Engelberg
Bildband vom Benediktiner, der mit frühesten Fotos aus Ob- und Nidwalden Geschichten erzählt

Der Engelberger Mönch Emmanuel Wagner war einer der ersten Fotografen hierzulande. Nun kann man seine Bilder in einem Fotoband bestaunen.

Romano Cuonz
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Er galt als begnadeter Kanzelprediger und beliebter Lehrer in Fächern von Latein über Geschichte bis zum Zeichnen, und auch als Autor und Regisseur der Engelberger Studentenbühne machte er sich einen Namen: Pater Emmanuel Wagner, geboren 1853 in Stans und gestorben 1907 in Engelberg. Zu Lebzeiten am meisten bekannt wurde der Mönch als Redaktor und Bild Illustrator des «Nidwaldner Kalenders». Als legendärer «Kalendermann» prägte er diesen bis zu seinem Lebensende.

Die aus heutiger Sicht bedeutendste Begabung hatte Wagner fürs Fotografieren. Davon aber wussten zu seiner Zeit nur wenige. Vielleicht wäre das fotografische Werk gar vergessen geblieben, hätte das Kloster nicht den Journalisten Beat Christen mit der Koordination des Jubiläums «900 Jahre Kloster Engelberg» betraut. Er war es, der vor zwei Jahren in der Sust Stansstad eine grosse Ausstellung zum «Visionär und Zeichner» Emmanuel Wagner anregte.

Initiant und Mitautor Beat Christen (links) freut sich mit Klosterkünstler Pater Eugen Bollin (Mitte) und Abt Christian Meyer über das neue Buch.

Initiant und Mitautor Beat Christen (links) freut sich mit Klosterkünstler Pater Eugen Bollin (Mitte) und Abt Christian Meyer über das neue Buch.

Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Januar 2023)

«Bei den Vorbereitungen fanden wir im Klosterarchiv Fotos, die sehr alt sind» erzählte Christen. Sie stammten von Wagner. Einige habe man in die Ausstellung eingebaut. Als diese dann auf grosses Interesse stiessen, teilte der Stiftsarchivar Rolf De Kegel Beat Christen mit, dass es noch mehr Fotos gäbe. Nun begann das Abenteuer: Christen bekam an die 283 Glasplatten zu Gesicht. Da gab es Bilder des «Chronisten» innerhalb der Klostermauern.

Interessant waren aber vor allem auch volkskundliche Bilder, die der Mönch in Engelberg und Grafenort fotografiert hatte. Landschaften und vor allem den bäuerlichen Alltag, aber auch Porträts von Einheimischen. Als Beat Christen den «gehobenen Schatz» dem Engelberger Klosterkünstler Pater Eugen Bollin zeigte, war dieser begeistert. Die Idee, einen Fotobildband herauszugeben und im Talmuseum gleichzeitig eine Ausstellung zu gestalten, war geboren.

Eines der Fotos: Tabakpfeifen rauchende Patres.

Eines der Fotos: Tabakpfeifen rauchende Patres.

Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 7. Dezember 2022)

Viel Lob an der Buch-Vernissage

Am Dreikönigsfest nun – dem 116. Todestag von Emmanuel Wagner – fand im Barocksaal des Klosters die Vernissage zum schön gestalteten Buch statt. Der neue Fotobildband würdigt auf 128 Seiten die Lichtbildkunst des Fotopioniers zwischen 1883 und 1901. Abt Christian Meyer betonte, dass man dieses Werk einem vifen Team, vorab aber Beat Christen, verdanke. «Er hat die ganze Last getragen, die Fäden gesponnen, Beziehungen hergestellt und das Projekt mit präzisem Blick auf unsere Klostergeschichte auf die Beine gestellt», lobte er.

Einen wichtigen Beitrag im Buch leistete Marius Risi. Er zeigt den volkskundlichen Wert der Bilder auf. «1896 entstand in der Schweiz eine Gesellschaft für Volkskunde, die den Alltag der Leute erforschen wollte», hielt Risi fest. Emmanuel Wagner habe wohl deren Programm gekannt und dazu systematisch fotografiert. «Ich kenne jedenfalls keinen anderen Fotobestand aus den 1880er und 1890er Jahren, der wie er über Bilder den Alltag erklärt», betonte Volkskundler Risi.

Pater Eugen Bollin wies auf Nuancen und Qualität beim Druck hin. Er sagte: «Die Bilder sind nicht einfach schwarzweiss, sie weisen fantastische Tonwerte von Schwarz über Braun und Grau bis Weiss auf, das verdanken wir der Druckerei Odermatt in Dallenwil, die die Fotoplatten intensiv studiert hat». Auch die wissenschaftliche Mitautorin, Fotohistorikerin Madleina Deplazes, und die Gemeinderätin Cornelia Amstutz durften sich über erste Buchexemplare freuen. Genau wie Äbtissin Ruth Maria Buschor vom Kloster St.Andreas in Sarnen. Diese versprach: «Nachdem ich nun weiss, dass Pater Emmanuel Wagner, der kurzzeitig Spiritual in unserem Kloster war, auch in Sarnen fotografiert hat, werden wir unser Archiv nach Bildern von ihm durchforsten.»

Hinweis

Das Buch «Emmanuel Wagner Fotografien» ist in der «Edition Odermatt, Dallenwil» erschienen und im Buchhandel für 48 Franken erhältlich. ISBN 978-3-907164-57-0. Die Ausstellung mit den Fotografien im Talmuseum Engelberg läuft noch bis zum 10. April 2023.