Obwalden
«Erster grosser Meilenstein» auf dem Weg zum Begegnungszentrum

Die Versammlung der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Obwalden genehmigte den Planungskredit für ihr Bauvorhaben gegen das nachdrückliche Votum von Peter Zwicky.

Marion Wannemacher
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Die Freude ist gross bei der frisch gewählten Baukommission fürs geplante Begegnungszentrum. Von links: Roger Furger, Ruth Schwab, Doris Fanger, Jürg Rothenbühler. Auf dem Bild fehlt Ursula Vogel.

Die Freude ist gross bei der frisch gewählten Baukommission fürs geplante Begegnungszentrum. Von links: Roger Furger, Ruth Schwab, Doris Fanger, Jürg Rothenbühler. Auf dem Bild fehlt Ursula Vogel.

Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 4. Juli 2022)

Er sei erleichtert und froh, schildert der stellvertretende Kirchgemeindepräsident Jürg Rothenbühler seine Stimmung nach der Kirchgemeindeversammlung. Diese hat sich am Montagabend mit 45 Stimmen deutlich hinter den Kirchgemeinderat gestellt und mit nur zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung den Planungskredit über 985'000 Franken für das Begegnungszentrum genehmigt. Damit folgte sie nicht der Empfehlung von Peter Zwicky, den Planungskredit abzulehnen. «Mit der Verabschiedung des Planungskredits haben wir jetzt den ersten grossen Meilenstein geschafft», freute sich Rothenbühler, der das Projekt leitet. Rothenbühler ist Architekt und Geschäftsführer einer Sarner Baufirma.

Forderung nach Marschhalt zum Nachdenken

Bereits mehrfach, darunter in einem im «Chiläbrief» veröffentlichten Leserbrief, hatte Zwicky ausgeführt, welche Bedenken er gegen das Begegnungszentrum hat. Auch an der Kirchgemeindeversammlung ergriff er das Wort, um seine Position mit Nachdruck darzustellen. Peter Zwicky bezog sich vor allem auf den Kirchenraum, der modular erweiterbar sein und bis zu 350 Sitzplätze bieten soll. Normale Gottesdienste seien von 30 bis 40 Teilnehmern besucht, an Feiertagen von 150 bis 200, argumentierte Zwicky. Er richte sich nicht gegen das Zentrum an sich, sondern fordere Marschhalt zum Nachdenken. Er plädierte für den Erhalt des Kirchenraums und einen Zusatzbau für weitere Bedürfnisse. Der Kirchgemeinderat und einzelne Kirchgemeindemitglieder argumentierten mit mehr Möglichkeiten für eine wachsende Gemeinde durch den Neubau.

Ausserdem genehmigte die Kirchgemeindeversammlung die Einsetzung der Baukommission mit operativer Gesamtverantwortung für das 12 Millionen Franken teure Projekt, das vom Zürcher Architektenteam Niedermann Sigg Schwendener Architekten AG gebaut werden soll. Die Baukommission besteht aus Jürg Rothenbühler, Ursula Vogel, Ruth Schwab, Doris Fanger und Roger Furger. In der erweiterten Baukommission, die die Bedürfnisse der Nutzer eruieren und präzisieren soll, sind Michael Candrian, Ruth Kasper, Madeleine Hedinger und Sozialdiakon Ruedi Schmid vertreten.

Rothenbühler stellte den weiteren Zeitplan für das Bauvorhaben vor. Bis August soll die Fachplanerausschreibung erfolgen, bis Oktober die Nutzerbedürfnisse und das Betriebskonzept erarbeitet werden. In einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung Mitte September 2023 stimmt diese über den Baukredit ab. Nach dessen Genehmigung wird das Baugesuch eingereicht und bis Frühling 2024 vorliegen. Danach startet das Baubewilligungsverfahren. Im Sommer 2024 ist dann Baubeginn, im Sommer 2026 der Bezug des Neubaus.

Die Kirchgemeindeversammlung drückte ihrem Präsidenten, Hansueli Kessler sowie seinem Stellvertreter Rothenbühler, durch einstimmige Wiederwahl ihr Vertrauen aus. Ausserdem genehmigte sie die Jahresrechnung. Fritz Hostetmann präsentierte diese bei einem Ertrag von 2,3 Millionen Franken mit einem kleinen Minus über 8000 Franken als nahezu ausgeglichen.

Von Begegnungscafé bis Movie Church

Wie Kirchgemeinderätin Irene Glanzmann in ihrem Jahresbericht erläuterte, konnte die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Obwalden im vergangenen Jahr 96'000 Franken an wohltätige, christliche Institutionen und ausgewählte Projekte vergeben und dank des positiven Abschlusses konnten in diesem Jahr zusätzliche 88'0000 Franken vergeben werden. Unter anderem unterstützte sie eine NGO in Polen, die sich für ukrainische Flüchtlinge engagiert und das evangelische Hilfswerk Heks.

Auch sonst tut sich einiges: Erika Amstutz, zuständig für das Ressort Diakonie, berichtete vom Café International für Flüchtlinge aus der Ukraine und aus anderen Ländern. Pfarrer Michael Candrian stellte ein neues Gottesdienstformat vor, die «Movie Church». Diese werde sehr gut angenommen und biete den Jugendlichen zusätzlich zum Spielfilm Gebet, Segen und Musik.