Kerns
Perfekte Fleischverarbeitung in Sichtweite: Der Spatenstich des Fleischhuis ist erfolgt

Bis zur Eröffnung dauert es zwar noch etwas, aber dem neuen Obwaldner Schlachthaus steht nichts mehr im Wege. Kostenpunkt: Neun Millionen Franken.

Robert Hess
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Der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler in der Führerkabine, vorne in der Bildmitte mit Bart VR-Präsident André Windlin. Ganz links Marco Gut, der neue Kantonstierarzt der Urkantone.

Der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler in der Führerkabine, vorne in der Bildmitte mit Bart VR-Präsident André Windlin. Ganz links Marco Gut, der neue Kantonstierarzt der Urkantone.

Bild: Robert Hess (Kerns, 17. August 2022)

In rund eineinhalb Jahren soll an der Kernser Industriestrasse 12 das neue Gewerbegebäude Fleischhuis eröffnet werden. Es wird das Schlachthaus Ei in Sarnen ersetzen, das in seinen Strukturen und Einrichtungen überaltert ist und an die Kapazitätsgrenzen stösst. Am Mittwoch ist nun der Spatenstich erfolgt. «Nachdem wir viele und teilweise unerwartete Hürden zu überwinden hatten, dürfen wir heute mit dem Spatenstich für das neue Fleischhuis ein freudiges Ereignis feiern. Keine Probleme habe es bei der Baubewilligung gegeben», erklärte Verwaltungsratspräsident André Windlin anlässlich des Baubeginns.

«Der Zweck der Genossenschaft Fleischhuis», so Windlin weiter, «ist seit der Gründung 1996 bis heute der gleiche geblieben. Unser Kerngeschäft ist schlachten, zerlegen und verarbeiten als Dienstleistung für die bäuerlichen Familienbetriebe und inzwischen auch für gewerbliche Metzgereien.» Für viele Landwirte sei das Schlachthaus im Zusammenhang mit der Direktvermarktung von grosser Bedeutung.

Im neuen Schlachthaus gibt es gar zwei Wohnungen

Laut Baukommissionspräsident Daniel Blättler besteht der Neubau aus einer Schlachthalle im Erdgeschoss. Büros, Aufenthaltsräume und ein Gewerberaum befinden sich im ersten Obergeschoss. Im Dachgeschoss werden zwei Wohnungen realisiert. Für die Planung zeichnet das Büro Planteams AG, Kägiswil, verantwortlich.

Das neue Gebäude mit modernsten Einrichtungen erlaubt eine perfekte und hygienisch einwandfreie Fleischverarbeitung von der Schlachtung bis zur Auslieferung oder Abgabe an die Kundschaft, ging aus den Ausführungen des Baukommissionspräsidenten hervor. Dazu gehören perfekte Kühlmöglichkeiten oder Vakuumierungsgeräte. Selbst für die Jägerschaft stehen Räume und Einrichtungen zur Verfügung. Die neuen Kühlanlagen erlauben auch, die Schlachtung von bis zu drei Tagen in der Woche zu verteilen, so VR-Präsident André Windlin. Die Zahl der Schlachtungen soll sich im bisherigen Rahmen von rund 4000 bewegen. Beschäftigt werden die Mitarbeitenden in sechs Vollzeit- und sieben Teilzeitstellen.

Derzeit gehen die Verantwortlichen von einer Bauzeit von eineinhalb Jahren aus. Aber: Verzögerte Materiallieferungen im technischen Bereich könnten die Bauzeit allenfalls etwas verlängern.

Projekt kostet neun Millionen Franken

Das bisherige Areal hatte die 1996 gegründete Genossenschaft Schlachthaus Ei von der Gemeinde das Schlachtlokal an der Jordanstrasse 16 gemietet mit dem Ziel, einen Schlacht- und Fleisch-Verarbeitungsbetrieb für die Selbstversorgung der bäuerlichen Haushalte und für die Direktvermarktung der landwirtschaftlichen Fleischprodukte zu ermöglichen. Die bäuerliche Kundschaft wuchs, 2011 zählte die Genossenschaft bereits 300 Mitglieder. Heute besteht diese Genossenschaft aus rund 400 Mitgliedern. Geschlachtet wurden 2021/2022 im noch einzigen Schlachthaus im Kanton Obwalden von der Landwirtschaft und den Metzgereien insgesamt 3845 Tiere.

Der Standort Sarnen erwies sich für eine Vergrösserung als nicht geeignet, sodass sich die Genossenschaft 2014 für einen neuen Standort entschied. 2019 wurde die Genossenschaft fündig und entschied sich für eine Bauparzelle in der Industriezone Sand in Kerns. Die Kosten für den Neubau wurden mit 7,54 Millionen Franken projektiert, 2020 stimmten die Genossenschafterinnen und Genossenschafter dem Kredit für einen Neubau zu und beschlossen gleichzeitig die Namensänderung in Genossenschaft Fleischhuis sowie die Gründung einer Tochtergesellschaft Fleischhuis Obwalden AG.