eng begleiten

Ein wichtiges Instrument zur Gewinnung neuer Lernender ist für Matthias von Ah die Lehre selber: «Wenn Junge bei uns eine gute und angenehme Ausbildungszeit genossen haben, spricht sich das schnell herum.» Bei der Gasser Felstechnik AG werden die Lernenden von professionellen Berufsbildnern eng begleitet. Auf die Koordination mit den anderen beiden Lernorten, der Berufsfachschule und den überbetrieblichen Kursen, wird grosser Wert gelegt. «So wissen wir, woran wir sind, und können frühzeitig intervenieren, wenn etwas nicht nach Plan läuft», so von Ah. Zudem organisiere man gemeinsam mit der HP Gasser AG und der Sutter Fahrzeugbau AG jeden Sommer eine Projektwoche, an der alle Auszubildenden teilnehmen. In gemischten Gruppen erledigen sie Arbeiten im Dienst der Allgemeinheit. So wurden in der Vergangenheit Wanderwege und Feuerstellen gebaut, eine SAC-Hütte auf Vordermann gebracht oder Renovierungsarbeiten am Bärghuis Schönbüel ausgeführt. Die Lernenden seien jeweils mit Begeisterung und voller Elan bei der Sache – selbst bei strömendem Regen.

«Haben keine andere Wahl»

Aktuell beschäftigt die Gasser Felstechnik AG knapp 300 Mitarbeitende, davon 15 Lernende in sechs verschiedenen Berufen. Die Nachwuchsförderung will man gemäss von Ah auch in Zukunft stark gewichten: «Erstens, weil wir der Bevölkerung gute Lehrstellen und Arbeitsplätze anbieten wollen. Zweitens, weil wir so wissen, was wir später an Fachkräften haben. Denn im Moment fehlt es uns an allen Ecken und Enden: vom Handlanger über den gelernten Maurer bis zum Bauführer.» Und drittens: «Wir haben gar keine andere Wahl», ergänzt von Ah. Lücken in der Belegschaft liessen sich heute kaum noch über den Temporärmarkt auffüllen. «Die Leute, die uns dort angeboten werden, können unsere Ansprüche an Zuverlässigkeit und Motivation vielfach nicht erfüllen», so von Ah. Berufsbildung aus Überzeugung also – und als einzige Option.