Kultur
Mit Fleiss und Spass zur Konzertreife

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester bereitete sich im Sportcamp Melchtal auf drei Konzerte vor.

Primus Camenzind
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Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester probt unter der Leitung von Dirigent Gregor Bugar im Sportcamp Melchtal.

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester probt unter der Leitung von Dirigent Gregor Bugar im Sportcamp Melchtal.

Bild: Primus Camenzind (Melchtal, 20. August 2021)

Am Freitag, dem zweitletzten Tag einer intensiven Probewoche, besuchten wir das aus 70 jungen Musikerinnen und Musikern bestehende Ensemble. Für 10 Uhr war ein Durchlauf des gesamten Konzertprogramms vorgesehen. Bevor die Streicher, Bläser und Schlagzeuger ihren Instrumenten faszinierende Töne entlockten, waren sie jedoch mit ganz alltäglichen Verrichtungen beschäftigt. Das gemeinsame Frühstück schien beendet; allerdings weilten einige noch mit einem Birchermüsli im Freien vor dem Hauptgebäude des Camps, andere wiederum erfreuten sich mit der Zahnbürste im Mund der freundlichen Morgensonne. Gegenüber am Waldrand fand eine regelrechte Fotosession statt. Elegant in Schwarz gekleidet und mit ihren Geigen und Celli ausgerüstet, machten sich die Streicher zum Gruppenbild bereit. Diese Aktivitäten verschafften uns die Zeit für ein Gespräch mit dem Dirigenten Gregor Bugar und mit Naemi Dal Farra, Geigerin und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Ensembles.

Jugendförderung auf hohem Niveau

Der Serbe Bugar ist im Tessin aufgewachsen und absolviert an der Hochschule in Luzern das Masterdiplom. Zudem studiert er im Nebenfach auch Dirigat. Für ihn ist das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester (ZJSO) «wie eine Familie, die unglaublich tolle Menschen verbindet». Er bezeichnet das Orchester als «heterogen», weil sich die einen im Musikstudium befinden, während andere einem bürgerlichen Beruf nachgehen. «Die jungen Leute zwischen 16 und 25 Jahren haben eines gemein: die Freude an der Musik und ein gutes Niveau auf ihrem Instrument», betont er. Das ZJSO sei ein voll ausgebautes Orchester. «Grundsätzlich geht es bei uns um Jugendförderung auf hohem Niveau», ergänzt Naemi Dal Farra. Man pflege allerdings einen familiären Umgang und dürfe ohne weiteres auch Fehler machen. «Bei der Probearbeit geht es auch um Vertrauen», sagt Bugar. «Wer neu ins Orchester kommt, schafft das in der Regel auf Empfehlung. Wer sich bewirbt, ohne dass wir seine Qualitäten bereits kennen, wird zu einem kurzen Vorspiel eingeladen», gibt uns Dal Farra zu verstehen.

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester mit Soloflötistin Delia Steiner und Dirigent Gregor Bugar.

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester mit Soloflötistin Delia Steiner und Dirigent Gregor Bugar.

Bild: Primus Camenzind (Melchtal, 20. August 2021)

Bisher mit Glück durch die Pandemie

Grundsätzlich spielt das ZJSO Konzerte im Frühling, organisiert ein Probenlager im Sommer, um anschliessend noch weitere Konzerte zu geben (siehe Kasten). «2022 feiert wir ein Jubiläum. Es soll deshalb ein spezielles Jahr werden», sagt Naemi. In der vergangenen, von der Pandemie geprägten Zeit hatte das Orchester sehr viel Glück. Das ZJSO konnte vor allem auf den Kanton Uri zählen. Ausserdem kam von der Hochschule Luzern – Musik weitere Unterstützung. «Wir durften im Mai 2021 im Kanton Uri unter Befolgung eines strengen Schutzkonzeptes das Projekt ‹Träumereien› mit den Proben und einem Livestream-Konzert durchziehen», erklärt Dal Farra. Auch im Sommer des vergangenen Jahres durfte das Orchester konzertieren. Zum Beginn des aktuellen Lagers wurden sämtliche Teilnehmer auf Covid getestet. Ein zweiter Test fand am Donnerstag statt.

Auf die Frage, ob es im hintersten Teil des Melchtals auch den berüchtigten «Lagerkoller» gab, antwortete die Geigerin mit einem vielsagenden Lächeln. «Wir hatten hier im Camp gemütliche Abende mit Spiel und Spass, aber alle sind sich bewusst, dass an den Proben am nächsten Morgen wieder volle Konzentration gefragt ist.» Auch gegen Ende des Lagers sei kein Koller, jedoch eine gewisse Müdigkeit festzustellen.

Kurz vor der Konzertreife

Pünktlich um 10 Uhr kehrte absolute Ruhe im Probesaal ein. Auf der Oboe erklang der «Kammerton A 442» als Basis für eine perfekte Stimmung. Die Konzertmeisterin an der ersten Geige erhob sich, nahm diesen Ton ab und vergewisserte sich, dass alle Instrumente entsprechend kalibriert wurden. Gregor Bugar hob seinen Taktstock und die Tutti-Probe begann. Das Thema «Schicksal» prägte den Klang des Orchesters. Es befand sich kurz vor der Konzertreife. Obwohl: «Jetzt und heute Nachmittag geht es noch um kleine Details, die es zu verbessern gilt», gab der Dirigent zu verstehen.

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester ist bereit für die nachfolgenden Konzerte in Zug, Andermatt und Luzern.

Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester ist bereit für die nachfolgenden Konzerte in Zug, Andermatt und Luzern.

Bild: Primus Camenzind (Melchtal, 20. August 2021)

Schicksal – drei Konzerte: Das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester spielt Werke von Othmar Schoeck (1886–1957), Antonin Dvořák (1841–1904), Dmitry Kabalevsky (1904–1987), Carl Reinecke (1824–1910) mit Delia Steiner, Soloflöte. Sa, 28.8., 19.30, Zug, Theater Casino. So, 29.8., 17.00, Andermatt, Concert Hall. Sa, 4.9., 19.30, Luzern, Hofkirche. Vorverkauf: www.zjso.ch.