Ein Tauschobjekt führt für Sachsler Bauern zum Ziel

Die Korporation Sachseln verloste ihre Voralpen. Bei den Landwirten waren Glück und Strategie gefragt.

Primus Camenzind
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Werni Rohrer (links) beim Ziehen für die Alpverlosung, neben ihm der Sachsler Gemeindeweibel Hermi Spichtig. Rechts Peter von Ah, Leiter der Verlosung.

Werni Rohrer (links) beim Ziehen für die Alpverlosung, neben ihm der Sachsler Gemeindeweibel Hermi Spichtig. Rechts Peter von Ah, Leiter der Verlosung.

Bild: Primus Camenzind (Sachseln, 15. Februar 2020)

Rund 100 Personen füllten die Räume des Restaurants Bahnhof am vergangenen Samstagvormittag. Die Korporation machte den Sachsler Bauern rund 25 Angebote an Voralpen. Um diese bemühten sich mittels Verlosung gegen 50 angemeldete Talbetriebe.

Werni und Petra Rohrer-Stimming sowie ihr langjähriger Betriebshelfer Ivan Rohrer vom Hof Stockenmatt hielten an ihrem Tisch freundlicherweise ein Plätzchen frei, damit unsere Zeitung das spannende, aber für Aussenstehende nicht immer nachvollziehbare Geschehen mit ihrer fachlichen Hilfe verfolgen konnte.

Alpverlosung ist für die Landwirte wegweisend

«Eine solche Alpverlosung, die nur alle 12 Jahre stattfindet, ist für uns Landwirte wegweisend», gab Werni Rohrer zu verstehen. In all diesen Jahren hätten sein Vater und er fünf verschiedene Sachsler Voralpen im Pendelbetrieb bestossen. Im Klartext: tagsüber auf dem Talbetrieb, abends und frühmorgens auf der Voralp. Sie werden jeweils im Juni für etwa drei Wochen und ab 20. August bis zum Bruderklausenfest Ende September bewirtschaftet. Werni und Petra Rohrer besitzen ausserdem auf Älggi eine halbe Alphütte und ziehen alljährlich mit rund 25 Stück Vieh ab Ende Juni für rund acht Wochen auf die der Korporation gehörende Hochalp.

Inzwischen hat die Verlosung begonnen. Was ab jetzt passiert, schreibt Petra Rohrer fein säuberlich auf einen Zettel. Das Prozedere bleibt für sämtliche Angebote dasselbe: Interessenten für eine aufgerufene Alp begeben sich an den Korporationstisch. Dort steht der Gemeindeweibel Hermi Spichtig mit dem geheimnisvollen Säckli bereit. Im ersten Zug wird mittels Nummern die Reihenfolge der nachfolgenden Alpverlosung bestimmt. Dann geht’s im zweiten Zug um den einen siegreichen Würfel. Es herrscht gespannte Stille im Saal. Dem Gewinner wird applaudiert und gratuliert.

Werni Rohrer hält sich zuerst zurück

Wer verloren hat, versucht sein Glück später nochmals. Werni Rohrer hält sich vorerst noch zurück. Er kennt sämtliche Voralpen, deren Infrastruktur, Gelände, Erreichbarkeit und Qualität. Deshalb entscheidet er, etwas später ins Geschehen einzugreifen. «Zuerst geht es mir um den Überblick. Erst dann entwickle ich meine Strategie.»

Plötzlich ändert sich das schlagartig. Werni scheint eine Blitzidee zu haben, bespricht diese kurz mit seiner Frau Petra, nimmt an der Verlosung einer Ganzsommer-Alp teil und ... gewinnt! «Was ich jetzt gezogen habe, ist für uns lediglich ein Tauschobjekt», betonte Rohrer. «Wir sind schliesslich im Hochsommer auf der Älggialp.» Er blickt in die Runde und spricht am benachbarten Tisch kurz eine Bäuerin und ihren Partner an. Wenig später, 90 Minuten nach Beginn der Verlosung, sind beide Parteien handelseinig. Fazit: Tausch seiner gezogenen Ganzsommer-Alp «Grossebnet/Kleinebnet» mit der Voralp «Stollen» der Berufskollegin. Werni und Petra sind sichtlich zufrieden: «Stollen ist das, was wir uns in etwa vorgestellt haben. Die Alp ist gut zu bestossen, sowohl mit Kühen als auch mit Rindern.» Der Stockenmatt-Bauer denkt dabei an die kommenden 12 Jahre.

Bild: Ronny Rohrer