Kernser Behindertensportler hat ein grosses Ziel vor Augen

Pädi Ifanger will an den Paralympics in Tokio im Jahr 2020 die Schweiz vertreten. Der Obwaldner glaubt an sich und seinen Traum.

Sepp Odermatt
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Pädi Ifanger will mit seinem Rennvelo an den Paralympics 2020 in Tokio dabei sein. (Bild: PD)

Pädi Ifanger will mit seinem Rennvelo an den Paralympics 2020 in Tokio dabei sein. (Bild: PD)

Während der Aufbauarbeiten zum Zentralschweizerischen Jodlerfest in Sarnen hatte sich Pädi Ifanger (46) am 20. Juni 2015 am Fussgelenk schwer verletzt. Die anschliessenden Operationen verliefen allesamt erfolglos. Nach andauernden Schmerzen und unzähligen medizinischen Versuchen und Abklärungen konnte sein Fuss nicht mehr gerettet werden. «Am 17. April 2017 wurde mein rechter Unterschenkel amputiert. Zum Glück verlief die Heilung dank vieler Personen in meinem Umfeld sehr gut, sodass ich bereits Mitte August mit dem Bike einfache Touren absolvieren konnte», erzählt der Familienvater. Von seiner Frau und den beiden erwachsenen Kindern sei er motiviert und unterstützt worden. Dadurch habe er sich schon bald mit der neuen Situation abgefunden. Schon vor dem Unfall war der gebürtige Melchtaler ein Bewegungsmensch. Beim Skifahren, Wandern und Biken blühte er so richtig auf.

Schon immer war auch das Jodeln seine Passion. «Die Jodlerproben mit den Vereinskameraden im Melchtal stehen für mich an oberster Stelle. Ich bin schon extra vom Bündnerland an die Probe gefahren und danach wieder zurück. Neben dem Drang nach Bewegung kann ich beim Jodelgesang meine innere Ruhe und Zufriedenheit finden», sagt Pädi Ifanger, der im Aussendienst arbeitet und viel unterwegs ist.

«Es braucht Ausdauer und Durchhaltewillen»

Nun muss er sein Arbeitspensum reduzieren, denn es steht ein neues Projekt an. Er will semi-professionell Behindertensport betreiben. Begonnen hat das Ganze mit der Anfrage des Nationaltrainers im Radfahren. Dieser möchte nämlich ein Team aufbauen, das am Strassenrennen an den Paralympics in Tokio die Schweiz vertreten wird. Das war für den Kernser natürlich eine grosse Ehre – aber auch eine Herausforderung. Jeden Montag und Freitag, oft auch am Samstag fährt der Sportler nach Grenchen, wo er mit seinen Kollegen ein intensives Bahntraining absolviert. Am Dienstag und Donnerstag stehen Krafttraining und Fitness auf dem Programm, und am Mittwoch ist Spinning angesagt.

«Es braucht Ausdauer und Durchhaltewillen, wenn ich mich für die Spiele in Tokio qualifizieren will. Im Moment ist die Limite für die tausend Meter bei einer Minute und 15 Sekunden. Diese Vorgabe kann aber durchaus noch heruntergesetzt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt fehlen mir noch vier bis fünf Sekunden. Ich glaube, dass ich mich noch verbessern kann und die verlangte Zeitvorgabe schaffe», ist der Obwaldner überzeugt.

Hohe finanzielle Aufwendungen

Pädi Ifanger investiert neben seinem physischen und mentalen Training zusätzlich in technische Mittel, damit er sein Ziel erreichen kann. Die finanziellen Aufwendungen sind ebenfalls sehr hoch. Rund 30 000 Franken benötigt er jährlich für Lohnausfall und Reisen an Wettkämpfe im In- und Ausland. Solange er nicht in der Nationalmannschaft ist, muss er alles selber berappen. Das Material wird ihm von Sponsoren zur Verfügung gestellt. Der gelernte Netzelektriker ist Mitglied des RMC Obwalden und gehört dem Behindertenverband Plusport an.

Am 13. Oktober wird Pädi Ifanger in Grenchen an der Schweizer Meisterschaft der Behindertensportler auf der Velorennbahn teilnehmen. Falls sein Traum – die Teilnahme an den Paralympics 2020 – in Erfüllung geht, wird er noch mehr gefordert. «Dann werde ich mein Arbeitspensum auf 50 Prozent senken und sicherlich drei Monate vor dem Wettkampfbeginn ein hundertprozentiges Vorbereitungstraining absolvieren. Bis es allerdings soweit ist, braucht es noch einige Trainings- und Wettkampfeinheiten. Ich glaube an mich und bin überzeugt, dass ich es schaffen werde», sagt der Sportler mit grosser Zuversicht.