Ein Kunde kaufte in letzter Minute in der Heiligen Nacht einen Christbaum

Roswitha und Niklaus von Flüe in Kerns starten ins zehnte Jahr ihres Weihnachtsbaumverkaufs. Dabei hat es auch schon kuriose Verkäufe gegeben.

Marion Wannemacher
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Hochsaison für Niklaus von Flüe und seine Christbaum-Kultur. Rotes Band heisst: «reserviert».

Hochsaison für Niklaus von Flüe und seine Christbaum-Kultur. Rotes Band heisst: «reserviert».

Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 27. November 2019)

Der Trichter zum Verpacken steht parat. Am Anfang der Flüelistrasse in Kerns steht ein Schild: «Christbaumverkauf, Weihnachtsausstellung, 700 Meter.» Roswitha von Flüe backt in der Küche Chräpfli. Die Weihnachtsausstellung mit den selbstgeschnitzten Krippen, Engeln und Sternen ist dekoriert.

Niklaus von Flüe lädt derweil in das warme Kaffeestübli in der Scheune ein. Er ist in guter Stimmung. Bald startet der Christbaumverkauf. «Für mich ist das wie Ferien», sagt er. «Ich freue mich auf viele gute Gespräche.» Zwischen vier- und fünfhundert Kunden kaufen bei ihm pro Saison ihren Tannenbaum. Die mittlerweile erwachsenen Kinder Gregor und San­dra stehen ihren Eltern an den Wochenenden zur Seite.

Christbaumpflege als Ausgleich

Vor 16 Jahren hat er mit dem «Christbäumele» angefangen, wie er sagt. Und das kam per Zufall. Er habe einfach ein paar Bäume an den Rand seines Grundstücks gepflanzt mit der Devise «setzen, vergessen, und irgendwann ernten». Das meiste davon habe er verschenkt. Die Nachfrage sei immer grösser geworden. Schliesslich belegte er einen Kurs in Riedholz im Kanton Solothurn. «Das hat mich sofort begeistert», erzählt er. «Andere gehen in ihren Garten, ich in die Kultur», schmunzelt er.

Der gebürtige Kernser erfuhr, dass es erst dann perfekte Bäume gibt, wenn man viel Zeit investiert. An den Kurstagen lernte er übers Jahr verteilt den Formschnitt, beispielsweise, dass der Mitteltrieb gebremst wird, wenn er zwei bis drei Mal im Frühjahr mit einer Zange in der Rinde geritzt wird. «Das Ziel ist ja ein pyramidenförmiger Baum, man achtet darauf, dass die Astkränze stimmen», erklärt von Flüe. «Den perfekten Baum gibt es, den hundertprozentigen nicht, das ist Natur», betont er.

Heute hat er auf 60 Aren auf seinem Heimet 5500 Bäume gepflanzt. «Loh-Glois», wie ihn die Leute im Dorf nennen, hat seinen Hof verpachtet. Bis 2016 betrieb er Mutterkuhhaltung. Heute habe er weniger Stress und es gehe ihm gut. Er ist bei der Migros als Chauffeur tätig und froh über seine Entscheidungen. Das Geschäft mit den Christbäumen habe am Anfang wohl eher Kopfschütteln in der Umgebung hervorgerufen, ist sich Niklaus von Flüe sicher. Unterdessen sind die Spötter verstummt.

Mittlerweile ist der Klimawandel auch in der Christbaumkultur in Kerns angekommen. «In den letzten drei Saisons sind viele Setzlinge eingegangen», erklärt der ehemalige Landwirt. Mehr und mehr muss er die Kulturen bewässern. Und auch im Kaufverhalten der Einheimischen tut sich etwas: «Regionalität ist gefragt», sagt von Flüe.

Bis ein Christbaum erntereif ist und eine Grösse von 1,60 Meter bis zwei Meter erreicht, muss er acht bis neun Jahre wachsen. Allein der Setzling ist zweijährig. Reich werde er mit dem Verkauf nicht, ist sich Niklaus von Flüe bewusst. «Es reicht für die Ferien», erzählt er schmunzelnd.

Von der Frische her sind seine Bäume ohnehin nicht zu toppen. Wer möchte, sucht sich Anfang Advent seinen Tannenbaum aus. Dieser erhält ein Etikett mit dem Namen des Kunden. Kurz vor Weihnachten kann sich dieser den Baum frisch schlagen lassen und nach Hause mitnehmen. Der Christbaumzüchter macht dieser Tage vermehrt die Beobachtung, dass die Bäume immer früher vor Weihnachten Einzug in die Stube halten.

Nach wie vor entscheiden sich 80 Prozent der Kunden vor allem für die Nordmanntanne. «Weiche, glänzende und tiefgrüne Nadeln, ebenmässige Wuchsform. Die stabilen Zweige können auch schweren Baumschmuck gut tragen. Die Tanne hat eine sehr lange Haltbarkeit», steht auf der Webseite der von Flües zu lesen.

Ein Kernser Christbaum in Holland

20 Prozent der Kunden kaufen eine klassische Rottanne oder eine Blaufichte. Von Flües Christbäume landen in Ob- und Nidwaldner Weihnachtsstuben, manche auch in Luzern oder auch mal im Ausland. Einmal habe ein Holländer, der in Flüeli-Ranft Ferien gemacht habe, einen Baum auf der Heimreise gekauft.

Und auch das gab es schon: Als die von Flües an Heiligabend beim Abendessen sassen, klingelte es doch tatsächlich und ein Pärchen wollte noch schnell einen Christbaum erwerben. Sie waren gerade erst aus den Ferien heimgekehrt. Niklaus von Flüe hatte Erbarmen.