ENGELBERG: Seit 70 Jahren sorgt er für grosse Töne

Ein sehr seltenes Jubiläum feiert Hans Michel (85). Seit 70 Jahren ist er aktiver Blasmusikant. Er liebt aber auch die volkstümliche Musik.

Kurt Liembd
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Hans Michel, fotografiert in Engelberg. (Bild Corinne Glanzmann)

Hans Michel, fotografiert in Engelberg. (Bild Corinne Glanzmann)

Kurt Liembd

Wer 70 Jahre in einem Musikverein spielt, erhält die Auszeichnung «Eidgenössischer Ehrenveteran». Hans Michel aus Engelberg ist der erste Musikant im Unterwaldner Musikverband (UMV), dem diese Ehre zuteilwird. An der Delegiertenversammlung vom nächsten Freitag in Stalden darf UMV-Veteranenchef Noldy Lussy dem Jubilar die Urkunde und eine goldene Medaille überreichen. Auch schweizweit ist die Ehrung für 70 Jahre aktive Mitgliedschaft eher selten: Im vergangenen Jahr gab es in der ganzen Schweiz 23 solche Ehrungen, 2014 waren es nur 12.

Mit 15 Jahren in der Kernser Musik

Ein Besuch bei Hans Michel in Engelberg lässt erahnen, dass Musizieren gesund ist und offenbar jung hält. Auch wenn er im Mai 86 Jahre alt wird, ist Michel immer noch begeisterter Musikant und erzählt gerne aus früheren Zeiten. Auf die Frage nach seiner Motivation und Begeisterung für Blasmusik meint er leicht salopp, aber ganz treffend: «Ich bin halt einfach angefressen.»

Die Anfänge dieser Begeisterung gehen weit zurück. Aufgewachsen in Kerns, trat er am 12. August 1946 in die Harmoniemusik Kerns ein, wo er bis 1955 Mitglied war. Ursprünglich spielte er Tenorhorn (das zu jener Zeit B-Horn hiess), später auch Eufonium, B-Bass und heute Es-Bass (Bild oben). Auch wenn die Anfänge schon 70 Jahre zurückliegen, schwärmt Hans Michel bis heute von seiner «Kernser Zeit» und dem damaligen Dirigenten Josef Garovi (1908–1985). Denn Garovi hat das Talent des damals 16-jährigen Musikanten Hans Michel entdeckt und gefördert. Der bekannte Dirigent hatte dafür ein besonderes Flair, war er doch auch Musikpädagoge, Musiklehrer am Kollegium Sarnen, Kirchenmusiker und Komponist. Nicht umsonst erhielt Garovi zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1978 auch den Innerschweizer Kulturpreis. Auch darauf ist Hans Michel ein bisschen stolz, denn Garovi hat ja auch ihn gefördert und für die Ideale der Musik begeistern können, denen Michel sein Leben lang treu geblieben ist. Viel Lob, verbunden mit grossem Dank, findet Hans Michel auch für seinen ersten Musiklehrer Isidor Reinhard aus Kerns.

Seit 1953 in der Engelberger Musik

Sein Flair für Blasmusik konnte Hans Michel auch im Militär unter Beweis stellen, absolvierte er doch die Rekrutenspiele als Militärtrompeter in Zürich unter der Leitung des bekannten Adju­tanten Fridolin Bünter. Später gehörte er dem Obwaldner Bataillonsspiel 47 an. In seinem zivilen Leben arbeitete Hans Michel als Bäcker-Konditor. Seine beruflichen Stationen führten ihn auch in andere Gegenden, wo er meist in der örtlichen Dorfmusik mitspielte, so in der Musikgesellschaft Villmergen (1951–1953), in der Musikgesellschaft Dietwil (1953), in der Musikgesellschaft Oberriet im Freiamt (1965–1973) und von 1953 bis heute in der Musikgesellschaft Engelberg.

Hans Michel war auch eine begehrte Aushilfe in den Musikkorps von Sachseln, Stansstad, Dallenwil, Beckenried, Emmetten, ebenso in der Studentenmusik Engelberg und in den Blaskapellen Kerns und Buochs. In Engelberg ist er «hängengeblieben», nachdem er eine Arbeitsstelle beim Elektrizitätswerk Obwalden als Freileitungsmonteur fand. So ist er dem Klosterdorf und seiner Musikgesellschaft bis heute treu geblieben.

Er liebt auch das Alphorn

Michels Herz schlug nicht nur für die Blasmusik, sondern auch für das Volkstümliche. So spielte er früher seinen Bass auch in verschiedenen volkstümlichen Formationen, unter anderem in den Kapellen Edelweiss und Bänklialp und begleitete auch den Buochser Trachtenverein auf seinen Ausflügen. Seine ganz grosse Liebe aber gehörte dem Alphornblasen, das er während über 40 Jahren betrieb, unter anderem im Alphorntrio Stans und im Alphornquartett Titlis.

Grosse Familie hält ihn auf Trab

Auch wenn Hans Michel musikalisch nicht mehr so aktiv ist wie früher, langweilig wird es ihm nie. Dafür sorgen seine Kinder und Grosskinder. Er ist in zweiter Ehe verheiratet mit seiner Frau Margrit. Beide haben je vier Kinder aus erster Ehe und beide je sieben Grosskinder. Voller Stolz erwähnt Hans Michel aber auch seine beiden Urgrosskinder im Alter von 1 und 3 Jahren.

Hans Michel als Bassist ganz links bei einem Marsch mit der Musikgesellschaft Engelberg 1961. (Bild: PD)

Hans Michel als Bassist ganz links bei einem Marsch mit der Musikgesellschaft Engelberg 1961. (Bild: PD)