Giswil
Viehauktion im Wandel

An der 31. Obwaldner Zucht- und Nutzviehauktion wurden vermehrt Mutterkuhtiere verkauft. Dies hat einen Grund.

Richard Greuter
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Am Freitag fand in Giswil bei idealen Witterungsbedingungen die 31. Zucht- und Nutzviehauktion des Obwaldner Braunviehverbandes statt. Ein relativ früher Zeitpunkt, wo noch zahlreiche Kühe und Rinder auf Alpweiden sömmern. Für die Auktion habe dies keinen Nachteil, berichtete Heidi Rohrer, Sekretärin des Obwaldner Braunviehverbands. «Die Bauern holen sie einfach früher von der Alp.» Laut Verbandspräsident Walter Windlin liegen die Preise bei frühzeitigen Auktionen eher höher als bei Auktionen, die auf die Wintermonate fallen.

Von den 33 aufgeführten Kühen und Rindern – etwas weniger als im vergangenen Jahr – wurden 31 verkauft. Nur zwei Tiere blieben unverkauft zurück, weil die Verkäufer andere Preisvorstellungen hatten. Zum Verkauf kam auch ein Kalb. Gantrufer Bruno Furrer setzte alles daran, die Auktion mit flotten Sprüchen in Gang zu bringen. Dies gelang ihm auch: Bereits das dritte Tier, welches unter den Hammer kam, ein junges Rind namens Tina, erzielte einen stolzen Preis von 3900 Franken.

Mutterkühe erzielen höhere Preise als Milchkühe

Was allerdings auffiel: Die Hälfte der aufgeführten Kühe und Rinder waren Mutterkühe. Ein Trend, der sich seit einigen Jahren verstärkt. «Die Mutterkühe sind alle von Obwaldner Milchproduzenten», sagte Verbandspräsident Walter Windlin gegenüber unserer Zeitung. Dass Milchproduzenten neben Milchkühen vermehrt auch Mutterkühe züchten, liegt an deren Verkaufspreis. Der Verkaufserlös von Milchkühen (Zuchttieren) richtet sich streng nach der Qualität und liegt zwischen 2550 und 4150 Franken. Windlin spricht von mittlerer Qualität mit einigen Spitzentieren. Den höchsten Preis erzielte Josef Furrer aus Lungern mit der fast vierjährigen Kuh Lena.

Ein Kalb, das weiss, was es will. Landwirt Beat Burch (links) und Daniel Enz führten die rund zweijährige Mutterkuh Sina mit ihrem Kalb vor.

Ein Kalb, das weiss, was es will. Landwirt Beat Burch (links) und Daniel Enz führten die rund zweijährige Mutterkuh Sina mit ihrem Kalb vor.

Bild: Richard Greuter (Giswil, 2. September 2022)

Bei den Mutterkühen (Nutztieren) liegt die Preisspanne in einem ähnlichen Bereich. Aber die Anzahl Tiere, welche die Preismarke von 3500 Franken überschritten, ist bei Mutterkühen deutlich höher als bei Milchkühen und liegt im Durchschnitt um etwa 250 Franken höher.

Gute Schlachtpreise trocknen den Markt aus

Doch die rückläufige Anzahl Milchkühe hat noch einen weiteren Grund. Bereits vor einem Jahr erwähnte Gantrufer Bruno Furrer die guten Schlachtviehpreise, die sich bis heute halten konnten. Dadurch gelangen weniger Tiere an die Auktionen. «Der Markt ist ausgetrocknet», sagte Furrer vor einem Jahr. Für Verbandspräsident Walter Windlin ist das ein Wermutstropfen: «Wir hätten lieber vermehrt Braunvieh für die Milchproduktion.» Trotzdem ist es eine Win-win-Lösung. Die Züchter verdienen mit der Aufzucht von Mutterkühen etwas mehr und auch der Betrag, der in die Verbandskasse fliesst, ist etwas höher. Laut Windlin ist die Anzahl Milchwirtschaftsbetriebe in Obwalden seit Jahren stabil. Umstellungen auf Aufzucht und Mutterkuhhaltung fanden in den vergangenen Jahren kaum mehr statt. Zum Schluss wurde wie alle Jahre ein von der Landi gesponsertes Kalb verlost. Josef Berchtold aus Giswil war der Gewinner.