Kanton Obwalden
Regierung teilt beim Thema Hausärzte die Sorgen aus dem Parlament

In der Antwort auf eine Interpellation zeigt der Regierungsrat auf, mit welchen Massnahmen er der zunehmend kritischen Versorgung mit Hausarztmedizin entgegenwirken will.

Martin Uebelhart
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Helen Keiser-Fürrer (CSP, Sarnen) und zahlreiche Mitunterzeichnende stellen in einer Interpellation Fragen zur hausärztlichen Versorgungslage im Kanton Obwalden. So wollen sie unter anderem wissen, wie der Regierungsrat die Versorgungslage der Obwaldner Bevölkerung mit Hausärztinnen, Hausärzten, Kinderärztinnen und Kinderärzten beurteile.

Die Hausarztdichte in Obwalden nimmt ab.

Die Hausarztdichte in Obwalden nimmt ab.

Symbolbild: Christian Beutler / Keystone

Diese beurteile er als zunehmend kritisch, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf den parlamentarischen Vorstoss. Damit teile er grundsätzlich die Sorgen der Interpellanten. Es sei zudem festzustellen, dass sowohl die hausärztliche als auch die kinderärztliche Versorgung nicht nur eine zentralschweizerische, sondern auch eine gesamtschweizerische Herausforderung darstellt. Während noch vor wenigen Jahren in den meisten Fällen eine Praxis an einen Nachfolger übergeben werden konnte, ist es in den letzten Jahren für die Hausärztinnen und Hausärzte im Kanton Obwalden zunehmend schwierig geworden, eine Nachfolge für ihre Praxis zu finden. In einzelnen Fällen ist dies nach mehreren Anläufen geglückt, im vergangenen Jahr sei für eine Praxis keine Nachfolge gefunden worden. Nicht alle Patientinnen und Patienten konnten ohne Schwierigkeiten in eine andere Hausarztpraxis im Kanton Obwalden wechseln. Die Nachfrage nach medizinischen, pflegerischen und betreuerischen Leistungen werde auch weiter steigen. Diese Trends zeigten deutlich, dass es wichtig ist, die Gesundheitsförderung und Prävention im Rahmen der Gesundheitsstrategie Obwalden zu stärken, insbesondere mit dem Fokus «Alter».

Ärztinnen und Ärzte erreichen Pensionsalter

Im Kanton Obwalden seien aktuell 34 Hausärztinnen und Hausärzte gemeldet – bei einer Bevölkerungszahl von 38’426 (Ende 2021), schreibt der Regierungsrat auf eine entsprechende Frage. Dies ergebe eine Ärztedichte von einer Ärztin respektive einem Arzt für 1130 Personen. Im Jahr 2013 habe dieser Wert bei 840 Personen gelegen. In den nächsten zehn Jahren oder früher erreichen 14 Hausärztinnen oder Hausärzte das Pensionsalter. Die Hälfte davon werde in den Jahren 2030 bis 2032 ordentlich pensioniert.

Die Interpellanten wollten weiter wissen, was der Regierungsrat unternehme, um die flächendeckende hausärztliche und kinderärztliche Versorgung künftig zu sichern.

Bisherige Massnahmen hätten nicht zu einer genügend hohen Standortattraktivität für Hausärztinnen und Hausärzte geführt, hält der Regierungsrat fest. Um die Situation zu verbessern, würden auf verschiedenen Ebenen weitere Massnahmen geprüft oder umgesetzt. In seiner Antwort erwähnt er etwa die ärztliche Praxisassistenz, ein Programm der Zentralschweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz (ZDGK), oder die Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung.

Blick in andere Kantone richten

Im Rahmen der Versorgungsstrategie im Akutbereich werde im Herbst 2022 neu eine Strategie zur Hausarztversorgung als separates Projekt aufgenommen. Dabei müssten auch Massnahmen von anderen Kantonen, insbesondere dem Kanton Uri, geprüft werden. Die Regierung erwähnt die Einführung von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten zur Unterstützung von Hausärztinnen und Hausärzten sowie den Aufbau eines Netzwerkes für Obwaldner Medizinstudierende.

Aufgrund der Entwicklung der hausärztlichen Versorgung in Obwalden prüft das Kantonsspital Obwalden, ob eine Hausarztpraxis im Kantonsspital eingerichtet werden kann. Bis im Frühjahr 2023 ist eine Studie geplant, welche die notwendigen Informationen (Personalbedarf, Investitionsbedarf, Verhältnis und Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten) dafür liefern soll. Bereits seit 2009 betreiben die Hausärztinnen und Hausärzte und das Kantonsspital Obwalden an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 20 Uhr gemeinsam die Notfallpraxis (hausärztlicher Notfalldienst), die sich bewährt habe.

Helen Keiser-Fürrer, Kantonsrätin CSP, Sarnen.

Helen Keiser-Fürrer, Kantonsrätin CSP, Sarnen.

Bild: PD

Erstunterzeichnerin Helen Keiser begrüsst, dass die Regierung auf das Anliegen eingehe. «Der Regierungsrat hat den Handlungsbedarf erkannt», sagt sie auf Anfrage. Gut finde sie, dass man die verschiedenen Optionen anschaue und genau prüfe und sich im Moment alles offenlasse. «Insbesondere der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen dem Spital und den Hausärztinnen und Hausärzten, beispielsweise mit der Schaffung einer durchgehend besetzten Hausarztpraxis am Spital, tönt vielversprechend», hält sie fest.