KERNS: «Personalwechsel brachten Unruhe»

Neue Gondelbahn, personelle Wechsel: Die Korporation Kerns hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Korporationspräsident Niklaus Ettlin zieht Lehren daraus.

Matthias Piazza
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Niklaus Ettlin, Präsident der Korporation Kerns (Bild: Pius Amrein / Neue OZ)

Niklaus Ettlin, Präsident der Korporation Kerns (Bild: Pius Amrein / Neue OZ)

Einen Jahresgewinn von 1,13 Millionen Franken hat die Korporation Kerns im Jahr 2012 erwirtschaftet – so viel wie noch nie. Geprägt war das vergangene Jahr auch vom Bau der neuen Gondelbahn auf die Frutt, welche plangemäss am 15. Dezember des vergangenen Jahres ihren Betrieb aufnehmen konnte. Im Interview erklärt Korporationspräsident Niklaus Ettlin, warum die Korporation trotzdem nicht nur Grund zum Jubeln hat.

Seit Sie 2006 die konsolidierte Erfolgsrechnung führen, hatten sie noch nie einen so hohen Jahresgewinn wie 2012. Auch das Betriebsergebnis ist so gut wie noch nie seit 2006. Trotzdem sprachen Sie an der Korporationsversammlung am 14. Mai von Schwierigkeiten. Welche Schwierigkeiten meinen Sie?

Niklaus Ettlin: Vor allem Personalwechsel brachten eine gewisse Unruhe in die Organisation. Viele Kaderstellen mussten wir neu besetzen, Wechsel gabs auch turnusgemäss in der Kommission und im Korporationsrat. Wissen und Erfahrung gingen so natürlich verloren.

Haben diese Wechsel auch mit dem Abgang des Geschäftsführers Xander Seiler zu tun?

Ettlin: Es steht tatsächlich teilweise im Zusammenhang damit. Aber das will ich nicht genauer kommentieren. Wir haben in dieser Hinsicht Stillschweigen vereinbart.

Die neue Gondelbahn forderte die Korporation wohl stark. Überforderte das die Korporation?

Ettlin: Überfordert nicht, aber es brachte uns stark an unsere Grenzen. Wir alle, die Geschäftsleitung und der Korporationsrat, waren mehr gefordert als sonst, doch das war absehbar. Wenn aber die Chemie zwischen den Verantwortlichen operativ und strategisch nicht so funktioniert, kommt dies bei solchen Grossprojekten besonders zum Tragen.

Abgesehen davon: Wie fällt die Bilanz zur ersten Saison mit der neuen Gondelbahn aus?

Ettlin: Sehr gut. Wir konnten die neue, windsichere Gondelbahn pünktlich am 15. Dezember des vergangenen Jahres in Betrieb nehmen, blieben bisher von Störungen verschont, erwirtschafteten einen Umsatz von über 9 Millionen Franken. Die Gäste loben die neue Gondel. Diesbezüglich konnten wir unser Ziel, den Komfort mit der neuen Bahn zu steigern, erreichen.

Das Eigenkapital macht noch 60 Prozent der Bilanzsumme aus – so wenig wie noch nie. Wie dramatisch ist das, wenn das Fremdkapital mittlerweile 40 Prozent beträgt?

Ettlin: Überhaupt nicht dramatisch. Aber wir sind gefordert, haben hohe Zinslasten. Die Betriebe der Korporation, wie eben die Sportbahnen, müssen erfolgreich wirtschaften, die gesetzten Ziele erreichen.

Sie mussten an der Korporationsversammlung für den Ersatzbau der Gondelbahn 2 Millionen Franken beantragen, welcher auch bewilligt wurde. Wie kam es zu diesen Mehrkosten?

Ettlin: Wir mussten einen Architekturwettbewerb lancieren, das hatten wir im Voraus nicht gewusst. Dieser Architekturwettbewerb verteuerte den Bau der Berg- und Talstation, da wir im Gegensatz zum Architekten des Siegerprojekts nur einen zweckmässigen Bau vorgesehen und budgetiert hatten. Auch die Schliessfächer in der Talstation und die WC-Anlagen auf der Bergstation, deren Umsetzung aus Kostengründen um ein Jahr verschoben wurden, trugen ebenfalls zu diesen Mehrkosten bei. Dazu kamen die Infrastrukturkosten des Parkplatzbewirtschaftungssystems.

Sie sprachen an der Korporationsversammlung von Verbesserungspotenzial. Wo orten Sie denn dieses?

Ettlin: Vor allem bei der Parkplatzbewirtschaftung und der Strassenräumung. Eine Barriere ist unglücklich platziert und führte so immer wieder zu Rückstau. Ebenfalls versuchen wir, die Zuteilung der Autos zu den Parkplätzen zu optimieren und zu beschleunigen. Zwei- oder dreimal kam es vor, dass Fahrzeuge im Schnee stecken blieben und so einen Rückstau verursachten. Es gab kein Durchkommen mehr. In solchen Fällen werden wir künftig die Strasse schwarz räumen, also salzen.

Zu reden gab auch die neue Regelung für die Benutzung der Strasse auf die Frutt und den Parkplatz auf der Bergstation. Ab 15. Juni kostet dies 36 statt 12 Franken.

Ettlin: Wir kommunizierten im Vorfeld offen, dass wir eine restriktive Lösung anstreben. Dahinter stehen ökologische und betriebswirtschaftliche Überlegungen. So wollen wir die Zahl der Fahrzeuge auf der grundsätzlich autofreien Frutt in Grenzen halten und vermehrt Tagesgäste animieren, die neue Gondelbahn zu benützen. Viele hatten im Vorfeld unbegründete Befürchtungen, mittlerweile legte sich die Aufregung, und wir hoffen, dass den Leuten nun vieles klarer ist.

Sind Änderungen in der Struktur und Organisation der Korporation Kerns geplant?

Ettlin: Wir haben vor zwei Jahren eine interne Arbeitsgruppe eingesetzt, welche die Korporation sozusagen durchleuchten soll und Verbesserungspotenziale in den Abläufen und der Struktur ausmachen soll. Wir haben Stabsstellen geschaffen, welche die Koordination zwischen der Korporation und den einzelnen Betrieben verbessern.