Engelberg
Wunsch nach weniger Hürden, damit morgen nicht das Licht ausgeht

An der diesjährigen Academia Engelberg drehte sich alles ums Thema Energie – und um menschliche Verhaltensweisen.

Matthias Piazza
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Unter der Leitung von Daniel Brunner (von links) diskutierten Peter Kuhn, Energiekommission Engelberg; Martin Schwab, CEO CKW; Joe Christen, Nidwaldner Regierungsrat; Politikwissenschaftlerin Isabelle Stadelmann; Walter Steinmann, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Energie; und Wolfgang Kröger, Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften.

Unter der Leitung von Daniel Brunner (von links) diskutierten Peter Kuhn, Energiekommission Engelberg; Martin Schwab, CEO CKW; Joe Christen, Nidwaldner Regierungsrat; Politikwissenschaftlerin Isabelle Stadelmann; Walter Steinmann, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Energie; und Wolfgang Kröger, Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften.

Bild: Urs Hanhart (Engelberg, 20. Oktober 2022)

«Energie – geht uns morgen das Licht aus?» So lautete die provokative Überschrift der diesjährigen zweitägigen Engelberger Dialoge der Academia Engelberg, die am Donnerstag mit einem Diskussionsabend zu diesem aktuellen Thema ihren Abschluss fanden. Wenig überraschend konnte diese Frage nicht innert zwei Stunden eindeutig mit Ja oder Nein beantwortet werden, selbst von Experten nicht. «Ich glaube, es wird eng, aber wir werden durchkommen», meinte etwa Wolfgang Kröger (77), Leiter der Themenplattform «Autonome Mobilität» der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) und emeritierten Professor für Nuklearphysik und Risikoanalyse an der ETH Zürich. Für Resignation oder Panik gebe es keinen Grund. Energiesparen ohne grosse Komforteinbusse sei möglich. «Wenn wir zu Hause jede zweite Lampe ausschalten, bricht die Welt nicht zusammen», sagte er im Kursaal Engelberg vor rund hundert Zuhörenden.

Peter Kuhn, Präsident der Energiekommission Obwalden, erinnerte daran, dass Engelberg schon einmal eine Stromkrise erlebte und bewältigte. Beim Hochwasser 2005 war Engelberg während Tagen ohne Strom und zudem von der Aussenwelt abgeschnitten. «Das Kloster, das eine eigene Stromversorgung hatte, buk für die Bevölkerung.» Doch ohne akuten Druck sei eine Verhaltensänderung schwer durchzusetzen, lautete seine Einschätzung, in Bezug auf die Energiesparappelle der Behörden. «Der Schweizer lässt sich nicht von oben nach unten etwas aufdiktieren.» Diese Einschätzung teilte auch ein Engelberger Zuhörer, der das damalige Hochwasser in ähnlicher Erinnerung behielt. Sein Fazit: Erst, wenn die Krise unmittelbar vor der eigenen Haustüre sei, reagiere man sehr schnell.

Dieses verhaltenspsychologische Phänomen bestätigte Diskussionsteilnehmerin Isabelle Stadelmann. Sie ist Professorin für Vergleichende Politik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern. Ihre Forschungsinteressen liegen unter anderem in den Bereichen der öffentlichen Politik (vor allem Wohlfahrtsstaatspolitik und Energiepolitik), der direkten Demokratie sowie der politischen Verhaltensforschung. Die eigene Betroffenheit spiele eine grosse Rolle. «Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn sein Beitrag nicht einen für ihn direkt erkennbaren Nutzen hat, ist es schwierig sein Verhalten zu ändern.»

Appell zum Verlassen der Komfortzone

Der Nidwaldner Regierungsrat Joe Christen, der der Landwirtschafts- und Umweltdirektion vorsteht, sprach von einer gewissen Komfortzone, in der wir uns befunden haben und wir nun verlassen müssten. «Denn die Versorgungssicherheit, wie wir sie bis vor Kurzem kannten, gibt's nicht mehr.» Auch glaube er, dass man eine Krise nicht basisdemokratisch regeln könne.

Ein weiteres Problem ortete die Diskussionsrunde bei der eigentlichen Umsetzung. «Im Kanton Nidwalden wäre genug Potenzial für erneuerbare Energien vorhanden, aber man darf es nicht voll ausschöpfen, wegen verschiedener Hürden, auch rechtlicher Natur», hielt Joe Christen fest. Ein Lied davon kann auch Martin Schwab, CEO der Centralschweizerischen Kraftwerken AG (CKW) singen. Er erwähnte das Kraftwerk Waldemme in Flühli. Von den ersten Plänen bis zum Spatenstich habe es über 17 Jahre gedauert. Auch der Fachkräftemangel sei ein Problem. Zurzeit baue die CKW täglich etwa zwei Solaranlagen. Die Nachfrage sei aber um ein Vielfaches höher.