Kantonsrat
Blackout: Ist Obwalden genügend vorbereitet für eine Strommangellage?

Die wirtschaftlichen Folgen eines längeren Stromausfalls seien schlimmer als die Pandemie, sind Fachleute überzeugt. Die Regierung musste nun Antworten liefern, wie sie einem solchen Ereignis begegnen will.

Philipp Unterschütz
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Die Obwaldner Regierung stuft die Gefahr eines Strommangels in Obwalden als gross ein.

Die Obwaldner Regierung stuft die Gefahr eines Strommangels in Obwalden als gross ein.

Bild: Robert Hess (21. März 2011)

Strommangel – das bedrohliche Szenario wird immer öfter thematisiert. Laut Fachleuten nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts zu, der unsere Gesellschaft praktisch zum Stillstand bringen würde. Im Januar 2021 schrammte Europa und damit auch die Schweiz nur knapp an einem totalen Stromausfall vorbei. Dieser Vorfall war der Auslöser für eine Interpellation zu Risiken von Strommangellagen und Netzausfällen in Obwalden, die Hubert Schumacher (SVP, Sarnen) und zwölf Mitunterzeichnende im September im Kantonsrat einreichten.

Wie Schumacher darin festhielt, stellte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in seinem aktualisierten Risikobericht 2020 eine langandauernde Strommangellage während den Wintermonaten als das wirtschaftlich grösste Risiko für die Schweiz dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Ereignis eintrete, werde als hoch eingeschätzt. Die Folgen würden wirtschaftlich vermutlich grösseren Schaden als die aktuelle Covid-Pandemie anrichten.

Keine rechtlichen Verpflichtungen für ausländische Stromlieferungen

Im Kanton Obwalden ist dem Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) mit ganz wenigen Ausnahmen das gesamte Kantonsgebiet als Netzgebiet zugeteilt worden, erklärt die Regierung in ihrer Antwort. Zum öffentlichen Auftrag des EWO gehört unter anderem die sichere Versorgung mit elektrischer Energie. Bei einer Strommangellage greift der Bund ein. Er würde die Bevölkerung und die Wirtschaft in einem ersten Schritt mittels Sparappellen aufrufen, den Stromverbrauch freiwillig zu reduzieren. Reicht dies nicht aus, könnte es Verbote oder Einschränkungen von elektrischen Anwendungen geben, Kontingentierung von Grossverbrauchern oder gar Netzabschaltungen.

Die Regierung teilt die Einschätzung des Bundes, dass eine länger andauernde Strommangellage während des Winters erhebliche Folgen für die Gesellschaft und die Wirtschaft hätte. Und sie weist auf den erschwerenden Faktor hin, dass es ohne Stromabkommen mit der EU für die Nachbarländer keinerlei rechtliche Verpflichtung gibt, Exportkapazitäten in Richtung Schweiz sicherzustellen. Die Versorgungssicherheit müsste daher ohne Stromabkommen gewährleistet werden können.

Das Risiko eines Strommangels in Obwalden stuft die Regierung zwar als gross ein. Aber sie betont auch, dass eine Strommangellage kein lokales Problem sei, sondern eine europäische Herausforderung darstelle, weshalb der Einfluss des Kantons gering sei. Es seien nur beschränkt Massnahmen und Vorbereitungen für die Sicherstellung der Grundversorgung auf Stufe Kanton möglich.

Gezieltere Sensibilisierung

Dem kantonalen Führungsstab (KFS) sei das Risiko bekannt und ein solches Ereignis sei auch schon mit dem EWO, Gemeindeführungsorganisationen oder Blaulichtorganisationen thematisiert und geübt worden. Das EWO habe Vorkehrungen und Vorbereitungen getroffen, um die Auswirkungen zu mindern und zudem Abschaltpläne erstellt, damit eine zeitlich gestaffelte Zuteilung der Stromversorgung bei einer massiven Strommangellage vorgenommen werden könne. «Dieses Instrument würde als letzte Massnahme eingesetzt, da es erhebliche Konsequenzen für die Gesellschaft und die Wirtschaft mit sich bringt.» Das EWO werde im Herbst die Grossverbraucher direkt anschreiben und insbesondere über die Kontingentierung informieren.

«Es besteht aus kantonaler Sicht Handlungsbedarf hauptsächlich für die Erarbeitung eines Risikomanagements. Zudem kann die Sensibilisierung der Wirtschaft und Gesellschaft noch gezielter angegangen werden», kommt die Regierung zusammenfassend zum Schluss. Der Einsatz des KFS in der Pandemie habe gezeigt, dass der Stab in der Lage sei, seine Aufgaben zu erfüllen.

Regierung unterschätzt das Problem

Hubert Schuhmacher bezeichnet die Antworten der Regierung zwar als aussagekräftig, zufrieden ist er mit der Situation aber nicht. «Mir scheint, man ist zu wenig vorbereitet und ist sich der Tragweite eines Strommangels nicht völlig bewusst.» Man müsse ein Szenario haben, das komplett durchgespielt worden sei. In der Inventarisierung und Beurteilung müsse man viel mehr in die Tiefe gehen. Dabei müsse es nicht nur um die Blaulichtorganisationen gehen, sondern verstärkt um die systemrelevanten Unternehmen in Obwalden. «Wichtig war mir, mit der Interpellation für das Thema zu sensibilisieren. Es gibt viele KMU, die sich darüber noch nie gross Gedanken gemacht haben.» In einem nächsten Schritt werde er möglicherweise versuchen, mit einer Motion die Regierung zu beauftragen, einen detaillierten Bericht mit einer genaueren Planung zu erstellen.