Giswil
Sorgenfalten am «Dr Heimä»-Fest: Leere Betten fordern den Stiftungsrat

An einem Fest nach Giswiler Art zeigt sich das Alters- und Pflegeheim «Dr Heimä» von seiner besten Seite. Doch auch Sorgen werden sichtbar.

Primus Camenzind
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Stiftungsratspräsident Albert Sigrist und Geschäftsführer Daniel Kiefer lassen sich die Stimmung nicht verderben.

Stiftungsratspräsident Albert Sigrist und Geschäftsführer Daniel Kiefer lassen sich die Stimmung nicht verderben.

Bild: Primus Camenzind (Giswil, 3. September 2022)

Sonnenglanz am Himmel, die Pfarrkirche Rudenz und der Giswilerstock im Hintergrund. Die Szenerie hätte besser nicht sein können, als im «Dr Heimä» Tore und Türen an der Aariedstrasse für die Bevölkerungen offen standen. Als «ein Fest nach Giswiler Art» bezeichnete Stiftungsrat Albert Sigrist die Veranstaltung im Gespräch mit dieser Zeitung.

In der Tat, fein duftende Käseschnitten, Bratwürste und Cremeschnitten, dazu Cheli, allerhand Flüssiges und lüpfige Tänze einer Schwyzerörgeli Formation – all dies im Freien vor dem Portal zum Altersheim. Das war es, was Sigrist als «Giswiler Art» bezeichnete.

Zurzeit einige Zimmer frei

Es war nicht ausschliesslich die Lust am Feiern, was zur Organisation dieser sympathischen Veranstaltung führte. Was ebenso hinter der Idee «Dr Heimä-Fäscht» stand, erklärt «Bärti» Sigrist abseits des fröhlichen Treibens im Innern der Institution. «Wir haben vor zwei Jahren die Wohnungen umgebaut. Mit Corona verzögerte sich dann der Ablauf um einiges. Zurzeit haben wir zahlreiche leere Zimmer und deshalb wollen wir unsere Institution in der Öffentlichkeit zeigen. Also wählten wir die Form eines Festes mit der Möglichkeit, das Haus mit den neu renovierten Appartements zu besichtigen.»

Die Frage, ob leere Zimmer etwas mit einem Imageproblem – entstanden durch die Vorkommnisse während der Pandemie (wir berichteten) – zu tun haben, verneinte der Geschäftsführer, Daniel Kiefer. «Grundsätzlich ist die Belegung von Pflegezimmern im Kanton und in der gesamten Schweiz rückläufig, denn das Eintrittsalter in Alters- und Pflegeheime ist zunehmend. Ältere Menschen leben vielfach länger zu Hause. Viele werden uns als Notfälle aus den Spitälern zugewiesen», erklärt er. Bisher seien 40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner aus anderen Obwaldner Gemeinden gekommen. «Diese Zahl ist merklich gesunken», sagt Kiefer.

In einem geräumigen und funktionell eingerichteten Pflegezimmer der Abteilung «Aaried» lebt Helen Degelo. Sie bewohnt nach eigener Darstellung «äs sunnigs Plätzli». Dass sich die 97-Jährige wohlfühlt, ist offensichtlich. Wir verlassen das Zimmer und der «Blumenkurier» tritt ein. Helen Degelo sieht nämlich ihrem Geburtstagsfest entgegen. Im Bereich «Begleitetes Wohnen» ist von den insgesamt 10 Appartements lediglich noch eines unbelegt. Es handelt sich um 2,5-Zimmer-Einheiten, die alle mit beachtlichem Komfort eingerichtet sind.

Helen Degelo (97) mit dem Geschäftsleiter Daniel Kiefer.

Helen Degelo (97) mit dem Geschäftsleiter Daniel Kiefer.

Bild: Primus Camenzind (Giswil, 3. September 2022)

Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Nach der Besichtigung der Zimmer setzen wir uns im Freien nochmals mit dem Stiftungsratspräsidenten und dem Geschäftsführer zusammen. Zum Thema Finanzen weist Sigrist auf einen Beitrag im «Info 2/2022» der Gemeinde Giswil hin. «Allerdings hat das ‹Dr Heimä› die tiefste Anzahl der belegten Betten», lässt das Informationsorgan im Vergleich mit den übrigen Obwaldner Gemeinden verlauten. Bärti Sigrist macht kein Geheimnis daraus, dass sich diesbezüglich etwas ändern muss, «denn sonst steht unsere Stiftung im kommenden Winter vor echten finanziellen Problemen».

Daniel Kiefer bezeichnet die aktuelle Situation im Giswiler Infoblatt als «schwierigen Umstand». Pflege und Betreuung auf dem notwendigen Standard würden entsprechende Personalkosten nach sich ziehen und fixe Kosten liessen sich kaum reduzieren. «Bis heute gelingt es uns jedoch, die Qualität der Pflege und Betreuung im gewohnten Masse hochzuhalten», gibt der Geschäftsführer weiter zu verstehen.

Zuversicht und vier Meter Cremeschnitten

Stiftungsratspräsident Albert Sigrist verteilt Cremeschnitten.

Stiftungsratspräsident Albert Sigrist verteilt Cremeschnitten.

Bild: Primus Camenzind (Giswil, 3. September 2022)

Die beiden Führungspersonen und ihr Team lassen es sich trotz allem nicht nehmen, die Bevölkerung am «Dr Heimä-Fäscht» gratis zu bewirten. Sie strahlen Zuversicht und gute Laune aus und packen überall dort an, wo Hilfe benötigt wird. So liebte es Albert Sigrist ganz besonders, an diesem Samstag insgesamt vier Laufmeter Cremeschnitten unters Volk zu bringen.