Experiment
Eine Woche ohne Bildschirmzeit: 152 Obwaldner Kinder und Erwachsene machten «Flimmerpause»

Eine Woche möglichst kein oder wenig Fernsehen, PC oder Smartphone. Ganze Familien und Schulklassen liessen sich auf das Experiment ein – so auch eine Giswiler Klasse.

Matthias Piazza
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«Für uns war die Flimmerpause ein Experiment, auf das sich die Klasse gut eingelassen hat», blickt Madeleine Gisler, Lehrerin an der Schule Giswil, auf die spezielle Woche zurück. Man habe als Klasse darüber gesprochen, wie gut man sich an den Verzicht auf digitale Medien halten konnte und in welchen Situationen es besonders schwerfiel.

«Als Zückerli für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die mitmachen wollten, haben wir in dieser Woche auf die Hausaufgaben verzichtet»

, sagt Madeleine Gisler. Im nächsten Jahr werde sie mit ihrer Klasse wieder an der Flimmerpause teilnehmen.

Eine Woche lang stand der bewusste Umgang mit Bildschirmmedien im Fokus.

Eine Woche lang stand der bewusste Umgang mit Bildschirmmedien im Fokus.

Bild: PD

152 Obwaldner Kinder und Erwachsene nahmen in diesem Jahr an der Flimmerpause teil. «Das ist eine gute Teilnehmerzahl in Zeiten von Homeoffice, in denen moderne Medien eine noch wichtigere Rolle im Alltag spielen», sagt Kathinka Duss, Fachperson Gesundheitsförderung und Prävention beim Kanton Obwalden. Das zeige, dass eine solche Kampagne in Zeiten von immer mehr digitalen Medien gefragt sei.

Das Experiment eigne sich eben auch in dieser speziellen Zeit. «Die Klassen und Familien legen selber fest, wie sie die Flimmerpause gestalten. Das muss nicht unbedingt heissen, dass die Benutzung von Computern, Tablets, Smartphones und Fernsehen tabu ist», hält sie fest. «Es geht darum, einen bewussteren Umgang mit den modernen Medien zu erlernen und etwa die Nutzungsdauer auf ein vernünftiges Mass zu beschränken. Beispielsweise können die Schüler in der Klasse vereinbaren, dass sie nach dem Unterricht mit Tablets nicht fernsehen oder gamen, sondern ein Buch lesen.»

Bewusster Umgang statt Verbot

Sie spricht von einer erfolgreichen Kampagne, auch wenn viele Kinder es im ersten Moment doof fänden. «Am Schluss fanden sie es cool, wenn sie beispielsweise mit der Familie oder Freunden ein physisches Brettspiel spielten oder gemeinsam den Vita Parcours besuchten», so Kathinka Duss.

«Es geht auch nicht um ein Verbot solcher Medien, sondern um die Stärkung der Kompetenz, damit umzugehen.»

Trotz der Kürze der Kampagne ist sie von einem nachhaltigen Effekt überzeugt. Vor allem bei regelmässiger Teilnahme. Klassen können jährlich an der Flimmerpause teilnehmen. Die nächste findet vom 6. bis 12. Juni nächsten Jahres statt, wobei die Klassen ihre Flimmerpause auch zu einem anderen Zeitpunkt durchführen können.

Künftig will man in Obwalden auch Bibliotheken und Ludotheken mit ins Boot holen, die während der Flimmerpausen-Woche spezielle Aktionen wie etwa eine Lesenacht veranstalten.

Hinter der Idee, mit einem begrenzten Verzicht auf Medienkonsum ein verantwortungsbewusstes Verhalten im Umgang mit digitalen Medien zu fördern, steht Akzent Prävention und Suchttherapie Luzern. Seit der Lancierung 2006 liessen sich bereits 34'000 Kinder und Erwachsene aus der Innerschweiz auf das Experiment ein. Die Kampagne richtet sich vor allem an Familien mit Primarschülern und Primarklassen.